: Forschungen auf dem Mond helfen der Erde

von Felix Rappsilber
10.03.2022 | 07:50 Uhr
ESA-Astronaut Alexander Gerst will mehr über den Mond als "unentdeckten achten Kontinent" wissen. Das könne auch helfen, Forschungsprojekte auf der Erde weiterzubringen.

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10.03.2022 | 44:32 min
Lächelnd gestand Alexander Gerst, dass er nicht Nein sagen würde, wenn er demnächst den Mond betreten dürfe. Eine "reale Möglichkeit" dafür sei das Gateway-Projekt der NASA und der ESA, berichtete Alexander Gerst am Mittwochabend bei "Lanz".
Gerst sprach von einer "tollen Aufbruchsstimmung" innerhalb des Gateway-Projektes. Er selbst sei für die Europäische Weltraumorganisation ESA dabei, die gemeinsam mit der US-Raumfahrtbehörde NASA das Raumschiff Orion baue.

Raumstation soll Mond umkreisen

Der Plan sei, mit Orion zum Mond zu fliegen, um dort den Gateway aufzubauen - eine Raumstation, die den Mond umkreist - und von dort aus wieder auf die Mondoberfläche zu fliegen und dort nachhaltig zu forschen.
Es gehe nicht nur darum, eine Flagge in den Mond zu rammen, stellte Gerst klar. Stattdessen würden aktuell ein Wohn- und ein Wissenschaftsmodul für die Raumstation für weitere Forschungen gebaut.

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Gerst sieht Mond als "unentdeckten achten Kontinent"

Der Mond, den Alexander Gerst als den "unentdeckten achten Kontinent der heutigen Zeit" bezeichnete, sei zwar "nur eine Tagesreise" entfernt, doch noch immer nicht genau erforscht.
Weil der Mond aus der Erde heraus entstanden sei, müsse man mehr über ihn erfahren, bekräftigte der Astronaut. Denn:
Das ist wichtig auch für unser Selbstverständnis der Erde. (…) Kann er uns verraten, wie wir vielleicht die Erde besser schützen (…) können?
Alexander Gerst, ESA-Astronaut

Sonnenstürme und Asteroiden als Bedrohung der Erde

Denn potentielle Bedrohungen der Erde seien Sonnenstürme und Asteroiden. Potentielle Bedrohungen der menschlichen Gesundheit werden im All ebenfalls erforscht. Auch von Alexander Gerst, der als Wissenschaftsastronaut auf der Internationalen Raumstation ISS arbeitete und deren Kommando er zeitweise innehatte. Er sagte:
Viele Wissenschaften stoßen irgendwann auf eine Lücke, die sie nicht füllen können, weil man auf der Erde spezielle Experimente überhaupt nicht durchführen kann.
Alexander Gerst, ESA-Astronaut

Tumore in der Schwerelosigkeit erforschen

Ein Beispiel sei die Tumorforschung, so Gerst. Er erklärte, dass ein Tumor auf der Erde im Labor in einer zweidimensionalen Petrischale wachse - und damit ganz anders als im menschlichen Körper.
Untersuche man den Vorgang hingegen in der Schwerelosigkeit, könne dieser Tumor in einer Nährlösung dreidimensional wachsen und verhalte sich daher anders gegenüber den Medikamenten, die man testen wolle.
Alexander Gerst resümierte: "Die Schwerelosigkeit erlaubt uns, ein paar Prozesse zu beobachten, die normalerweise von der Gravitation gestört werden (...)". So könne man diese Blockade auflösen, die die Wissenschaften am Boden hätten.

Gerst: "Erde ist der einzige besondere Ort"

Ein Anliegen Gersts war es an diesem Abend außerdem, seine Wertschätzung für die Erde auszudrücken.
Zwar denke jeder Astronaut vor seinem ersten Flug, der Weltraum sei ein besonderer Ort. Doch: "Dann kommen wir zurück und realisieren: Diese Erde hier ist der einzige besondere Ort, den wir kennen." Es gebe keine Alternative, betonte Gerst. Und weiter:
Wir betreiben Weltraumforschung, weil wir diesen Planeten schützen wollen und weil wir es nur dadurch können.
Alexander Gerst, ESA-Astronaut

Wertschätzung für Erde nötig

Für Menschen, die ein Leben auf dem Mars ins Spiel bringen, zeigte Alexander Gerst kein Verständnis.
Sein Vorschlag lautete: "Jeder von denen müsste vielleicht mal ein halbes Jahr lang auf der ISS verbringen, weit weg von diesem Planeten, um einfach diese Wertschätzung dafür wieder zu bekommen, wie genial das hier ist."

Astronaut vermisste im All Regen

Als "genial" bezeichnete der Astronaut die Möglichkeit, draußen umherzulaufen sowie die Tatsache, dass es regne, dass die Sonne scheine und moderate Temperaturen herrschten.
Abschließend gab Alexander Gerst zu, dass er im All auf der ISS vermisst habe, an einem schmuddeligen Regentag an der Elbe entlangzugehen. Mit Liebe zur Erde.

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