Waffenruhe zwischen Armenien und Aserbaidschan

10.10.2020 | 05:34 Uhr
Laut Russlands Außenminister Lawrow haben sich Aserbaidschan und Armenien auf eine Waffenruhe in Bergkarabach geeinigt. Sie soll Samtag Mittag in Kraft treten.
Die Staaten Armenien und Aserbaidschan haben sich auf eine Waffenruhe in der Südkaukasusregion Bergkarabach geeinigt. Dies teilte Russlands Außenminister Lawrow mit.
Aserbaidschan und Armenien haben sich auf eine Waffenruhe in der umkämpften Kaukasusregion Bergkarabach geeinigt. Dies teilte der russische Außenminister Sergej Lawrow mit. Beide Seiten hätten zudem den Beginn "ernsthafter Verhandlungen" über die Zukunft der seit Jahrzehnten umstrittenen Region vereinbart.

Waffenruhe in umkämpfter Kaukasusregion Bergkarabach

Die seit knapp zwei Wochen andauernde schwerste Gewalteskalation seit Jahren in der Südkaukasusregion Berg-Karabach forderte bislang Hunderte Tote. Nun sollen die Waffen schweigen, heißt es in einer Erklärung aus dem russischen Außenministerium.
Die nun aus humanitären Gründen vereinbarte Waffenruhe soll Samstagmittag in Kraft treten.
Sergej Lawrow, Außenminister Russland
Die Feuerpause solle dazu genutzt werden, um Kriegsgefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und die Körper toter Soldaten in ihre Heimat zu übergeben, heißt es in der Erklärung weiter. Weitere Details der Waffenruhe sollten zusätzlich vereinbart werden.

Friedensgespräche unter Führung der Minsk-Gruppe

Grundlegende Friedensverhandlungen solle es unter Führung der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) geben. Die Gruppe wird von Russland, den USA und Frankreich angeführt, die in dem Konflikt vermitteln.

Waffenstillstand: Zehnstündiger Verhandlungsmarathon

Die Verhandlungen zur Feuerpause in Moskau zwischen den Außenministern Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan der verfeindeten Nachbarn dauerten mehr als zehn Stunden. Kremlchef Wladimir Putin hatte beide Länder zuvor eindringlich zu einer Waffenruhe aufgerufen.
Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, drohte eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Tausende Flüchtlinge in der Unruheregion

Am Freitag dauerten die Gefechte weiter an. Auch die Hauptstadt Stepanakert wurde wieder mit Raketen beschossen. Insgesamt wurden seit Beginn der Gefechte rund 320 armenische Soldaten in Berg-Karabach getötet. Aserbaidschan hat bislang keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht, spricht aber von rund 30 toten Zivilisten. Es gibt tausende Flüchtlinge in der Unruheregion.
Aserbaidschans Präsident Ilham Aliyev nannte das Treffen in Moskau die "letzte Chance" auf eine friedliche Lösung. Der Konflikt solle jedoch zuerst militärisch beendet werden. Erst später könne man über eine dauerhafte politische Lösung sprechen. Armenien müsse Berg-Karabach aufgeben.

Ausländische Söldner am Krieg beteiligt?

In einem Krieg nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion vor rund 30 Jahren verlor Aserbaidschan die Kontrolle über das Gebiet. Berg-Karabach wird heute von christlichen Karabach-Armeniern bewohnt. Seit 1994 galt eine brüchige Waffenruhe.
Aserbaidschan bekommt in dem Konflikt Rückendeckung von der Türkei. Auch ausländische Söldner und Kämpfer dschihadistischer Gruppen aus den Kriegsgebieten in Syrien und Libyen sollen an den Gefechten beteiligt sein. Eindeutige Beweise gibt es bislang nicht.

Jahrzehntelanger Streit um Konfliktregion

Bergkarabach hatte in den 1990er Jahren seine Unabhängigkeit erklärt, wurde aber von keinem Land anerkannt und gilt international nach wie vor als Teil von Aserbaidschan. Die beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan streiten seit Jahrzehnten um die mehrheitlich von Armeniern bewohnte Region.

In den vergangenen Wochen hatten sich Armenien und Aserbaidschan gegenseitig Angriffe im Grenzgebiet vorgeworfen. Zuletzt hatte es dort im April 2016 heftige Kämpfe gegeben. Dabei starben mehr als hundert Menschen. 2010 war die bislang letzte große Initiative für einen Frieden zwischen Eriwan und Baku gescheitert.
Karte: Armenien BergkarabachQuelle: ZDF
Quelle: AFP, dpa, Reuters

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