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: Mehr Übergriffe gegen Frauen

von Michaela Waldow
25.11.2021 | 12:05 Uhr
Gewalt in der Partnerschaft, unerwünschte Dick-Pics und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz: Die Fallzahlen steigen, Gewalt gegen Frauen nimmt wieder zu.
Die Zahl der Gewalttaten in Beziehungen ist 2020 gestiegenQuelle: Imago
"Alle Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen im privaten Bereich zu beseitigen" - das ist Bestandteil der globalen Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen, die bis 2030 erreicht werden sollen. Wie sieht es denn aus mit den Formen der Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen in Deutschland?

Häusliche Gewalt durch Partner oder Ex-Partner

148.031 Menschen wurden 2020 Opfer von Gewalt innerhalb einer Partnerschaft, so die jüngsten Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA). Das ist ein Zuwachs zu 2019 von 4,4 Prozent. 80,5 Prozent, also vier von fünf Opfern, sind Frauen.
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Auch die Zahl der ermordeten Frauen stieg: 139 Frauen wurden 2020 von ihrem Partner oder Ex-Partner getötet, 2019 starben 117 Frauen durch Partnergewalt. Zusammen mit den versuchten Tötungen gab es 2020 359 Fälle.
Zur Partnerschaftsgewalt zählt aber nicht nur körperliche Gewalt: Um Macht und Kontrolle zu erhalten, wird durch den Täter auch psychische Gewalt wie Demütigungen, Drohungen, soziale Isolation oder wirtschaftlicher Druck auf das Opfer ausgeübt. Der Weiße Ring geht davon aus, dass nur jede fünfte Tat angezeigt wird.
Jeden dritten Tag bringt ein Mann in Deutschland seine Partnerin oder Ex-Partnerin um. Femizid wird die Ermordung von Frauen aufgrund ihres Geschlechts genannt.

Sexismus und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz

Laut von der Antidiskriminierungsstelle des Bundes 2019 veröffentlichten Studie hat jede achte berufstätige Frau (13 Prozent) in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung und Gewalt am Arbeitsplatz erlebt. Bei den Männern gab jeder 20. Mann (fünf Prozent) an, sexuell belästigt worden zu sein. 83 Prozent der Betroffenen gaben zudem an, dass es mehr als eine belastende Situation in diesem Zeitraum gab.
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Nicht nur körperliche Übergriffe zählen zu dieser Form von Gewalt. Auch sexistische Sprüche, obszöne Gesten, anzügliche Blicke, das Zeigen sexueller Inhalte, unerwünschte Kommentare zum Äußeren – eben alles, was die Würde der betroffenen Person verletzt, zählen dazu. Nicht selten führen die Übergriffe zu psychischer Belastung mit gesundheitlichen Auswirkungen.
Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz schadet somit nicht nur den betroffenen Personen, sondern in der Folge auch den Betrieben.

Stalking als Grenzüberschreitung

Fast jede vierte Frau erlebt im Laufe ihres Lebens eine Form von Stalking, also übergriffigem Nachstellen und Grenzüberschreitungen, oft mit massiven Auswirkungen auf die psychische und physische Gesundheit. 80 Prozent der Täter sind Männer und in 93,6 Prozent der Fälle mit der Person bekannt, die sie belästigen.
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Die Täter stammen aus allen Altersgruppen und sozialen Schichten. Hauptmotive mit 37,5 Prozent sind das Herstellen oder das Wiederaufnehmen einer Liebesbeziehung, ergibt die Stalking-Studie 2018 vom Weißen Ring. Die Motive sind immer geprägt von übergriffigem Anspruchsdenken. Frauen haben aber das Recht, nicht beobachtet, überwacht oder verfolgt zu werden.

Gewalt im Internet

Im Internet zielt besonders die sexualisierte Form der Gewalt auf Frauen ab. Per Messenger oder Social Media, öffentlich in Kommentarspalten oder als Privatnachrichten werden sexuell belästigende Nachrichten, unerwünschte Penisbilder (Dick-Pics) oder Gewaltandrohungen geschickt.
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Die am häufigsten geschilderte digitale Gewalt im Internet ist der Versuch, ein sexuelles Verhältnis anzubahnen. Danach werden die ungewollten Zusendungen von Dick-Pics oder Pornos genannt. Seltener waren Mobbing und Erpressung.
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Auch in der Altersgruppe zwischen 12 und 19 erleben Mädchen deutlich öfter Gewalt im Internet. In der JIM-Studie 2020 gaben 45 Prozent der befragten Mädchen an, Fälle von Cybermobbing aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis zu kennen. 2019 waren es zehn Prozent weniger.
Festzustellen ist, dass die Fälle von Gewalt gegen Frauen allgemein zunimmt. Auch das Hilfetelefon gibt für 2020 einen Zuwachs mit rund 51.400 Beratungen und über 80.000 Kontaktaufnahmen um 15 Prozent an.
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