: Alkoholverbot in Bayern vorerst ausgesetzt

19.01.2021 | 15:43 Uhr
Zum Schutz vor Corona war in Bayern der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit flächendeckend verboten. Das könnte sich nun ändern: Ein Gericht hat das Verbot ausgesetzt - vorerst.
Bisher galt in ganz Bayern ein striktes Alkoholverbot in der Öffentlichkeit. Nun könnten lokale Maßnahmen in Kraft treten.Quelle: Peter Kneffel/dpa
Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof hat das bayernweite Alkoholverbot im öffentlichen Raum vorläufig außer Vollzug gesetzt. Das Gericht gab damit dem Eilantrag einer Privatperson aus Regensburg statt.
Zur Begründung teilte das Gericht mit, dass nach Infektionsschutzgesetz Alkoholverbote nur an bestimmten öffentlichen Plätzen vorgesehen seien.
Die Anordnung eines Alkoholverbots für die gesamte Fläche des Freistaats Bayern überschreite daher die Verordnungsermächtigung, die der Bundesgesetzgeber hier erteilt habe. Die Entscheidung des Senats gelte ab sofort bis zu einer Entscheidung.
Wegen der anhaltend hohen Corona-Zahlen ruft Bayern ab dem 9. Dezember erneut den Katastrophenfall aus. Unter anderem gelten dann strengere Regeln in Schulen.

Kommunen in Bayern dürfen vorerst selbst über Alkoholverbot entscheiden

Die bayerische Regierung will deshalb nun den Kommunen wieder lokale Verbote ermöglichen. "Die Entscheidung des VGH ist bedauerlich, da Alkohol enthemmt und dazu beiträgt, mit den unbedingt nötigen Hygieneabständen laxer umzugehen", teilte die Staatskanzlei der Nachrichtenagentur dpa mit.
Wir werden daher die alte Regelung wieder in Kraft setzen, wonach die Kommunen bestimmte Plätze festlegen, an denen der Alkoholkonsum im öffentlichen Raum verboten ist.
Bayrische Staatskanzlei
Seit der zweiten Dezemberwoche durfte wegen der Corona-Pandemie in ganz Bayern Alkohol nicht mehr in der Öffentlichkeit getrunken werden. "Der Konsum von Alkohol im öffentlichen Raum wird untersagt", hieß es in der Corona-Verordnung des Freistaates.

Keine Außervollzugsetzung bei Bewegungsradius

Der Eilantrag richtete sich auch gegen die 15-Kilometer-Regelung für tagestouristische Ausflüge, gegen Kontaktbeschränkungen sowie die Schließung von Bibliotheken und Archiven.
Eine Außervollzugsetzung lehnte das oberste bayerische Verwaltungsgericht hier aber ab:
  • Die Kontaktbeschränkungen seien vom Infektionsschutzgesetz gedeckt und angesichts des aktuellen Geschehens verhältnismäßig.
  • Bei der Schließung von Bibliotheken und Archiven sei offen, ob diese angesichts fehlender Ausnahmen für Bring- und Abholdienste verhältnismäßig sei.
Bis zu einer Entscheidung in der Hauptsache überwiege aber das öffentliche Interesse an der Eindämmung der Corona-Pandemie gegenüber dem individuellen Interesse des Antragstellers.
Den Antrag, die 15-Kilometer-Regelung für tagestouristische Ausflüge außer Vollzug zu setzen, wies der Senat als unzulässig ab - der Antragsteller sei von der Regelung derzeit nicht betroffen, da Regensburg unter der Sieben-Tages-Inzidenz von 200 liege und die Regel damit nicht gelte.
Der Senat traf damit aber keine Aussage über die Rechtmäßigkeit der Regelung.
Quelle: dpa

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