: Merkel begrüßt EU-Hilfen für Afghanistan

12.10.2021 | 17:42 Uhr
Den Menschen in Afghanistan droht nach Machtübernahme der Taliban eine Hungerkatastrophe. Die EU will mit einer Milliarde Euro helfen. Kanzlerin Merkel begrüßt die Entscheidung.
Seit der Machtübernahme durch die radikal-islamischen Taliban droht Afghanistan eine humanitäre Krise. Vor allem die Kinder leiden an Hunger und Unterernährung. Internationale Hilfe ist die einzige Hoffnung – wenn die Taliban sie denn zulassen.
Angesichts einer drohenden Hungerkatastrophe will die EU-Kommission die Menschen in und um Afghanistan mit rund einer Milliarde Euro unterstützen. Das verkündete Kommissionschefin Ursula von der Leyen am Dienstag mit Blick auf das G20-Sondertreffen zu dem Land am Hindukusch. Am Dienstag hatte Bundeskanzlerin Merkel ausdrücklich für die Unterstützung Afghanistans geworben.
300 Millionen Euro der Summe waren als humanitäre Hilfe bereits zuvor angekündigt worden. Hinzukommen sollen unter anderem mindestens 250 Millionen Euro für gesundheitliche Maßnahmen.
Die G20-Staaten beraten heute in einer Videoschalte über den Umgang mit Afghanistan nach der Machtübernahme der Taliban. Es geht um humanitäre Hilfe, aber auch drohende Terrorgefahr.
Das Geld soll sowohl Menschen in Afghanistan als auch in den Nachbarstaaten zugutekommen. In den Nachbarstaaten sollen damit auch das "Migrationsmanagement", der Kampf gegen Menschenschmuggel und organisiertes Verbrechen sowie Terrorismusprävention gefördert werden.

Merkel: Hilfen für Afghanisten - trotz Kritik an Taliban

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) begrüßte die Ankündigung aus Brüssel und bekräftigte zugleich, dass Deutschland in diesem Jahr 600 Millionen Euro bereitstelle. Das hatte die Bundesregierung schon vor gut einem Monat angekündigt.
Der wirtschaftliche Kollaps Afghanistans müsse verhindert werden, betonte Merkel:
Zuzuschauen, wie 40 Millionen Menschen ins Chaos verfallen, (...) das kann und darf nicht das Ziel der internationalen Staatengemeinschaft sein.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)
"Wir alle haben nichts davon, wenn in Afghanistan das gesamte Finanzsystem zusammenbricht", so Merkel am Dienstag in Berlin weiter. "Dann kann nämlich auch humanitäre Hilfe nicht geleistet werden." Natürlich sei es eine sicher nicht immer ganz einfache Abgrenzung, wie man der Taliban-Regierung helfe.

Warnungen vor Kollaps von Wirtschaft und Versorgung

UN-Generalsekretär António Guterres schlug Alarm: Ohne Unterstützung von außen drohe der afghanischen Wirtschaft der Kollaps. Banken würden geschlossen und wesentliche öffentliche Dienstleistungen wie die Gesundheitsversorgung seien unterbrochen. 
Die Lage in Afghanistan spitzt sich weiter zu: Preise steigen und das Geld ist knapp. Es könnte eine gravierende humanitäre Krise bevorstehen.
Auch das Kinderhilfswerk Unicef warnte vor den Folgen der "dramatischen Gesundheits- und Ernährungskrise" in dem Land. Der schon bald heraufziehende Winter bringe die afghanischen Kinder in tödliche Gefahr.  Insgesamt sind in dem Land den Angaben zufolge zehn Millionen Mädchen und Jungen auf humanitäre Hilfe angewiesen - Eine Million Kinder könnten so schwer mangelernährt sein, dass sie sterben.
Unicef-Mitarbeiter in Afghanistan berichteten, dass es in Gesundheitsstationen an Personal, Medikamenten, Krankenbetten und Ausrüstung fehle. Besonders in den ländlichen Regionen sei die Lage besorgniserregend.
Innerhalb weniger Tage haben die Taliban Afghanistan eingenommen. Sind das noch die Taliban, die das Land in den 1990er in Angst und Schrecken versetzten?

Beratungen auf Einladung der italienischen Regierung

Die radikalislamischen Taliban hatten im August die Macht in Afghanistan wieder an sich gerissen. Während die ausländischen Truppen das Land verließen, sind UN-Agenturen und ihre Partner weiterhin vor Ort, um der Bevölkerung zu helfen.
Die G20, in der die stärksten Volkswirtschaften wie Deutschland vertreten sind, haben online auf Einladung der italienischen Regierung über die Lage in Afghanistan beraten. Italien hat derzeit den G20-Vorsitz inne.
Quelle: epd, dpa reuter

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