Kämpfe halten an - Zahl der Opfer steigt

29.09.2020 | 07:40 Uhr
Die Kämpfe um Bergkarabach im Südkaukasus weiten sich aus. Mindestens 89 Menschen wurden getötet. UN-Generalsekretär Guterres forderte erneut ein sofortiges Ende der Kämpfe.
Quelle: dpaDie Kämpfe zwischen armenischen und aserbaidschanischen Streitkräften um die Region Bergkarabach halten an.
Bei den Kämpfen in der Konfliktregion Bergkarabach im Südkaukasus sind nach Angaben der von Armenien unterstützten Aufständischen 26 weitere Rebellenkämpfer getötet worden. Insgesamt wurden bei den Kämpfen nach offiziellen Angaben bislang mindesten 89 Menschen getötet, darunter auch Zivilisten. Die Opferzahl könnte aber noch viel höher sein. So gab die Regierung in Aserbaidschan an, hunderte pro-armenische Kämpfer getötet zu haben. Die pro-armenischen Rebellen dementierten die Angaben.
Nach schweren Kämpfen in Bergkarabach gilt in den verfeindeten Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan nun der Kriegszustand. Es gibt zahlreiche Tote und Verletze.
Am Montagabend starteten aserbaidschanische Soldaten eine neue "große Offensive" in südlichen und nordöstlichen Bereichen der Frontlinie, wie ein Sprecher des armenischen Verteidigungsministeriums in Eriwan sagte.

Drohende Einmischung von außen befürchtet

Am Sonntag war der Konflikt nach Jahren relativer Ruhe neu aufgeflammt. Aserbaidschans Armee und pro-armenische Rebellen, die Bergkarabach kontrollieren, lieferten sich auch am Montag heftige Gefechte. Nun wird befürchtet, dass sich der Konflikt wieder zu einem offenen Krieg ausweiten könnte - auch durch eine drohende Einmischung von außen.
Eine Einmischung von außen ist nicht akzeptabel.
Josep Borrell, EU-Außenbeauftragter
Die Türkei hat Aserbaidschan in den vergangenen Jahren bei der Modernisierung seiner Armee unterstützt. Nach dem Beginn der Gefechte sicherte Ankara der Regierung in Baku umgehend volle Unterstützung zu. Nach Angaben der Regionalregierung von Bergkarabach griff Ankara auch aktiv in die Kämpfe ein.
Armenien setzt im Fall einer weiteren Eskalation auf Russland als Schutzmacht. Der russische Militärstützpunkt in Gjumri sei der wichtigste Sicherheitsfaktor in der Region, sagte der armenische Botschafter in Moskau, Wardan Toganjan, der Agentur Interfax. Gjumri liegt rund 120 Kilometer nördlich der armenischen Hauptstadt Eriwan. Zu dem Militärstützpunkt gehört auch eine Garnison in Eriwan.

Dringlichkeitssitzung im UN-Sicherheitsrat

Angesichts der Eskalation in der Kaukasusregion Bergkarabach soll der UN-Sicherheitsrat nach Angaben von Diplomaten am Dienstag zu einer Dringlichkeitssitzung zusammenkommen. Die Initiative für das Treffen hinter verschlossenen Türen sei von Deutschland und Frankreich ausgegangen, hieß es am UN-Sitz in New York. Mehrere weitere europäische Länder hätten diese unterstützt.
UN-Generalsekretär António Guterres hat erneut ein sofortiges Ende der Kämpfe gefordert. Guterres habe das bereits telefonisch dem aserbaidschanischen Präsidenten Ilham Aliyev gesagt und wolle das noch heute auch dem armenischen Regierungschef Nikol Paschinjan per Telefon mitteilen, sagte ein UN-Sprecher am Montag in New York.
Bereits am Sonntag hatte sich Guterres "extrem besorgt" über die Eskalation des Konflikts gezeigt. Er forderte die sofortige Wiederaufnahme von Verhandlungen und die Wiederentsendung von OSZE-Beobachtern in die Region.

Jahrzehntelanger Streit um Konfliktregion

Quelle: ZDFKarte: Armenien Bergkarabach
Bergkarabach hatte in den 1990er Jahren seine Unabhängigkeit erklärt, wurde aber von keinem Land anerkannt und gilt international nach wie vor als Teil von Aserbaidschan. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region.

In den vergangenen Wochen hatten sich Armenien und Aserbaidschan gegenseitig Angriffe im Grenzgebiet vorgeworfen. Zuletzt hatte es dort im April 2016 heftige Kämpfe gegeben. Dabei starben mehr als hundert Menschen. 2010 war die bislang letzte große Initiative für einen Frieden zwischen Eriwan und Baku gescheitert.
Quelle: AFP, dpa

Mehr zu dem Konflikt