Angreifer nehmen 150 Geiseln in Sikh-Tempel

25.03.2020 | 12:51 Uhr
In Afghanistans Hauptstadt Kabul haben mehrere Angreifer einen Sikh-Tempel gestürmt - und mehr als 150 Geiseln genommen, darunter Frauen und Kinder. Die Zahl der Toten ist unklar.
Afghanische Sicherheitskräfte riegeln den Ort des Anschlags in Kabul ab.Quelle: AP
Eine Gruppe von Attentätern griff das Heiligtum in der Schorbasar-Gegend am frühen Morgen an, wie der TV-Sender "Tolo News" berichtete. "Die Angreifer haben etwa 150 bis 200 Menschen als Geiseln genommen, darunter auch Frauen und Kinder. Die Gottesdienstbesucher gehen normalerweise früh am Morgen in den Tempel", sagte auch ein Vertreter der Sikh- und Hindugemeinschaft im afghanischen Parlament der Deutschen Presse-Agentur. Der Sender BBC berichtete von Selbstmordattentätern und Angreifern mit Schusswaffen.
"Selbstmordattentäter sind heute Morgen um 7:45 Uhr (Ortszeit) in den Sikh-Tempel in der Schorbasar-Straße im Polizeibezirk Eins der Stadt Kabul eingedrungen", hieß es aus dem Innenministerium. Kurz darauf seien Sicherheitskräfte am Ort des Geschehens eingetroffen.

"Gebiet abgeriegelt - Mehrere Tote

"Der erste Stock des Tempels ist geräumt worden. Eine Reihe von Menschen wurde gerettet. Die Spezialeinheiten sind besonders vorsichtig, da es sich um einen zivilen Bereich handelt. Das Gebiet wurde abgeriegelt", sagte ein Sprecher des Innenministeriums am Vormittag.
Bislang haben wir keine Nachrichten aus dem Inneren (des Tempels). Ich kenne keine Einzelheiten, vor allem nicht die Zahl der Angreifer. Leider leben auch Familien in der Nähe des Gotteshauses.
Anarkali Honaryar, Sikh-Politikerin und Mitglied des afghanischen Parlaments.
Einige Menschen hätten sich in dem Tempel versteckt und ihre Handys ausgeschaltet. "Ich bin sehr besorgt", sagte ein Mitglied der Sikh-Gemeinde im afghanischen Parlament, Anarkali Kaur Honarjar.
Über die Zahl der Opfer herrscht indes Unklarheit. Am Vormittag hieß es von einem leitenden Sicherheitsbeamten, dass bei dem Angriff zwei Menschen getötet worden seien. Die Nachrichtenagentur epd berichtet mittlerweile von elf Toten, die Nachrichtenagentur AFP mit Berufung auf das Innenministerium in Kabul dagegen von 25 Toten.

IS-Miliz bekennt sich offenbar zu Angriff

Zu dem Angriff bekannte sich nach Angaben der auf die Beobachtung islamistischer Netzwerke spezialisierten US-Gruppe SITE die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS).
Im Jahr 2018 kamen bei einem Selbstmordanschlag durch den IS in der östlichen Provinz Nangarhar mindestens 19 Menschen ums Leben, darunter mehrheitlich Mitglieder der Sikh-Gemeinschaft. Viele Anhänger des Sikhismus verließen daraufhin das Land. Heute leben nach Angaben von Sikh-Politikern nur noch etwa 1.000 Sikhs in Afghanistan.
Afghanistan kämpft derzeit mit wiedererstarkenden Aufständischen, politischem Stillstand, massiven Kürzungen an US-Hilfen, einem stockenden Friedensprozess und einer wachsenden Zahl an Coronavirus-Infektionen.

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