Bergkarabach: Tausende auf der Flucht

07.10.2020 | 12:28 Uhr
Die Kämpfe um die Region Bergkarabach dauern an, immer mehr Menschen fliehen vor den Gefechten. Heute berät das EU-Parlament über mögliche Auswege aus der Krise.
Das EU-Parlament beschäftigt sich mit dem Konflikt um die Kaukasus-Region Bergkarabach. Bei den Kämpfen zwischen Armenien und Aserbaidschan wurden bisher 250 Menschen getötet.
Die anhaltenden Kämpfe in der Kaukasusregion Bergkarabach treiben Tausende Menschen in die Flucht. In einem Brief an das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR schrieb der armenische Vize-Außenminister Artak Apitonian am Montag, Tausende vertriebene Familien seien dringend auf Hilfe angewiesen - es fehle an Lebensmitteln, Wasser und medizinischer Hilfe.

Lokalbehörde: Flüchtlinge vor allem Frauen und Kinder

Nach Angaben eines örtlichen Behördenvertreters sei inzwischen schätzungsweise fast die Hälfte der Bevölkerung von Bergkarabach auf der Flucht vor den Kämpfen in der Region. Betroffen seien 70.000 bis 75.000 Menschen, ungefähr 90 Prozent von ihnen Frauen und Kinder, sagte der Bürgerbeauftragte der selbsternannten Republik Bergkarabach, Artak Belgarjan, der Nachrichtenagentur AFP.
Quelle: ZDF
Am Mittwoch kam es nach Angaben von Aserbaidschans Verteidigungsministerium zu neuen schweren Gefechten. Mehrere Dörfer und Städte seien beschossen worden, hieß es. Nach armenischer Darstellung versuchten Truppen Aserbaidschans, im Südosten der Region weiter vorzurücken. Armenien habe mit Angriffen darauf reagiert, teilte das Verteidigungsministerium mit.

Keine unabhängigen Beobachter in Region

Die Informationen lassen sich nur schwer überprüfen, weil es keine unabhängigen Beobachter in der Konfliktregion gibt. Auch ist unklar, wie viele Menschen bislang durch die Kämpfe ums Leben kamen.
Seit mehr als einer Woche dauern die schweren Gefechte im Südkaukasus an.
Die Behörden von Bergkarabach sprachen zuletzt von 240 getöteten Soldaten. Die aserbaidschanische Seite machte bislang keine Angaben zu Verlusten in den eigenen Reihen, gab die Zahl getöteter Zivilisten aber zuletzt mit 27 an. Armenien schätzt, dass bereits mehr als 3.700 armenischen Soldaten umkamen.

EU-Parlament berät über Bergkarabach-Konflikt

Heute beschäftigt sich das EU-Parlament mit der Krise um die Region. Der seit Jahrzehnten dauernde Konflikt zwischen den beiden ehemaligen Sowjetrepubliken Armenien und Aserbaidschan um Bergkarabach war vor mehr als einer Woche eskaliert. Seither ist es in der Region im Südkaukasus, in der etwa 145.000 Menschen leben, zu den schwersten Gefechten seit Jahren gekommen. Beide Seiten geben sich gegenseitig die Schuld daran.
Bergkarabach wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt. Die selbsternannte Republik wird international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans. Die Türkei steht auf der Seite Aserbaidschans. Armenien sieht Russland als Schutzmacht.
Armenien und Aserbaidschan streiten um die Region Bergkarabach - der Konflikt dauert schon seit den 1990er Jahren an. Darum geht es:
Quelle: AFP, dpa, ZDF

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