: Draghi nennt Erdogan "Diktator"

08.04.2021 | 23:33 Uhr
Italiens Premier Draghi hat den Umgang mit EU-Kommissionschefin von der Leyen bei ihrem Besuch in Ankara scharf kritisiert. Präsident Erdogan nannte er einen "Diktator".
Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi im Rom: Umgang mit von der Leyen "Demütigung".Quelle: Reuters
Ein fehlender dritter Sessel beim jüngsten Besuch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Ankara führt zu diplomatischen Spannungen zwischen Italien und der Türkei.
Italiens Regierungschef Mario Draghi hat den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan als "Diktator" bezeichnet. Draghi übte am Donnerstag scharfe Kritik am Umgang mit der EU-Kommissionspräsidentin. Bei einer Pressekonferenz in Rom sagte er:
Ich war sehr betrübt über die Demütigung, welche die Kommissionspräsidentin wegen dieser - nennen wir sie beim Namen - Diktatoren erleiden musste.
Mario Draghi, Italiens Regierungschef
Die EU müsse aber mit Staatschefs wie Erdogan zusammenarbeiten.

Außenminister Cavusoglu verurteilt Draghis Äußerungen

Die "SofaGate"-Affäre erhitzt die Gemüter. Der Vorfall löste massive Kritik und Vorwürfe der Frauenfeindlichkeit gegenüber der türkischen Regierung aus.
In einem Video war zu sehen, wie die Kommissionschefin am Dienstag zum Auftakt des Treffens mit Erdogan im Präsidialamt in Ankara zunächst stehen bleibt und mit einem "Ähm" reagiert, als sich Erdogan und EU-Ratspräsident Charles Michel auf zwei nebeneinander stehende Sessel setzen. Von der Leyen musste dann in beträchtlichem Abstand auf einem Sofa Platz nehmen.
Das passt für viele zum Machogehabe Erdoğans: Beim Türkei-Besuch der EU-Delegation von der Leyen und Michel standen zwei Sessel für die Herren bereit.
Der türkische Außenminister Mevlüt Cavusoglu verurteilte Draghis Aussage auf Twitter als "hässliche und ungezügelte Bemerkungen". Der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu zufolge bestellte das türkische Außenministerium den italienischen Botschafter ein.

Cavusoglu: Sitzordnung mit EU abgestimmt

Cavusoglu hatte zuvor erklärt, die Anordnung der Sitze haben den Forderungen der EU entsprochen. Die Kritik an der Türkei bezeichnete er als "unfair". Konservative und Sozialdemokraten als größte Fraktionen im Europaparlament verlangten Aufklärung über den Vorfall und forderten eine Plenarsitzung mit von der Leyen und Michel.
Quelle: dpa, AFP

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