: Naturkatastrophen nehmen zu

01.09.2021 | 12:56 Uhr
Der Klimawandel verstärkt Naturkatastrophen immer weiter, das ist nicht neu. Aber Zahlen der WMO zeigen: Zwischen 2000 und 2009 waren es fünf Mal so viele wie in den 70er Jahren.
Waldbrände in Griechenland. ArchivbildQuelle: Petros Karadjias/AP/dpa
Die Zahl der wetter- oder klimabedingten Katastrophen ist seit 1970 deutlich gestiegen. Zwischen 2000 und 2009 waren es fünf Mal so viele wie in den 70er Jahren, wie die Weltwetterorganisation (WMO) am Mittwoch in Genf berichtete. Stürme und Überschwemmungen machen fast 80 Prozent dieser Katastrophen aus.
Hurrikan "Ida", der gerade über die Südküste der USA fegte, könnte die teuerste derartige Katastrophe aller Zeiten werden, sagte WMO-Generalsekretär Petteri Talaas. Es sei aber noch zu früh, um das Ausmaß der Schäden zu benennen. Bislang ist es Hurrikan "Katrina", der 2005 New Orleans und Umgebung in den USA verwüstet und Schäden von knapp 164 Milliarden Dollar (rund 139 Mrd. Euro) verursacht hat.
Bei dem Hochwasser im Juli in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz entstanden nach Schätzungen Versicherungsschäden von rund sieben Milliarden Euro. 180 Menschen kamen ums Leben.
Wegen Hurrikan Ida sind im Süden der USA immer noch Hunderttausende Menschen ohne Strom. In New Orleans ist deshalb eine nächtliche Ausgangssperre verhängt worden.

1970 bis 2019: Zwei Millionen Tote nach Naturkatastrophen

Insgesamt wurden von 1970 bis 2019 rund 11.000 Katastrophen gemeldet.
Mehr als zwei Millionen Menschen kamen dabei ums Leben. Es entstanden Schäden in Höhe von 3,6 Billionen Dollar (inflationsbereinigt, rund drei Billonen Euro). Die Zahl der wetterbedingten Katastrophen pro Jahrzehnt stieg von 711 (1970-1979) auf 3.536 (2000 bis 2009). Von 2010 bis 2019 wurden 3.165 Katastrophen registriert.
Die WMO hat Daten etwa zu Stürmen, Überschwemmungen, Dürren oder extremen Hitzeereignissen und Waldbränden ausgewertet. Sie machen etwa die Hälfte aller Naturkatastrophen und 45 Prozent der Todesopfer aus. Nicht berücksichtigt sind etwa Erdbeben oder Vulkanausbrüche.
Solche Katastrophen werden durch den Klimawandel häufiger und intensiver.
Das bedeutet mehr Hitzewellen, Dürren, Waldbrände wie wir sie jüngst in Europa und Nordamerika gesehen haben.
WMO-Generalsekretär Petteri Taalas
Es sind heftige und ungewöhnliche Naturereignisse, die zu vielen Todesopfern, Verletzten und Obdachlosen führen. Länder wie die USA, China, Türkei sind betroffen - eine Übersicht.

Großteil der Opfer in Entwicklungsländern

Während die Katastrophen mit den größten Schäden wegen der dichten Besiedelung und relativ teuren Infrastruktur in den USA passierten, beklagten Entwicklungsländer 91 Prozent der Todesopfer. Die sechs teuersten Katastrophen passierten in den USA: Neben "Katrina" 2005 waren das etwa Hurrikan "Harvey" 2017 (97 Milliarden Dollar) und Hurrikan "Maria" im gleichen Jahr (70 Milliarden Dollar).
Nach Opfern waren die schlimmsten Katastrophen der vergangenen 50 Jahre:
  • Dürre in Äthiopien 1983 und Zyklon "Bhola" in Bangladesch 1970: geschätzt jeweils rund 300.000 Tote
  • Dürre im Sudan 1983: 150.000 Todesopfer
  • Zyklon "Gorky" in Bangladesch 1991: 139.000 Opfer
  • Zyklon "Nargis" in Myanmar 2008: 138.000 Opfer
Laut WMO-Statistik ist die Zahl der wetterbedingten Katastrophen von 2010 bis 2019 gegenüber dem Jahrzehnt davor zurückgegangen, von 3.536 auf 3.165. Der Rückgang liege an der Größenklassifizierung durch die Universität Löwen in Belgien, die das Katastrophen-Register führt, sagte WMO-Chef Talaas. Wenn die Schwelle niedriger angesetzt werde, sei deutlich, dass die Zahl kontinuierlich steige.
Quelle: dpa, AFP

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