: Baerbocks Versprechen an Afrika

von Patricia Wiedemeyer
14.04.2022 | 20:52 Uhr
Außenministerin Baerbock ist im Niger, einem der ärmsten Länder der Welt. Ihre Botschaft: Es gibt auch außerhalb der Ukraine Krisenherde, die nicht vergessen werden dürfen.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock bei der Pressekonferenz mit Hassoumi Massoudou, dem Außenminister von Niger.Quelle: dpa
Als ob der Krieg in der Ukraine nicht reichen würde, nein, es gibt noch viele andere Krisen in der Welt - von einem regelrechten Hurrikan der Krisen, spricht die Außenministerin. Und diese werde man nicht vergessen, genau deswegen ist Annalena Baerbock (Grüne) vier Tage lang in der Sahel-Zone unterwegs.

Bundeswehr bleibt in Niger

Niger etwa, eines der ärmsten Länder der Welt, ist geprägt von Klimakrise, Armut, Hunger und Terrorismus. Das Bevölkerungswachstum ist hier das größte in ganz Afrika, jede Frau bringt im Schnitt sieben Kinder zur Welt.
Der Islamische Staat Große Sahara (ISGS), der Islamische Staat Westafrika - beides Ableger der Terrormiliz IS - sowie Ableger von Al-Kaida und Boko Haram sind im Niger aktiv, im Süden des Landes kommt organisierte Kriminalität hinzu.
Aber Niger ist das einzige demokratische Land in dieser Region, das den Kampf gegen den Terrorismus nur mit Hilfe der EU oder UN führen kann. Und die Beteiligung der Bundeswehr soll bleiben, so die Außenministerin. Ob sie aufgestockt wird, wenn Missionen im Nachbarland Mali gekürzt werden, das ließ Baerbock jedoch offen.

Ministerin zum Anfassen

Vor Ort sieht die Ministerin, wie der Klimawandel die Böden immer unfruchtbarer macht, Dürreperioden, Starkregen nehmen spürbar zu, Experten erwarten einen Temperaturanstieg von fünf Grad bis zum Ende des Jahrhunderts, dabei ist es jetzt schon mit 45 Grad unerträglich heiß. Durch den Krieg in der Ukraine fallen Getreidelieferungen weg, Hungersnöte drohen.
Baerbock besichtigt in Ouallam kleine landwirtschaftliche Betriebe, Schulen für einheimische Kinder und Flüchtlingskinder aus Mali. Begeistert wird sie empfangen, alle Dorfbewohner stehen Spalier zur Begrüßung, Kinder kommen johlend auf sie zugelaufen, Baerbock spricht mit vielen, versucht auf traditionelle Weise Lasten auf der Schulter zu tragen, tanzt einige Schritte mit den Frauen, eine Ministerin zum Anfassen. Sie werde die Menschen hier nicht vergessen, verspricht sie. Auch ihren Auftritt werden die Bewohner so schnell nicht vergessen. Aber ob sich wirklich etwas ändert?

Russlands Krieg und die Folgen für die Sahel-Zone

Im Nachbarland Mali ist die Bundeswehr auch aktiv im Rahmen der UN und der EU. Die Franzosen ziehen sich zurück, die Mission der EU wird so nicht weitergeführt, russische Söldner sind hier unterwegs, ausdrücklich geduldet von der malischen Regierung. Diese ist durch einen Putsch an die Macht gekommen. Wann es Wahlen gibt, alles offen.

Außenministerin Baerbock in Mali: Nach Militärputschen und dem Einsatz russischer Söldner ist fraglich, ob der gefährlichste Einsatz der Bundeswehr dort verlängert wird.

12.04.2022 | 01:44 min
Gespräche mit einer solchen Regierung zu führen, ist schwierig, Forderungen, die Zusammenarbeit mit Russland einzustellen, wurden vom malischen Außenminister klar und deutlich zurückgewiesen. Keine gute Ausgangslage also für eine Fortsetzung der MINUSMA-Mission, über deren Verlängerung der Bundestag bald entscheiden muss. Mitreisende Abgeordnete wollen vorher eine Entscheidung der EU, doch die hat derzeit andere Sorgen.
Und so verfolgt die Außenministerin das Thema Ukraine-Krieg auch hier in Afrika. Und auch wenn sie immer wieder betont, diese Gegend und ihre Menschen nicht zu vergessen, angesichts der großen Probleme vor der Haustür dürfte es schwer werden, dieses Versprechen zu halten.

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