: Sichere Routen für afghanische Flüchtlinge

21.10.2021 | 05:58 Uhr
Die Organisation Amnesty International fordert mehr Hilfe für Afghanen auf der Flucht. Bedrohten Menschen müsse eine unbürokratische und sichere Ausreise ermöglicht werden.
Afghanische Flüchtlinge an der polnisch-belarussischen Grenze im AugustQuelle: dpa
Amnesty International hat mehr internationales Engagement für Flüchtlinge aus Afghanistan gefordert. Alle Länder müssten ihrer Verpflichtung zum Schutz von Menschen nachkommen, die von schweren Menschenrechtsverletzungen bedroht sind, und unbürokratisch eine sichere Ausreise ermöglichen, heißt es in einem am Donnerstag veröffentlichten Amnesty-Bericht.
Den am stärksten gefährdeten Personen müssten zudem umgehend humanitäre Visa erteilt werden. Afghanistan zu verlassen gleiche momentan einem "Hindernislauf", sagte die Amnesty-Migrationsexpertin Francesca Pizzutelli.

Afghanistan: Kaum gültige Reisedokumente

Seitdem die Taliban wieder die Macht übernommen hätten, sei es beinahe unmöglich, gültige Reisedokumente zu erhalten, weswegen viele Afghanen zu einer Flucht ohne Papiere gezwungen seien. "Statt Schutz und Sicherheit zu finden, enden diese Menschen gefangen in Notunterkünften an den Grenzen oder sogar inhaftiert, während sie eine unsichere Zukunft erwartet", so Pizzutelli.
Die Nachbarländer Afghanistans hätten ihre Grenzen für afghanische Flüchtlinge ohne Reisedokumente geschlossen. Gleichzeitig wurden nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration (IOM) bereits in den Ländern befindliche Afghanen wieder zurückgeschickt; im Iran etwa knapp 60.000 Menschen in der Zeit vom 27. August bis zum 9. September.

Grenzen für Fluchtrouten öffnen

Derweil hätten auch Länder in Osteuropa, darunter Bulgarien, Kroatien und Griechenland, Flüchtlinge durch sogenannte illegale Push-Backs an den Grenzen zurückgewiesen. Besonders heikel sei es zurzeit für afghanische Flüchtlinge an der Grenze zwischen Polen und Belarus, die eingekesselt vom Grenzschutz beider Staaten an der Grünen Grenze ausharren müssten, heißt es in dem Bericht.
Amnesty fordert die Staatengemeinschaft dazu auf, afghanischen Flüchtlingen sichere Wege zu ermöglichen und Rückführungen in das Land auszusetzen. "Die Welt darf Afghanistan in diesem kritischen Moment nicht im Stich lassen", betonte Pizzutelli. "Wir brauchen einen international abgestimmten Kraftakt, um die Afghanen wieder in Sicherheit zu bringen."
Quelle: KNA