: Baerbock als Kanzlerkandidatin gekürt

12.06.2021 | 15:28 Uhr
Auf dem digitalen Parteitag der Grünen wurde Parteichefin Annalena Baerbock mit 98,5 Prozent der Stimmen offiziell als Kanzlerkandidatin gekürt. Ein Signal der Geschlossenheit.
Die Grünen haben Annalena Baerbock trotz der Fehler der vergangenen Wochen den Rücken gestärkt. Auf dem digitalen Parteitag wurde sie mit 98,5 Prozent der Delegiertenstimmen offiziell zur Kanzlerkandidatin gekürt.
Nach Auftaktdebatten und Abstimmungen über soziale und gesellschaftspolitische Themen ging es am zweiten Tag des Grünen-Parteitages um eine wichtige Personalentscheidung: Die rund 800 Delegierten haben Annalena Baerbock offiziell als Kanzlerkandidatin gewählt.
Damit hat sich die Partei mit großer Geschlossenheit hinter Parteichefin Annalena Baerbock als Kanzlerkandidatin gestellt. Sie erhielt 98,5 Prozent der Stimmen.
Mit dem Beschluss wurden zugleich Baerbock und der Co-Parteivorsitzende Robert Habeck zum Spitzenduo der Partei für die Bundestagswahl gewählt. 678 Delegierte stimmten mit Ja, es gab sechs Nein-Stimmen und vier Enthaltungen.
Zum Vergleich: Bei ihrer Wahl als Parteivorsitzende 2019 hatte Baerbock 97,1 Prozent der Stimmen erhalten, Habeck 90,4 Prozent.
"Erfindergeist, Solidarität und Vielfalt": Das waren drei Schlagworte von Annalena Baerbock auf dem Grünen-Parteitag. Sehen Sie hier die komplette Rede.

Grünen-Höhenflug nach Nominierung Baerbocks im April

Nach Baerbocks Nominierung durch den Vorstand im April genossen die Grünen zunächst ein Umfragehoch. In der Sonntagsfrage kamen sie auf bis zu 28 Prozent und lagen teilweise sogar vor der Union, die zu diesem Zeitpunkt mit der Maskenaffäre und dem Führungsstreit zwischen CDU-Chef Armin Laschet und dem CSU-Vorsitzenden Markus Söder zu kämpfen hatte.
Doch Baerbocks persönliche Werte sind zuletzt eingebrochen: Nach 43 Prozent im Mai meinen im aktuellen ZDF-Politbarometer nur noch 28 Prozent, dass die Grünen-Chefin als Kanzlerin geeignet ist, 64 Prozent bezweifeln das. Sie liegt damit hinter ihren Konkurrenten Armin Laschet und SPD-Bewerber Olaf Scholz.
ZDF-Politbarometer vom 10.06.2021Quelle: ZDF

Fehler von Baerbock und Habeck

Seit dreieinhalb Wochen jedoch belasten eigene Fehler die Grünen. Zuerst wurde bekannt, dass Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock Sonderzahlungen an den Bundestag nachmeldete. Dann gab es Kritik, weil sie und ihre Partei mehrmals irreführende Angaben im Lebenslauf von Baerbock korrigieren mussten. Habeck wiederum sorgte mit Forderungen nach der Lieferung von "Defensivwaffen" an die Ukraine für Verwirrung. Auch die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt, wo die Grünen sich nur leicht auf 5,9 Prozent verbessern konnten, lieferte keinen neuen Schwung.
In Umfragen stürzten die Grünen zuletzt ab, während die Union als Spitzenreiter den Abstand vergrößern konnte. Die Forschungsgruppe Wahlen sieht die CDU/CSU im am Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometer bei 28 Prozent und die Grünen bei 22 Prozent.

Grüne zeigen Geschlossenheit

Die Delegierten beim Grünen-Parteitag halten nun dagegen: Sie verschaffen ihrem Führungsduo ein Vierteljahr vor der Bundestagswahl Rückenwind. Annalena Baerbock dankt den Delegierten zum Auftakt ihrer Rede für die breite Zustimmung und gesteht ein, in den vergangenen Wochen Fehler gemacht zu haben.
Sie sehe das Abstimmungsergebnis als Zeichen der vollen Solidarität. "Robert, Dich da an meiner Seite zu wissen, das hat Kraft gegeben und volle Power", sagt sie an Co-Parteichef Robert Habeck gewandt.
Quelle: dpa, ZDF

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