Weiter erbitterte Kämpfe in Bergkarabach

03.10.2020 | 18:01 Uhr
Kein Nachgeben auf beiden Seiten: Sowohl Bergkarabachs Präsident als auch der Aserbaidschans haben weiter zum Kampf um die Region aufgerufen. Die Todeszahlen steigen.
Quelle: imagoDie Region Bergkarabach bleibt umkämpft.
Trotz internationaler Appelle zur Beendigung der Gewalt sind die erbitterten Kämpfe um die Kaukasusregion Bergkarabach am Samstag fortgesetzt worden. Armenien meldete am siebten Tag des Konflikts den Tod von 51 weiteren pro-armenischen Kämpfern.
Zuvor hatte die Regierung in Eriwan von "heftigen Gefechten" an der Frontlinie gesprochen. Die Truppen der überwiegend armenischen Region Bergkarabach hätten einen "großangelegten Angriff" der aserbaidschanischen Armee gestoppt.
Quelle: ZDFKarte: Armenien Bergkarabach

Bergkarabachs Präsident will zur Not selbst gegen Aserbaidschan kämpfen

Eine Woche nach Ausbruch der schwersten Gefechte seit 1994 waren am Samstag erneut Schüsse und Explosionen in Stepanakert, der Hauptstadt der selbsternannten Republik Bergkarabach, zu hören, wie Reporter der Nachrichtenagentur AFP berichteten.
Armenien und Aserbaidschan streiten um die Region Bergkarabach - der Konflikt dauert schon seit den 1990er Jahren an. Darum geht es:
Bergkarabachs Präsident Araik Harutjunjan sprach von einer "letzten Schlacht", die für die Region begonnen habe. Harutjunjan kündigte sogar an, selbst gegen die aserbaidschanische Armee kämpfen zu wollen. "Die Nation und das Mutterland sind bedroht", sagte er vor Journalisten in Stepanakert. Gekleidet in einen Tarn-Anzug fügte er hinzu:
Die Zeit ist gekommen, dass die gesamte Nation zu einer mächtigen Armee wird. Dies ist unsere letzte Schlacht, die wir mit Sicherheit gewinnen werden.
Araik Harutjunjan, Präsident von Bergkarabach

Aserbaidschan zerstört mehrere Gebäude durch Artilleriefeuer

Auch Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan betonte am Samstag die Bedeutung der aktuellen Kämpfe um Bergkarabach. "Meine lieben Landsleute, Brüder und Schwestern, wir stehen vor dem vielleicht entscheidendsten Moment in unserer Geschichte", schrieb er am Samstag auf Facebook. Am Freitag hatte die Armee Aserbaidschans durch schweres Artilleriefeuer mehrere Gebäude in Stepanakert zerstört.
Viele Bewohner waren am Samstag noch damit beschäftigt, die Trümmer wegzuräumen. "Ich ging aus meinem Haus, fünf oder zehn Minuten später machte es Bumm, eine Explosion. Zum Glück war niemand mehr zu Hause", sagte der 65-jährige Nelson Adamian.
Im Konflikt um Bergkarabach hat der UN-Sicherheitsrat den Stopp der Kämpfe gefordert. Am Sonntag brachen die Kämpfe wieder aus und zahlreiche Soldaten und Zivilisten wurden getötet.

Todeszahlen im Bergkarabach-Konflikt wohl viel zu niedrig

In der Nacht zu Samstag soll wiederum Armenien 19 aserbaidschanische Dörfer beschossen haben, die aserbaidschanischen Truppen würden mit einem "Gegenschlag" antworten und hätten gegnerische Positionen eingenommen, berichtete die aserbaidschanische Armee. Seit Beginn der Kämpfe am vergangenen Sonntag gibt es bisher nur unvollständige Berichte über die Opferzahlen.
Demnach starben bisher mindestens 242 Menschen in Bergkarabach, darunter mehr als hundert pro-armenische Kämpfer sowie insgesamt über 30 Zivilisten auf beiden Seiten. Die Angaben sind vermutlich aber viel zu niedrig; die Regierung in Baku meldet bisher keine Armeeopfer. Auch gab es Berichte über fast 30 Tote unter pro-türkischen Kämpfern aus Syrien, die offenbar an der Seite Aserbaidschans kämpfen.
Bergkarabach wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt, welche die Region und angrenzende Gebiete unter ihrer Kontrolle haben. Die selbsternannte Republik Bergkarabach wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.
Quelle: AFP

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