: Was Alec Baldwin ins Gefängnis bringen könnte

von Caroline Drees, Washington D.C.
09.07.2024 | 14:45 Uhr
Der Hollywood-Star Alec Baldwin muss sich erneut vor Gericht verantworten. Es gibt vor allem zwei Argumente, die eine Gefängnisstrafe für ihn denkbar machen.

Im Strafprozess gegen den Hollywood-Schauspieler Alec Baldwin steht die zwölfköpfige Jury an Geschworenen fest. Am Filmset eines Wester, löste er einen Schuss, der tötlich endete.

10.07.2024 | 00:34 min
Immer wieder haben sich Alec Baldwins Anwälte darum bemüht, das Verfahren zu verhindern, doch nun muss der US-Schauspieler erneut vor Gericht. Nachdem 2021 eine Kamerafrau durch einen Schuss am Set des Westernfilms "Rust" starb, muss sich Baldwin wegen fahrlässiger Tötung verantworten.
Sollte Baldwin, der Hauptdarsteller und Koproduzent des Films war, verurteilt werden, droht ihm eine Haftstrafe von bis zu 18 Monaten. Der Prozess hat wie geplant am Dienstag mit der Auswahl der Geschworenen begonnen. Baldwin plädiert auf nicht schuldig.

Der Schauspieler Alec Baldwin hatte damals bei Dreharbeiten eine Kamerafrau erschossen. Nach Polizeiangaben feuerte er eine Requisitenwaffe ab, die aus unbekannten Gründen geladen war.

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Alec Baldwins beste Verteidigung

Für die Staatsanwaltschaft geht es im Verfahren darum, zu beweisen, dass Baldwin fahrlässig gehandelt hat - dass er verantwortlich für die Waffe war und diese nicht überprüft hat. Eine große Herausforderung, sagt Joshua Kastenberg, Professor für Recht an der Universität New Mexico, gegenüber ZDFheute. Grobe Fahrlässigkeit sei schwieriger nachzuweisen als einen Mord:
Einige Geschworene könnten zu dem Schluss kommen: Ja, er war verantwortlich, aber wir alle machen hin und wieder Fehler. Und das war ein Fehler.
Joshua Kastenberg, Universität New Mexico
In Anbetracht dessen, dass Baldwin nicht vorbestraft ist, hält Kastenberg es für unwahrscheinlich, dass er zu einer Haftstrafe verurteilt wird. Dass die Waffenmeisterin Hannah Gutierrez-Reed bereits wegen fahrlässiger Tötung verurteilt ist, sei zudem seine stärkste Verteidigung - sie hatte ihm versichert, die Waffe sei nicht geladen.

Die Waffenmeisterin des Western-Films "Rust" ist der fahrlässigen Tötung für schuldig gesprochen worden. Hollywood-Star Alec Baldwin hatte am Filmset eine Kamerafrau erschossen.

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Gefängnisstrafe denkbar

Kann die Staatsanwaltschaft allerdings nachweisen, dass Baldwin, der Hauptdarsteller und Koproduzent des Films war, Sicherheitsprotokolle missachtete und rücksichtslos mit seinen Mitarbeitenden umging, dann könne das durchaus dazu führen, dass die Richterin eine Gefängnisstrafe verhänge, sagt John Day, Strafverteidiger in Santa Fe, gegenüber ZDFheute. Die zuständige Staatsanwältin, Kari Morrissey, argumentiert in einem Bericht an das Gericht mit seinem Verhalten am Set: Es habe einen Mann gezeigt, "der seine eigenen Emotionen absolut nicht unter Kontrolle hat."
Was außerdem Baldwins Verteidigung schwächen könnte, sind seine Beteuerungen, er habe den Abzug der Waffe nicht betätigt. Eine forensische Untersuchung des FBI hatte ergeben, dass sich ein Schuss nicht hätte versehentlich lösen können.

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Zusammensetzung der Jury entscheidend

Ob der Hollywoodstar schuldig ist, entscheidet eine Jury aus zwölf Geschworenen. Ausschlaggebend für das Urteil könnte auch ihre Zusammensetzung sein, so Jurist Kastenberg. New Mexico habe eine große Waffenkultur, die Menschen würden dort von klein auf mit Waffen vertraut gemacht und seien sich der Verantwortung bewusst, diese sorgfältig zu kontrollieren.
Die Geschworenen beurteilten den Fall zudem danach, ob sie Baldwin für vertrauenswürdig halten, sagt der ehemalige Staatsanwalt Kastenberg:
Ich habe die Erfahrung gemacht, dass mächtige und berühmte Leute gerne in den Zeugenstand gehen, um die Jury zu beeindrucken.
Joshua Kastenberg, Universität New Mexico
Doch dann könne alles, was er zu dem Fall je gesagt hat, als Beweismittel verwendet werden - "und das ist eine gefährliche Sache." Im Falle einer Verurteilung obliegt es der Richterin, das Strafmaß zu bestimmen, also ob er ins Gefängnis muss und wenn ja, für wie lange.

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Der Fall Alec Baldwin: Was war passiert?

Der Schauspieler hatte bei einer Drehprobe mit einer Waffe hantiert, ein Schuss löste sich und tötete die Kamerafrau Halyna Hutchins. Wie scharfe Munition ans Set gelangte, ist nicht bekannt. Der 65-Jährige stand bereits im Januar 2023 wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht, die Anklage wurde jedoch drei Monate später fallengelassen, da die Staatsanwaltschaft weitere Untersuchungen für notwendig hielt.
Seine Verteidiger hatten mehrfach versucht, ein neues Verfahren abzuwenden, und Beschwerde eingelegt, forensische Untersuchungen des FBI hätten die Waffe - und damit möglicherweise entlastende Beweismittel - zerstört. Auch die Klage auf Formfehler und die Argumentation, es sei ein Unfall gewesen, wies die zuständige Richterin ab.
Quelle: mit Material von AP

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