: Neue Atlantik-Charta unterzeichnet

10.06.2021 | 21:06 Uhr
US-Präsident Joe Biden und der britische Premierminister Boris Johnson haben eine neue Atlantik-Charta unterzeichnet. Zudem rufen beide zu Impfspenden an ärmere Länder auf.
Für US-Präsident Biden ist es der erste Besuch in Europa seit Amtsantritt. Am Freitag beginnt in England das Treffen der führenden Industriestaaten, auch G7-Gipfel genannt.
Kurz vor Beginn des G7-Gipfels am Freitag haben die USA und Großbritannien ihre Verbundenheit betont. Der britische Premierminister Boris Johnson und US-Präsident Joe Biden unterzeichneten am Donnerstag im südwestenglischen Seeort Carbis Bay eine neue Atlantik-Charta. 1941 hatten sich beide Staaten während des Zweiten Weltkrieges schon einmal gemeinsam eine solche Charta gegeben. 

Erneuerung der Atlantik-Charta

Die neue Atlantik-Charta baut im Hinblick auf Verpflichtungen und Ziele auf dem Dokument von 1941 des damaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt und des Premierministers Winston Churchill auf. Die Charta galt als wichtiger Schritt für die Schaffung der UN und der Nato.
In der neuen Charta sagen die USA und Großbritannien zu, Freihandel, Menschenrechte und eine auf Regeln beruhende internationale Ordnung zu fördern. Man wende sich hingegen gegen jene, "die danach streben, unsere Allianzen und Institutionen zu untergraben". Die Charta richte sich zudem gegen "Einmischung durch Desinformation" bei Wahlen und undurchsichtige Wirtschaftspraktiken. Entsprechende Vorwürfe hat der Westen gegen Russland und China erhoben.
In Cornwall ist viel los: morgen beginnt das Treffen der führenden Industriestaaten. Bereits vorab gibt es viele bilaterale Treffen: auch zwischen Biden und Johnson.
Die Erneuerung der Atlantik-Charta ist ein wichtiger Erfolg für Johnson, der nach dem Brexit auf der Suche nach neuen internationalen Partnerschaften ist.

Biden und Jonson: Reiche Länder sollen Impfdosen spenden

Biden rief zudem zu Großspenden von Corona-Impfstoffen an ärmere Länder auf. Die USA wollten vorangehen und 500 Millionen Dosen des Vakzins von Pfizer/Biontech kaufen und weggeben, um Menschenleben zu retten, kündigte der Präsident an. Dies täten die USA nicht, um sich Gefälligkeiten oder mögliche Zugeständnisse der fast 100 Länder mit geringerem Einkommen zu sichern, die die Impfdosen erhalten würden. Andere Länder sollten dem Beispiel Amerikas folgen, sagte Biden, denn:
Es ist in unser aller Interesse, zu sehen, wie sich die globale Wirtschaft erholt.
US-Präsident Joe Biden
200 der 500 Millionen Impfdosen wollen die USA noch in diesem Jahr ausliefern, den Rest in der ersten Jahreshälfte 2022.
Johnson sieht es ähnlich: Der Premier forderte die G7-Staaten zur Spende von einer Milliarde Corona-Impfdosen an Entwicklungsländer auf. "Es ist unsere gemeinsame Aufgabe, die Pandemie zu überwinden, die Gefahr eines neuen Auftretens zu minimieren und unsere Wirtschaft nach dieser Tragödie besser wiederaufzubauen», schrieb Johnson in einem Gastbeitrag in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Potenzielle Probleme: Brexit und Nordirland

Ein heikles Gesprächsthema waren hingegen die derzeitigen Spannungen in Nordirland vor dem Hintergrund des Brexit-Abkommens zwischen London und Brüssel. Großbritannien, die EU und die USA seien sich einig darin, den Frieden in der britischen Provinz erhalten zu wollen, betonte Johnson. Er sei "optimistisch, dass wir das schaffen".
Bei seiner ersten Europareise als US-Präsident will Joe Biden die traditionell "besonderen Beziehungen" mit Großbritannien neu beleben. "Beide wollen bekräftigen, was in der Welt geschehen sollte, um Demokratien voran zu bringen", so Elmar Theveßen.
Das Treffen ist für Biden der Auftakt eines Gipfelmarathons in Europa, der am Freitag mit dem G7-Treffen in Carbis Bay beginnt. Bevor der US-Präsident weiter nach Brüssel zum Nato-Gipfel am Montag reist, empfängt ihn Queen Elizabeth II. Am Dienstag folgt ein EU-USA-Gipfel, bevor Biden am Mittwoch in Genf auf den russischen Präsidenten Wladimir Putin trifft.
Quelle: afp, dpa, ap

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