: Fünf Dinge, die Premier Johnson regeln muss

von Yacin Hehrlein, London
31.01.2021 | 12:32 Uhr
Seit einem Jahr sind die Briten raus aus der EU. Die Herausforderungen sind noch größer als am 31. Januar 2020 - viele drängende Probleme, die Boris Johnson zu lösen hat.
Großbritannien ist am 31.01.2020 aus der EU ausgetreten - seitdem ist einiges passiert.Quelle: dpa

1. Die Corona-Krise in den Griff bekommen

Sowohl was die Todeszahlen angeht als auch was die Auswirkungen für die Wirtschaft betrifft, hat die Corona-Krise Großbritannien besonders hart getroffen. Im europäischen Vergleich so schlecht dazustehen, ist nicht gut für das postbrexitäre Selbstbewusstsein. Die bisher erfolgreiche Impfkampagne der Briten bietet eine gute Chance, dieses traurige Bild aufzubessern.

2. Die Union zusammenhalten

Dies ist langfristig die wohl größte Herausforderung für den Premierminister. Keiner vor ihm ist jenseits der Grenze zu Schottland jemals so unbeliebt gewesen. Die Schotten sehen im Brexit, gegen den sie mehrheitlich gestimmt haben, einen guten Grund ein zweites Unabhängigkeitsreferendum zu fordern. Die Nordiren waren auch mehrheitlich gegen den Brexit.
Doch die Regierung Johnson band sich eng an die Unionisten, deren oberstes Ziel die weitere Zugehörigkeit zum Vereinigten Königreich ist und die im Brexit hierfür das geeignete Vehikel sahen. Nun aber müssen auch die Unionisten sorgenvoll in die Zukunft blicken. Johnsons Deal ist für Nordirland noch schlechter als der, den seine Vorgängerin Theresa May angestrebt hatte.
Inzwischen bleiben in einigen Supermärkten in Belfast aufgrund komplizierter Zollbestimmungen die Regale leer, und die Wahrscheinlichkeit des sogenannten border poll - einer Volksabstimmung über die Wiedervereinigung mit der Republik Irland - rückt näher. Und auch in Wales gibt es eine Unabhängigkeitsbewegung, die durch die Turbulenzen der letzten Monate im Aufwind ist.

3. Die wirtschaftlichen Einbußen auf Corona schieben

Als sich kurz vor Weihnachten rund um Dover die Lkws stauten, ließ sich dies mit der französischen Grenzschließung wegen des britischen Virusvariante erklären. Anfang Januar blieben die Schlangen dann aus. Viele Supermärkte und Betriebe hatten sich vorher auf Halde eingedeckt, und die Spediteure blieben dem drohenden Chaos vorsichtshalber fern.

Zwischen Frankreich und Großbritannien geht der Warenverkehr weiter - auch nach dem Brexit. Doch es gibt viele neue Herausforderungen auf beiden Seiten der Grenze.

04.01.2021 | 01:47 min
Mittlerweile aber zeichnet sich immer deutlicher ab, daß viel Bürokratie und allerlei Gebühren britische Unternehmen und Verbraucher teuer zu stehen kommen werden. Wirtschaftsexperten haben errechnet, dass die langfristigen negativen wirtschaftlichen Folgen des Brexit die der Corona-Krise übertreffen werden. Bis zur nächsten Wahl in vier Jahren muss Johnson sicherstellen, dass das keinem auffällt.

4. Die Fischer besänftigen

Beim auf den letzten Drücker an Heiligabend abgeschlossenen Freihandelsvertrag mit der EU mussten natürlich Zugeständnisse gemacht werden. Es verwundert nicht, dass dies im Bereich des Fischfangs geschah. Zu unbedeutend ist dieser Wirtschaftszweig.
Die Symbolträchtigkeit der Fischerei für einen Inselstaat reichte nicht aus, um der Branche das zu geben, was sie sich vom Ausstieg aus der Europäischen Union versprochen hatte. Jetzt muss die Regierung die Fischer umfassend entschädigen und ihnen eine Zukunftsperspektive geben.

5. Handelsverträge abschließen

"Global Britain" klingt nicht nur schnittig, es ist auch ein Versprechen, dass jetzt eingehalten werden muss. Einer der großen Vorteile des Brexit sei ja, dass das Land seine eigene maßgeschneiderte Handelspolitik betreiben kann.
Entsprechend müssen die Freihandelsverträge jetzt auch kommen. Und zwar nicht nur solche, die von den bestehenden EU-Blaupausen übernommen wurden, sondern wirtschaftlich auch wirklich einen Vorteil bringen. Beispielsweise mit den USA.

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