Vorwürfe aus Armenien gegen die Türkei

04.10.2020 | 09:03 Uhr
Neue Anschuldigungen im Konflikt um Bergkarabach: Der armenische Premier wirft der Türkei vor, mit Offizieren auf der Seite von Aserbaidschan an den Kämpfen beteiligt zu sein.
Quelle: Celestino Arce Lavin/ZUMA Wire/dpaBrennendes Haus nach Raketenangriff in Bergkarabach.
Im Konflikt um die Region Bergkarabach hat Armenien der Türkei vorgeworfen, an den Gefechten direkt beteiligt zu sein. "Es gibt 150 hochrangige türkische Offiziere, die die Militäroperationen Aserbaidschans leiten", sagte der armenische Ministerpräsidenten Nikol Paschinjan am Samstagabend in einer Ansprache an sein Volk. "Das Ausmaß der Offensive ist beispiellos." Zuvor hatte der aserbaidschanische Präsident Ilham Aliyev gesagt, die Türkei als Verbündeter seines Landes sei nicht in den Konflikt verwickelt.

Kämpfe um Bergkarabach auf gesamter Frontlinie

Am Wochenende gingen die Gefechte im Südkaukasus unvermindert weiter - trotz Appellen zu einer Waffenruhe. Es gebe Kämpfe über die gesamte Frontlinie hinweg, sagte Paschinjan.
Wir stehen vor einem schicksalhaften Kapitel unserer Geschichte.
Nikol Paschinjan, Ministerpräsident Armeniens
Das armenische Volk sei Ziel Aserbaidschans und der Türkei, sagte der Regierungschef. Laut armenischer Agentur Armenpress telefonierte er am Samstagabend zum zweiten Mal innerhalb weniger Tage mit Bundeskanzlerin Angela Merkel und habe sie über die Beteiligung türkischer Militäroffiziere informiert.
Aliyev wiederum dankte am Abend in einem von seinem Büro veröffentlichten Brief dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan für seine Unterstützung. Konkret verwies er darauf, dass die Türkei das Vorgehen Armeniens verurteile.

Strategisch wichtiges Dorf an Stausee erobert?

Aserbaidschan hatte am Abend erneut Geländegewinne für sich reklamiert. Der Präsident schrieb bei Twitter, dass die Ortschaft Madagisin von der Armee erobert worden sei. "Ich gebe dem befreiten Madagisin seinen historischen Name zurück - Suqovusan", betonte das Staatsoberhaupt. Eine unabhängige Bestätigung für die Eroberung gab es nicht. Das Dorf befindet sich am strategisch wichtigen Sarsang-Stausee, der die Wasserzufuhr für den Fluss Terter in der östlich gelegenen Ebene kontrolliert.
Die Hauptstadt der selbst ernannten Republik Bergkarabach wurde am Sonntag erneut Ziel von Angriffen. Am Morgen heulten in Stepanakert Alarmsirenen, kurz danach wurde die Stadt von Explosionen erschüttert, wie AFP-Reporter berichteten.
Neue Eskalationen zwischen Armenien und Aserbaidschan heizen den seit Jahrzehnten bestehenden Konflikt erneut an. 4 Fakten zu dem Konflikt im Video erklärt.

Explosionen und Schüsse in Stepanakert

In der Nacht war die Lage nach armenischen Angaben zunächst vergleichsweise ruhig. Zuvor hatten die Behörden der Hauptstadt Stepanakert berichtet, dass die Stadt in Bergkarabach von der aserbaidschanischen Seite beschossen worden sei. Die beiden verfeindeten Länder hatten den Tag über von Gefechten in mehreren Regionen gesprochen. Armenien teilte mit, Kampfflugzeuge des Gegners abgeschossen zu haben.
Seit mittlerweile einer Woche liefern sich die beiden Staaten schwere Gefechte in dem von Armenien kontrollierten Gebiet in Aserbaidschan. Diese gehen weit über die Scharmützel hinaus, die es zuletzt immer wieder in der Region gab. Beide Seiten schieben sich gegenseitig die Verantwortung für die neuerliche Eskalation zu.
Quelle: dpa, AFP

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