: Wann die Dürre ausgeglichen ist

von Katja Horneffer
20.01.2023 | 12:59 Uhr
2022 war sehr sonnig, es war heiß und dürr: Nun hat es im neuen Jahr viel geregnet, besonders im Westen und Süden. Steigt im Umkehrschluss der Grundwasserspiegel?
Die erste Januar-Hälfte war nass: Es hat kräftig geregnet in Deutschland, besonders in Norddeutschland übertrafen die bisherigen Januar-Niederschläge das vieljährige klimatologische Mittel der Jahre 1991 bis 2020 zum Teil deutlich mit 60 bis über 100 Liter pro Quadratmeter. Das entspricht bis zu 140 Prozent des Klimamittels.
Im Süden und Osten kamen 30 bis 80 Prozent des üblichen Niederschlags runter, das entspricht dort 10 bis 40 Liter pro Quadratmeter. Im Westen Deutschlands, zum Beispiel an Mosel und Rhein, die zurzeit leichtes Hochwasser führen, ist das Monatssoll für Januar jetzt schon erfüllt mit 60 bis 75 Liter pro Quadratmeter.
Von großen Niederschlagsmengen und akuten Überflutungen direkt auf den Grundwasserspiegel zu schließen, greift aber zu kurz. Es dauert lange, bis sich die Bodenfeuchte im obersten Meter des Bodens auf das Grundwasser auswirkt. Denn der Grundwasserspiegel liegt je nach Bodenbeschaffenheit bei uns in Deutschland viele Meter unter der Erdoberfläche.

Trockenstress in Norddeutschland

Tatsächlich wird im Winter, wenn die Vegetation ruht, der Boden normalerweise wieder gut durchfeuchtet. Und in den meisten Regionen Deutschlands ist im Oberboden tatsächlich schon genügend Wasser vorhanden.

Immer enger und heißer: Bald herrschen in deutschen Metropolen Bedingungen wie am Mittelmeer. Was müssen wir tun, damit ein angenehmes Stadtleben überhaupt noch möglich ist?

14.05.2024 | 29:08 min
Anders sieht es im nördlichen Deutschland aus, vor allem im Sachsen-Anhalt, im südlichen Brandenburg sowie im nördlichen Thüringen - und zum Teil sogar in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen: Dort ist die Bodenfeuchte unterhalb von 40 bis 50 Zentimeter Tiefe immer noch niedrig, wie Daten des Deutschen Wetterdienstes zeigen. Teilweise herrscht dort noch immer Trockenstress.
Schon seit dem heißen Jahr 2018 erleben wir in Deutschland eine anhaltende Dürreperiode - nur unterbrochen durch das nassere Jahr 2021.

Pflanzen brauchen länger und mehr Wasser

Zurzeit kann es also vom Wasserbedarf im Boden aus gesehen eigentlich gar nicht "zu viel" regnen. Dazu kommt ja noch ein weiteres Problem, das die immer höheren Temperaturen im Zuge der globalen Erwärmung mitbringen: Da die Vegetationsperiode immer länger wird und die winterliche Vegetationsruhe immer kürzer und teilweise sogar fast komplett ausfällt, ziehen die Pflanzen auch länger im Herbst und zeitiger im Frühjahr wieder Wasser aus dem Boden für ihr Wachstum.
In Anbetracht von Dürren und Überschwemmungen - auch hier bei uns in Deutschland - wird immer deutlicher, wie wichtig Wassermanagement ist. Wenn es regnet, muss dieser Regen unbedingt versickern, darf möglichst nicht abfließen. In Städten braucht es also mehr offene, grüne Flächen - Fassaden und Dächer müssen begrünt werden, damit das Wasser vor Ort gehalten werden kann.
Solcherart begrünte Wohnumgebungen bieten in den drohenden heißen und dürren Sommern weniger lebensfeindliche Bedingungen für Mensch und Tier. Schwammstädte helfen uns, den Herausforderungen durch Extremwetter gerecht zu werden.

Stichwort: Schwammstadt

Quelle: Steffen Trumpf/dpa
Durch den Klimawandel rücken extreme Wetterereignisse wie Starkregen und Überflutungen stärker in den Fokus, Lösungen für den Schutz von Lebensraum werden gesucht. Eine davon: Schwammstädte. In einer Schwammstadt werden Flächen geschaffen, die in der Lage sind, große Mengen an Wasser aufzunehmen und zeitverzögert wieder abzugeben. Einzelne Vorzeigeprojekte gibt es in deutschen Städten, zum Beispiel Hamburg oder Berlin.

Im Ausland ist Kopenhagen eine Vorreiter-Stadt: Die gesamte Innenstadt ist nach dem Schwammstadtprinzip neu kartografiert, man errechnete ein Oberflächenabflussmodell. Daraus wird deutlich, wohin wie viel Wasser fließt, sobald es Starkregen gibt. Auf dieser Grundlage wurden Straßen, Plätze und viele Gebäude neu bewertet.

Bestimmte Straßen werden im Neigungswinkel verändert, damit sie Wasser gezielt ableiten können (Stormwater Roads). Andere Straßen werden tiefer gelegt, damit sie als Rückhalteraum dienen (Detention Roads). Und es gibt "Green Roads" - begrünte Straßenzüge, in denen Wasser in Pflanzenbeeten, Baumrigolen und Mulden neben der Straße versickern kann. Vor allem Plätze und Parks werden verändert oder neu geplant, damit sie als Rückhaltebecken möglichst viel Wasser halten, das dort versickern und verdunsten kann. Neue Bauvorhaben in der Stadt werden nach diesem Prinzip ausgerichtet. Das Ziel: Besserer Schutz vor extremen Wetterereignissen.

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