: Biden: Kashoggi-Mord bei Prinz angesprochen

16.07.2022 | 06:58 Uhr
Das Verhältnis der USA zu Saudi-Arabien ist seit dem Mord am Journalisten Jamal Khashoggi belastet. US-Präsident Biden warnte den Kronprinzen nun vor weiteren solcher Gewalttaten.

Auf seiner Nahost-Reise trifft Joe Biden die Regierungschefs mehrerer Golfstaaten und strebt neben Investitionen in erneuerbare Energien auch eine neue Allianz gegen den Iran an.

16.07.2022 | 01:18 min
Als Mohammed bin Salman vor einigen Wochen eine Tour zu regionalen Nachbarn unternahm, konnte man meinen, Saudi-Arabiens Kronprinz sei wieder im diplomatischen Alltag angekommen. Bei der Reise in die Türkei sowie zu den Verbündeten Ägypten und Jordanien gab es Militärkapellen, rote Teppiche und viele herzliche Gesten. Mit dem Besuch von US-Präsident Joe Biden in Saudi-Arabien kommt dessen faktischer Herrscher seinem Ziel jetzt einen wichtigen Schritt näher, auf der Weltbühne langsam wieder salonfähig zu werden.

Fall Khashoggi: Biden warnt vor Wiederholung

Doch ein Thema überschattet auch weiterhin die Beziehungen. So hat Biden - eigenen Angaben zufolge - den Mord am saudischen Regierungskritiker Jamal Khashoggi beim Kronprinzen angesprochen. Dieser habe jedoch jede Verantwortung zurückgewiesen, teilte Biden mit.
Er sagte im Grunde, dass er nicht persönlich dafür verantwortlich sei. Ich deutete an, dass ich glaube, er ist es.
Joe Biden, US-Präsident
"Ich bereue nichts, was ich gesagt habe. Was mit Khashoggi passiert ist, war empörend", so Biden. Er habe vor künftigen Gewaltakten gegen Regierungskritiker gewarnt und dem Thronfolger deutlich gemacht, dass eine erneute Tat wie der Mord an Khashoggi eine "Antwort" der Vereinigten Staaten zur Folge hätte.
Er machte aber keine genaueren Angaben, wie eine mögliche Reaktion der USA auf eine weitere ähnliche Tat konkret aussehen würde. Der Mord an Khashoggi habe "an der Spitze" der Gesprächsthemen gestanden, teilte Biden mit.
Bald vier Jahre ist der Mord am Journalisten Jamal Khashoggi her, den der Kronprinz nach Einschätzung der US-Geheimdienste persönlich genehmigte.

Korrespondent Elmar Theveßen erklärt zum Besuch des US-Präsidenten in Saudi-Arabiens Stadt Dschidda: Biden will eine neue Allianz schmieden, auch um den Einfluss Chinas zurückzudrängen. Kompliziert: Menschenrechte ansprechen - und den Kronzprinz treffen.

15.07.2022 | 03:19 min
Am Freitagabend setzte die US-Präsidentenmaschine Air Force One in Dschidda am Roten Meer auf. Der Empfang war kühl: Begrüßt wurde Biden von Mekkas Gouverneur Chalid al-Faisal und der saudischen Botschafterin in den USA, Rima bint Bandar - ein klarer Affront mit Blick auf deren Rang. Die Momente standen im starken Kontrast zur feierlichen Zeremonie bei Bidens Ankunft in Israel auf dem vorigen Stopp der Reise. Und sie erinnerten an den kühlen Empfang, den Jahre zuvor Ex-US-Präsident Barack Obama in Riad erhalten hatte.
Bidens Besuch in Saudi-Arabien und sein Treffen mit dem Kronprinzen wurden von Khashoggis einstiger Verlobter Hatice Cengiz hart kritisiert. In einer Botschaft im Onlinedienst Twitter schrieb sie: "Das Blut von MBS' (Abkürzung von Mohammed bin Salman) nächsten Opfern klebt an Ihren Händen." Cengiz spielte damit auf die Begrüßungsgeste Bidens und bin Salmans an.

Faustgruß statt Handschlag mit dem Prinzen

Um einen Handschlag mit bin Salman kam Biden herum - ausgerechnet dank der Corona-Pandemie. Bei seiner Ankunft am königlichen Palast gab es für den Kronprinzen nur einen kurzen Faustgruß und ein Kopfnicken Bidens, dann verschwanden beide im Gebäude.
Auch wegen der wachsenden Bedrohung durch den Iran ist Riad auf den Verbündeten USA angewiesen - und macht Zugeständnisse. Freitag früh teilte die saudische Luftfahrtbehörde mit, ihren Luftraum "für alle Fluggesellschaften" zu öffnen, sofern diese "die Voraussetzungen" erfüllen. Damit dürfte das Überflugverbot für israelische Maschinen enden, das zuvor bereits gelockert wurde. Biden sprach von einem "historischen" Schritt zu einem "stabilen und sicheren Nahen Osten".

Am letzten Tag seiner Nahost-Reise traf US-Präsident Biden die Regierungschefs mehrerer Golfstaaten: Er wolle dafür sorgen, dass der Iran nicht an Atomwaffen kommt.

16.07.2022 | 00:24 min

Der Westen muss lernen, mit "Mister Everything" umzugehen

Irgendeine Form von Umgang wird der Westen finden müssen. Denn der erst 36 Jahre alte Kronprinz könnte noch lange an der Spitze des Wüstenstaats stehen. Sein altersschwacher Vater, König Salman (86), hat dem Lieblingssohn und potenziellen Thronfolger schon viele Befugnisse übertragen. Unter dem Titel einer "Vision 2030" versucht der Kronprinz, Saudi-Arabien in höchstem Tempo zu modernisieren. Er holt hochkarätige Sport-Events ins Land, hat Musikkonzerte und Kinos erlaubt.

Zum Besuch von US-Präsident Biden in Saudi-Arabien eine Einschätzung von ZDF-Korrespondent Elmar Theveßen.

15.07.2022 | 01:32 min
Quelle: Johannes Sadek, Can Merey, Christina Storz und Cindy Riechau, dpa; AFP, Reuters

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