: Der "Held der Ukraine", den fast alle hassen

25.06.2024 | 11:29 Uhr
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat Generalleutnant Jurij Sodol entlassen. Zuvor waren Vorwürfe gegen ihn laut geworden.
Wolodymyr Selenskyj mit General Jurij Sodol in der Donbass-Region (Archivbild)
Nach Berichten über hohe Verluste in den ukrainischen Streitkräften hat Präsident Wolodymyr Selenskyj den Generalleutnant Jurij Sodol entlassen. Der Brigadegeneral Andrij Hnatow werde nun diese Einheit der ukrainischen Streitkräfte führen, sagte der Staatschef in seiner am Montagabend in Kiew verbreiteten Videobotschaft. Gründe für die Entlassung nannte er nicht.
Zuvor hatte aber der Stabschef der umstrittenen Asow-Brigade, Bohdan Krotewytsch, Anzeige gegen Sodol erstattet. Er warf dem Kommandeur fahrlässige Befehle vor, die zu großen Verlusten geführt hätten. Das ukrainische State Bureau of Investigation (SBI) bestätigten den Eingang der Anzeige.

Vorwurf: Soldaten seien schlecht vorbereitet worden

"Er hat mehr ukrainische Soldaten umgebracht als irgendein russischer General", schrieb Krotewytsch in einem Beitrag bei Telegram, ohne Sodols Namen zu nennen. Zugleich verlangte er, den Generalleutnant auch auf eine mögliche Kollaboration mit Russland hin zu überprüfen.
Krotevych fügte hinzu, dass "das gesamte Militär jetzt versteht", wer die Person ist, "denn 99 Prozent des Militärs hassen ihn für das, was er tut."

In der ukrainischen Stadt Pokrowsk werde um jedes Haus gekämpft. Die Schlachten seien sehr brutal, so ZDF-Reporter Luc Walpot.

08.05.2024 | 06:39 min
Medien zufolge gab es nicht zuletzt in der Obersten Rada, dem Parlament in Kiew, Vorwürfe gegen Sodol: Er habe ukrainische Soldaten schlecht auf Einsätze vorbereitet - zum Beispiel in der umkämpften Region Charkiw.

Wer ist Generalleutnant Jurij Sodol?

Juriy Ivanovych Sodol wurde am 26. Dezember 1970 in Chuhuyev in der Oblast Charkiw in eine Militärfamilie geboren. Nach seinem Abschluss an der Höheren Artillerie-Kommandoschule in Sumy begann er seinen Dienst in einem Artillerie-Regiment in der Region Dnipropetrowsk. 2002 schloss er sein Studium an der Nationalen Verteidigungsuniversität der Ukraine ab.
Sodol schlug eine Karriere bei den Luftlandetruppen ein und kommandierte von 2007 bis 2015 die 25. Luftlandebrigade der Ukraine. 2015 wurde er zum ersten Stellvertreter der Landungs- und Angriffstruppen ernannt und 2018 zum Kommandeur der ukrainischen Marineinfanterie befördert.
Im Jahr 2022, während des Russisch-Ukrainischen Krieges, zeichnete sich Sodol durch seinen Einsatz für die Ukraine aus und wurde am 28. Februar 2022 mit dem Titel "Held der Ukraine" geehrt.

Selenskyj kündigt Vergeltungsschlag an

Das Präsidentenamt in Kiew veröffentlichte ein Dekret Selenskyjs zu dem Personalwechsel bei den Streitkräften. In seiner Videobotschaft verurteilte Selenskyj außerdem einen russischen Raketenangriff auf die Stadt Pokrowsk im ostukrainischen Gebiet Donezk. Vier Menschen seien getötet, Dutzende weitere verletzt worden, sagte der Präsident. Er kündigte einen Vergeltungsschlag nach dem russischen Angriff an.
Und unsere Antwort wird ganz fair sein.
Wolodymyr Selenskyj, Präsident der Ukraine
Die Ukraine wehrt sich seit mehr als zwei Jahren gegen die russische Invasion. Die Besatzer hatten zuletzt kleinere Gebietsgewinne verzeichnet. Präsident Selenskyj hat in der Vergangenheit schon mehrfach Personal auf Spitzenposten der Militärführung ausgetauscht. Bei der Verteidigung gegen den russischen Angriffskrieg, der am 24. Februar 2022 begonnen hatte, setzt die Ukraine vor allem auf militärische Hilfe aus dem Westen.
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Quelle: dpa

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