: "Ich habe noch viele Träume"

30.04.2022 | 13:41 Uhr
Mit 28.000 Stundenkilometern nochmal um die Erde, ein Blick auf funkelnde Städte - dann ist Feierabend für Astronaut Maurer. Es geht zur Erde zurück. Was von der Mission bleibt.
Esa-Astronaut Matthias Maurer in Aktion.Quelle: Imago
Ein letztes Mal mit rund 28.000 Stundenkilometern um den Erdball rasen, ein Abschiedsblick auf funkelnde Städte - dann ist Feierabend für Matthias Maurer. Nach knapp sechs Monaten im All kehrt der deutsche Esa-Astronaut in den kommenden Tagen zur Erde zurück, das genaue Datum war zunächst noch unklar.
Wenige Stunden nach dem Abkoppeln von der Raumstation wird dann die "Crew Dragon"-Kapsel im Wasser vor der US-Küste landen.

Er nennt seine Mission Cosmic Kiss. Sechs Monate lebte und arbeitete Matthias Maurer auf der ISS, dem internationalen Außenposten der Menschen im All. Anfang Mai kommt er zur Erde zurück.

27.04.2022 | 28:55 min
Mit der Mission habe er sich einen Traum erfüllt, sagt der 52-Jährige. Und jetzt? "Ich habe noch viele Träume", meint Maurer. Diese Träume seien aber anders.

Intensive Dienstreise in die Schwerelosigkeit

Inmitten schwerster Spannungen zwischen dem Westen und Moskau wegen des Ukraine-Krieges forschte Maurer in der "Weltraum-WG" mit Russen und US-Amerikanern. Noch aus 400 Kilometern Entfernung bemerkte er beim Flug über die Ukraine große Rauchfahnen.
Die Spannungen betreffen auch die Raumstation selbst: Russland hat die Zukunft für ihren Teil des fliegenden Labors für die Zeit nach 2024 zuletzt offen gelassen. Die USA streben eine Laufzeit bis mindestens 2030 an. Ob und wann der nächste Deutsche dort arbeiten wird, ist unklar.

Kritik an Kosten der ISS-Flüge

Die Flüge zur ISS sind nicht unumstritten. Zu teuer, zu belastend für die Umwelt, zu uneffektiv, meinen Kritiker.
Maurer, der zwölfte Deutsche im All, sieht das nicht so:
Ich möchte vor allem Kinder, Jugendliche und Studenten inspirieren, neugierig zu bleiben, Fragen zu stellen und zu sagen: Ich kann das auch,
Matthias Maurer, deutscher Esa-Astronaut
"Wenn mir das gelingt, war meine Mission für Deutschland und für die Menschheit ein großer Erfolg."
Auch andere Befürworter betonen, für umgerechnet zwei Euro pro Jahr pro Bundesbürger liefen auf der Raumstation wichtige Experimente zu Zukunftstechnologien, die so auf der Erde nicht möglich wären.

An über 100 Experimenten beteiligt

Maurer war am 11. November mit drei Kollegen der US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Internationalen Raumstation ISS gereist. Auf dem Außenposten der Menschheit war er an mehr als 100 Experimenten beteiligt, davon 34 aus Deutschland, unter wesentlicher Organisation des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). Und Maurer stieg zu fast siebenstündigen Arbeiten in den freien Weltraum aus.
Mit 52 Jahren ist der Mann mit einem Doktortitel in Materialwissenschaft auch der älteste deutsche Raumfahrer bei einem Erstflug. Zudem bot der Krieg auf der Erde nicht gerade Anlass für Klamauk im Kosmos. Maurer freut sich auf vieles auf der Erde, etwa auf frischen Salat.

Am Ende geht's dann ganz schnell

Am Ende seiner Mission wird es für Maurer schnell gehen. Nach dem Abkoppeln tritt die "Crew Dragon"-Kapsel der US-Firma SpaceX in die Erdatmosphäre ein und wird durch die Luftreibung kontinuierlich gebremst.

Eine neue Astronauten-Crew ist mit einer SpaceX-Rakete zur ISS gestartet. Drei US-Amerikaner und eine Italienerin sollen den Deutschen Matthias Maurer und sein Team ablösen.

27.04.2022 | 00:19 min
Diese massiven Kräfte drücken Maurer und drei weitere Rückkehrer in die Sitze, bis Fallschirme den Sturz weiter abbremsen und eine sanfte Wasserung ermöglichen - normalerweise vor der Küste Floridas, es gibt aber je nach Wetter weitere mögliche Landezonen.
Auf der Erde hilft ein eingespieltes Bergungsteam den Rückkehrern. Schon am nächsten Tag wird Maurer in Köln erwartet. Dann stehen unter anderem medizinische Tests an - und ein glückliches Wiedersehen mit Familie, Freunden und Verwandten.
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Quelle: Wolfgang Jung und Birgit Reichert, dpa