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Die Waffen des Tobias R.

von Julia Klaus
21.02.2020 | 18:02 Uhr
Der mutmaßliche Täter von Hanau, Tobias R., hat legal zwei Waffen besessen. Erst im August wurde dies überprüft. Seine psychische Gesundheit wurde dabei nicht kontrolliert.
Quelle: DPAEine Handfeuerwaffe vom Typ Sig Sauer P226 hat auch Tobias R. besessen (Archivbild).
Der mutmaßliche Täter von Hanau hat zehn Menschen umgebracht, bevor er sich selbst erschoss. In einem Manifest schrieb Tobias R. davon, dass ganze "Völker" vernichtet werden sollten. Der Generalbundesanwalt sagt, der 43-Jährige habe ein "zutiefst rassistisches" Weltbild gehabt. R. hat legal zwei Waffen besessen. Erst im August wurde dies überprüft, wie ein Sprecher des Main-Kinzig-Kreises gegenüber heute.de sagte. Er ist auch für die Waffenbehörde des Kreises zuständig.
Tobias R. war Sportschütze und hatte zwei Pistolen in einer Waffenbesitzkarte eingetragen. Eine SIG Sauer P226 und eine Walther PPQ. Sportschützen benötigen eine Waffenbesitzkarte (gelbe WBK), um bestimmte Schusswaffen und die zugehörige Munition zu erwerben. Unklar ist jedoch, ob R. auch mit diesen Waffen gemordet hat.

Waffenschein versus Waffenbesitzkarte

Wer in Deutschland eine Waffe besitzen will, muss einige Voraussetzungen erfüllen. Geregelt ist das deutsche Waffenrecht im Waffengesetz. Es unterscheidet zwischen Waffenbesitzkarte und dem Waffenschein, der dazu berechtigt, eine geladene Schusswaffe zugriffsbereit in der Öffentlichkeit zu führen - also außerhalb der eigenen Wohnung, des eigenen befriedeten Besitzes oder der Geschäftsräume.

Wer Waffen nur kaufen und besitzen oder auf einem Schießstand nutzen will, wie zum Beispiel Sammler oder Sportschützen, braucht dafür eine Waffenbesitzkarte. Volljährigkeit, Zuverlässigkeit, Sachkunde und ein nachzuweisendes Bedürfnis sind hier Voraussetzung. Sachkunde und Bedürfnis können auch durch eine Jägerprüfung und das Lösen eines Jagdscheins nachgewiesen werden. Auch Sportschützen erwerben ihre Waffen mit einer Waffenbesitzkarte. Sie dürfen erlaubnispflichtige Waffen aber nur entladen und in einem verschlossenen Behältnis transportieren.

(Quelle: dpa)

Kontrolle fand nicht vor Ort statt

Erst im August hat eine turnusmäßige Kontrolle von R. stattgefunden. Bei dieser Routinekontrolle ging es um formale Kriterien. Die Frage der psychischen Gesundheit wurde nicht behandelt - das sei in der Verwaltungsvorschrift zum Waffengesetz auch nicht vorgesehen, so der Kreissprecher. Die Kontrolle fand auch nicht bei R. vor Ort statt.
Bei der Kontrolle wurden Auskünfte aus dem Bundeszentralregister, dem staatsanwaltschaftlichen Verfahrensregister und der Polizei eingeholt. "Es wurden keine Auffälligkeiten mitgeteilt", sagte der Sprecher. Neben den Routinekontrollen können auch anlassbezogene Kontrollen durchgeführt werden. Eine solche gab es bei dem mutmaßlichen Täter aber nicht.
Hanau setzt ein Zeichen gegen rechts: Drei Tage nach dem Anschlag haben Tausende in der Stadt demonstriert. In emotionalen Reden wurde an die Toten erinnert. Mehr im Blog.

Welche Rolle spielt die Polizei?

In seinem Manifest schrieb R. davon, dass er in der Vergangenheit mehrere Anzeigen bei der Polizei gemacht habe. Generalbundesanwalt Peter Frank bestätigte, dass R. im November eine Anzeige bei der Bundesanwaltschaft eingereicht habe, in der es um eine "unbekannte geheimdienstliche Organisation" gegangen sei. Seine Behörde habe aber kein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Damals seien keine rassistischen oder rechtsextremistischen Ausführungen gemacht worden, sagte Frank.
Unklar ist, ob die Polizei den wiederholten Anzeigen von R. nachgegangen ist. Ebenfalls noch nicht geklärt ist, ob ihm die Waffenbesitzkarte hätte verwehrt werden können. Um legal Waffen besitzen zu dürfen, muss auch eine persönliche Eignung bestehen. Bei Zweifeln ist die Waffenbehörde verpflichtet, ein fachpsychologisches Zeugnis einzufordern. Eine Sprecherin der Generalbundesanwaltschaft sagte gegenüber heute.de, dass es nun Gegenstand der Ermittlungen sei, wie die Polizei mit den Anzeigen umgegangen ist.
Bundesinnenminister Horst Seehofer brachte in einem Interview mit der "Bild"-Zeitung medizinische Tests für Waffenbesitzer ins Gespräch. Man prüfe nun, ob man im Fall von R. früher hätte aktiv werden müssen.

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