Kämpfe im Kaukasus weiten sich aus

04.10.2020 | 15:57 Uhr
Im Konflikt um die Kaukasusregion Bergkarabach weiten sich die Kämpfe aus. Stepanakert stand erneut unter Beschuss, Aserbaidschan meldet einen Angriff auf die Stadt Gandscha.
Quelle: ReutersKonflikt um Bergkarabach: Stepanakert unter Beschuss
Im Kaukasus-Konflikt hat Armenien nach Angaben Aserbeidschans dessen zweitgrößte Stadt Gandscha unter Beschuss genommen. Verteidigungsminister Sakir Hassanow sprach von einer "Ausweitung der Kampfzone". Die Stadt liegt im Nordwesten Aserbaidschans und zählt rund 330.000 Einwohner.
Zwar wies Armenien den Vorwurf zurück. Ein Sprecher der von Armenien beanspruchten Region Bergkarabach erklärte aber, Kämpfer hätten in Gandscha einen Militärflughafen zerstört. "Das ist nur der erste." Ab jetzt seien auch die Stützpunkte in weiteren aserbaidschanischen Städten Ziele. Aserbaidschan zufolge starb ein Zivilist - unabhängig überprüfen lässt sich das allerdings nicht.

Aserbeidschan bombardiert Stepanakert

Zugleich gab es erneut schwere Angriffe auf Stepanakert, die Hauptstadt Bergkarabachs. Alarmsirenen heulten, das Zentrum und die Vororte wurden von Raketen getroffen, berichten AFP-Reporter. Zivilisten suchten in Kellern Zuflucht, die Stromversorgung sei zusammengebrochen. Aserbaidschans Militär habe dabei auch auf zivile Objekte gezielt, sagte der Anführer der international nicht anerkannten Republik Bergkarabach, Araik Arutjunjan.
Aserbeidschan hatte Bergkarabachs Hauptstadt bereits am Freitag angegriffen. Die Führung Bergkarabachs hatte daraufhin erklärt, im Gegenzug militärische Infrastruktur in den großen Städten Aserbaidschans anzugreifen.
Quelle: ZDFKarte: Armenien - Aserbaidschan - Bergkarabach
Die Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach waren vor einer Woche neu entbrannt. Die überwiegend von Armeniern bewohnte Region mit 150.000 Einwohnern hatte sich 1991 von Aserbaidschan losgesagt. International wird sie nicht als unabhängige Republik anerkannt, völkerrechtlich gilt sie als Teil Aserbaidschans. Das mehrheitlich von christlichen Armeniern bewohnte Gebiet ist mit Russland verbündet.
Armenien und Aserbaidschan streiten um die Region Bergkarabach - der Konflikt dauert schon seit den 1990er Jahren an. Darum geht es:
Das ölreiche Aserbaidschan hat seine Armee in den vergangenen Jahren hochgerüstet. Das mehrheitlich muslimische Land wird von der Türkei unterstützt. Es droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus.

Armenien wirft Erdogan "imperialistische Politik" vor

"Die Angriffe Armeniens auf die Zivilbevölkerung in Gandscha sind eine neue Manifestation der unrechtmäßigen Haltung Armeniens", erklärte die Türkei am Sonntag. "Wir verurteilen diese Angriffe.
Armeniens Regierungschef Nikol Paschinjan dagegen warf der Türkei vor, an den Gefechten direkt beteiligt zu sein. Hochrangige türkische Offiziere würden die Militäroperationen Aserbaidschans leiten, sagte er in einer Ansprache an sein Volk. Der "Bild"-Zeitung sagte Paschinjan: "Ich glaube, dass die Türkei nach 100 Jahren in die Region Südkaukasus zurückgekehrt ist, um den Genozid an den Armeniern fortzusetzen, der im Herbst 1915 in der Türkei stattfand." Es sei das "Ergebnis der imperialistischen Politik Erdogans und der Türkei".
Quelle: dpa, AFP, Reuters

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