: Waldbrände: Freiwillige opfern ihren Urlaub

von Erik Peuker, Sachsen
05.08.2022 | 16:18 Uhr
Im Nationalpark Sächsische Schweiz brennt der Wald. Ehrenamtliche der Katastrophenschutzorganisation "@fire" helfen der Feuerwehr - und opfern dafür teils ihren Urlaub.
Freiwillige vom "@fire"-Team beim Einsatz in der Sächsischen-Schweiz.Quelle: @fire
In einem kleinen Wohnwagen neben der Feuerwache im sächsischen Bad Schandau haust Karsten Triesch. Eigentlich kommt er aus Hessen und arbeitet als Beamter, seinen Einsatz in der Waldbrandregion absolviert er in seinem Urlaub. Für die Katastrophenschutzregion "@fire" ist Triesch als Logistiker tätig.
Ich bin nachts um Zwei hier angekommen, und um Fünf habe ich angefangen, zu arbeiten.
Karsten Triesch, Freiwilliger
Und weiter: "Ich habe den Eindruck, mein Körper gewöhnt sich daran, mit wenig Schlaf auszukommen".
Jeden Tag sind 30 bis 40 Freiwillige aus dem gesamten deutschsprachigen Raum für "@fire" im Einsatz. Unter ihnen sind viele Spezialkräfte - sie werden mit Hubschraubern über dem Brandgebiet abgesetzt oder bekämpfen mit speziellen Löschrucksäcken das Feuer.

Die hohen Temperaturen und starke Trockenheit sorgen weiterhin für eine brenzliche Situation in der sächsischen Schweiz. Die Feuerwehr kämpft gegen Glutnester und Bodenfeuer an.

02.08.2022 | 01:13 min

Freiwilligen-Camps direkt im Wald

Zum Teil schlafen die Frauen und Männer in eigens errichteten Camps direkt im Wald. Die Einsatzstellen sind manchmal nur durch einen stundenlangen Fußmarsch zu erreichen.
Das schwierige Gelände erschwere den Einsatz zusätzlich, ebenso die hohen Temperaturen und die extreme Trockenheit, erzählt Florian Reuter. Der junge Kölner arbeitet hauptberuflich als Rettungssanitäter, jetzt organisiert er den Einsatz in der Sächsischen Schweiz. Einen Waldbrand dieses Ausmaßes habe er in Deutschland noch nicht erlebt und allein die Dauer des Einsatzes mache alle Einsatzkräfte mürbe, schildert er.
Das "@fire"-Team im Camp beim Einsatz in der Sächsischen-SchweizQuelle: @fire

Wo die Freiwilligen schon weltweit im Einsatz waren

Seit zwanzig Jahren unterstützen die freiwilligen Kräfte von "@fire" weltweit bei Katastrophenlagen. So wurden Ehrenamtliche etwa
  • nach der Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut,
  • nach dem Erdbeben in Nepal oder
  • der Flutkatastrophe im Ahrtal im vergangenen Jahr eingesetzt.

Brandenburg ist Hochrisikoland, nirgendwo sonst brennt es so oft wie hier. Ob durch Pflanzen von Eichen oder Branderkennung durch Drohnen, man stellt sich auf den Klimawandel ein.

04.08.2022 | 02:56 min

Einsatz im Brandgebiet könnte verlängert werden

Etwa 450 Mitglieder zähle der Verein, erläutert Pressesprecher Tim Heunisch. Staatliche Unterstützung erhält "@fire" nicht - die Finanzierung erfolge hauptsächlich über Spenden. Allerdings habe der Freistaat Sachsen zugesichert, die Kosten für diesen Einsatz zu tragen.
Wie lange der Einsatz von "@fire" noch geht, weiß keiner genau. Geplant ist der Einsatz zunächst bis Freitag, eine Verlängerung ist jedoch gut möglich. In diesem Fall möchte Karsten Triesch bleiben und weiter mithelfen - er hat noch eine Woche Urlaub.

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