Meuthen: Bin in Sorge um meine Partei

29.11.2020 | 19:33 Uhr
Nach der Rede von AfD-Chef Jörg Meuthen auf dem Parteitag in Kalkar werfen ihm viele Mitglieder einen "Spalterkurs" vor. Im ZDF-Interview verteidigt er seine drastischen Worte.
Der Bundessprecher verteidigt seine mahnenden Worte und kann die kontroverse Debatte um seinen Ordnungsruf sogar verstehen. Jörg Meuthen ist dennoch zuversichtlich, dass die AfD sehr geschlossen in das kommende Wahljahr gehe.
Nach der viel beachteten Rede von Jörg Meuthen auf dem AfD-Parteitag in Kalkar hat der Bundessprecher der Partei seine drastischen Worte im ZDF verteidigt. Er habe es als "angemessen" empfunden, ein mahnendes Wort an die Partei zu richten, da in letzter Zeit Einheit und Disziplin im Auftreten gefehlt habe. Es ginge ihm nicht darum, die Partei zu spalten, sondern Einheit wiederherzustellen.
Ich habe in der Tat strenge Worte gewählt, und zwar deswegen, weil ich in Sorge bin um meine Partei.
Jörg Meuthen, AfD-Bundessprecher
Dass es dann darüber eine kontroverse Debatte gebe, sei völlig normal, so Meuthen. Am Samstag hatte AfD-Chef Meuthen unter anderem kritisiert, dass manche in der AfD von "Corona-Diktatur" sprächen, keine Distanz zur sogenannten Querdenken-Bewegung zeigten und mit dem Begriff "Ermächtigungsgesetz" hantierten. "Das kann und darf so keinesfalls weitergehen", forderte er in einer auch mit Buhrufen bedachten Rede.

Meuthens Rede löste heftige Kritik in der AfD aus

Am Sonntag führte die Rede zu heftigen Wortgefechten zwischen Gegnern und Anhängern Meuthens. Die Kritiker warfen ihm vor, der Partei und dem Parteitag Schaden zugefügt zu haben und die Partei zu spalten.
"Wer Disziplin von der Partei fordert, sollte das vorleben, und diese Bühne nicht zur Abrechnung mit unlieben Parteimitgliedern missbrauchen", sagte Birgit Bessin vom Landesverband Brandenburg. Ein Antrag, "das spalterische Gebaren" Meuthens und die "Unterstellungen aus der Begrüßungsrede" zu missbilligen, scheiterte aber. Eine knappe Mehrheit verhinderte, dass über ihn abgestimmt wurde.
Meuthen zeigte sich im ZDF dennoch optimistisch, dass die kriselnde Parte geschlossen in das Superwahlkampfjahr mit sechs Landtags- und der Bundestagswahl gehe. "Manchmal muss ein reinigedes Gewitter sein und anschließend steht man besser und geschlossener da als je zuvor", sagte der Bundessprecher der AfD.

Meuthen kritisiert Verfassungsschutz

Dass der Verfassungschutz unter Präsident Thomas Haldenwang erwägt, die gesamte AfD unter Beobachtung zu stellen, kann Meuthen nicht nachvollziehen. Die Radikalisierung in der Partei nehme "ganz gewiss nicht zu".
"Wir sind eine durch und durch bürgerliche Rechtsstaatspartei, die absolut fest auf dem Boden des Grundgesetzes steht", findet Meuthen. Dass der Verfassungschutz eine Beobachtung der Gesamtpartei überhaupt in Erwägung ziehe, lasse zunehmend auf eine Instrumentalisierung der Behörde schließen, so Meuthen.
Parteichef Jörg Meuthen hat in seiner Rede auf dem Bundesparteitag der AfD in Kalkar den ultrarechten Flügel angegriffen. Viele Delegierte werfen ihm vor, die Partei zu spalten.
Quelle: ZDF, dpa

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