: Russlands erster Erfolg seit Langem

von Christian Mölling und András Rácz
14.01.2023 | 12:33 Uhr
Die Einnahme von Soledar ist ein erster Erfolg für Russland nach vielen Rückschlägen. Außerdem hat Moskau einen neuen Oberbefehlshaber in der Ukraine. Die Militäranalyse.
Ukrainische Soldaten patrouillieren in Bachmut.Quelle: LIBKOS/AP/dpa
In dieser Woche kam es zu heftigen Kämpfen um Bachmut. Nachdem die russischen Truppen mehrere Frontalangriffe gegen die gut befestigten Verteidigungsanlagen der strategisch wichtigen Stadt im Donbass gestartet hatten, verlagerten sie anschließend ihre Aufmerksamkeit auf die Randgebiete der Stadt.
Im Norden nahmen die russischen Truppen, die sich hauptsächlich aus Angehörigen der Söldnergruppe Wagner und Eliteeinheiten zusammensetzen, nach einer Woche intensiver Kämpfe die kleine Bergbaustadt Soledar ein. Die Stadt hatte vor dem Krieg etwa 10.000 Einwohner.
Ihre Einnahme hat an sich keine große strategische Bedeutung, da sich westlich von ihr mehrere andere, gut befestigte ukrainische Stellungen befinden. Die russischen Hoffnungen, dass die Einnahme von Soledar den Weg zur Einnahme von Bachmut ebnen könnte, scheinen daher übertrieben zu sein. Genau aus diesem Grund haben die ukrainischen Truppen nicht versucht, die Stadt bis zum letzten Mann zu verteidigen, sondern sich - nach erheblichen Verlusten - weitgehend geordnet zurückgezogen - auch wenn das offiziell aus Kiew weiter dementiert wird.

Die Söldnergruppe "Wagner"

Die Söldnergruppe "Wagner" wird von Jewgeni Prigoschin angeführt. Neben der Ukraine soll es auch in Syrien, in der Zentralafrikanischen Republik, im Sudan, in Somalia und in Mali "Wagner"-Einsätze geben. Wagner-Leute werden der Tötung, Vergewaltigung und Folter von Menschen verdächtigt - auch in den Vororten von Kiew im Ukraine-Krieg. In Afrika bringen Experten Prigoschin mit Gold- und Diamantenminen in Verbindung.

Die Wagner-Gruppe ist weltweit im Einsatz und kämpft im Auftrag der russischen Regierung. Sie foltert und ermordet Zivilisten. Offiziell wird ihre Existenz bestritten.

02.06.2022 | 58:22 min

Für Moskau ein Sieg von symbolischer Bedeutung

Die Einnahme von Soledar hat für Russland vor allem symbolische Bedeutung. Es ist der erste Sieg, den die "militärische Sonderoperation" seit Juli 2022 verbuchen kann. Daher versucht der russische Propagandaapparat, durch die Einnahme einer kleinen Bergbaustadt den Eindruck eines großen, strategischen Sieges zu erwecken.
Viel wichtiger sind die Entwicklungen südlich von Bachmut. Hier scheint es den russischen Kräften am Morgen des 13. Januar gelungen zu sein, die ukrainischen Verteidigungsanlagen bei Opytne zu durchbrechen und in Richtung Predtechyne vorzustoßen, das bereits südwestlich von Bachmut liegt. Wenn es den Russen gelingt, weiter in diese Richtung vorzudringen, könnten sie die Straße H-32, eine der wichtigsten Versorgungsrouten nach Bachmut, unter Beschuss nehmen.

Dr. Christian Mölling ...

Quelle: DGAP
... ist Forschungsdirektor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin und leitet dort das Programm Sicherheit, Verteidigung und Rüstung. Er forscht und publiziert seit über 20 Jahren zu den Themenkomplexen Sicherheit und Verteidigung, Rüstung und Technologie, Stabilisierung und Krisenmanagement. Für ZDFheute analysiert er regelmäßig die militärischen Entwicklungen im Ukraine-Konflikt.

Dr. András Rácz ...

Quelle: DGAP
... ist Associate Fellow im Programm Sicherheit und Verteidigung der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP) in Berlin. Er forscht und publiziert zu Streitkräften in Osteuropa und Russland und hybrider Kriegsführung.
Die Ukraine sammelt derzeit ihre Kräfte für einen Gegenangriff. Daher wird es nicht nur in Bachmut, sondern auch in den südlichen und nördlichen Stadtvierteln zu heftigen Gefechten kommen.

Neuer Oberbefehlshaber der russischen Militäroperation in der Ukraine

Am 12. Januar wurde bekannt gegeben, dass der Chef des russischen Generalstabs, Waleri Gerassimow, zum Oberbefehlshaber der russischen Militäroperation in der Ukraine ernannt wurde. Der bisherige Befehlshaber, General Sergej Surowikin, wurde zusammen mit General Oleg Saljukow und General Aleksej Kim zu einem der drei Stellvertreter Gerassimows ernannt. Mit diesem Schritt soll höchstwahrscheinlich Gerassimows Autorität genutzt werden, um eine stärkere Kontrolle über die ansonsten eher unabhängig agierenden Söldner der Wagner-Gruppe von Jewgeni Prigoschin auszuüben.
Tatsächlich ist es jedoch unwahrscheinlich, dass Gerassimow viel operatives Kommando übernehmen würde, da er seit seiner Ernennung zum Generalstabschef 2012 keine Truppen mehr geführt hat. Wahrscheinlicher ist, dass Surowikin und Saljukow die eigentliche operative Führung übernehmen, während Gerassimow mit seiner Autorität die Kohärenz der Operation auch in der Gruppe Wagner durchsetzen wird.
Am 13. Januar, nach der Eroberung von Soledar, gab das russische Verteidigungsministerium ein Kommuniqué heraus, in dem es den Einsatz der Operateure der Wagner-Gruppe zusammen mit dem des regulären Militärs lobte. Diese Geste könnte bedeuten, dass die Spannungen zwischen dem Verteidigungsministerium und der Wagner-Gruppe nachlassen - aber es ist noch zu früh, um dies abschließend zu beurteilen.

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Quelle: ZDF
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Wie arbeitet das Aktionsbündnis?

Das Aktionsbündnis Katastrophenhilfe hilft Menschen in der Ukraine und auf der Flucht. Gemeinsam sorgen die Organisationen Caritas international, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Katastrophenhilfe und UNICEF Deutschland für Unterkünfte und Waschmöglichkeiten, für Nahrungsmittel, Kleidung, Medikamente und andere Dinge des täglichen Bedarfs. Auch psychosoziale Hilfe für Kinder und traumatisierte Erwachsene ist ein wichtiger Bestandteil des Hilfsangebots.
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