: Die Bundestagswahl auf einen Blick

von Kevin Schubert
27.09.2021 | 05:45 Uhr
Die SPD hat die Bundestagswahl 2021 vor CDU und CSU gewonnen. Nun kommt es auf FDP und Grüne an, mit wem sie künftig regieren wollen.

Wie sieht es nach dem vorläufigen amtlichen Endergebnis zur Bundestagswahl aus?

Die SPD um Kanzlerkandidat Olaf Scholz hat die Bundestagswahl 2021 gewonnen. Die Zahlen der Parteien im Überblick:
  • SPD: 25,7 Prozent (2017: 20,5 Prozent)
  • CDU/CSU: 24,1 Prozent (2017: 32,9 Prozent)
  • Grüne: 14,8 Prozent (2017: 8,9 Prozent)
  • FDP: 11,5 Prozent (2017: 10,7 Prozent)
  • AfD: 10,3 Prozent (2017: 12,6 Prozent)
  • Linke: 4,9 Prozent (2017: 9,2 Prozent)
  • Sonstige: 8,7 Prozent (2017: 5,0 Prozent)

Wie sieht die Sitzverteilung im neuen Bundestag aus?

Nach der Auszählung aller Wahlkreise wird der neue Bundestag erneut auf deutlich mehr als die vorgesehenen 598 Sitze kommen - mit folgender Verteilung:
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Welche Koalitionen haben eine Mehrheit?

Möglich sind neben einer Großen Koalition gleich vier Dreier-Bündnisse:
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Realistisch sind dagegen nur zwei Bündnisse: Eine Ampel oder Jamaika. Sowohl die SPD um Olaf Scholz als auch die Union um Armin Laschet beanspruchen eine Regierungsbildung für sich. Deshalb kommt es nun auf die Königsmacher FDP und Grüne an, mit wem sie regieren wollen.
[Wie die Parteien dabei inhaltlich zusammenpassen, können Sie in unserem Koalitionsnavi nachlesen].

Was bedeutet der Wahlausgang für SPD und Union?

Die Sozialdemokraten haben nicht nur die meisten Wählerinnen und Wähler überzeugen können. Sie gewinnen nach der aktuellen Hochrechnung auch im Vergleich zur letzten Wahl Stimmanteile hinzu (Ergebnis 2017: 20,5 Prozent). "Ich finde, das Wahlergebnis ist sehr eindeutig", sagte Scholz im heute journal. "Die SPD hat diese Wahl gewonnen."
Es gebe zwar keine Verpflichtung, für ihn als Kanzler zu stimmen. Aber, so Scholz:
Die Bürgerinnen und Bürger wollen nicht, dass die CDU die nächste Regierung führt.
SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz
Tatsächlich ist die Union um Kanzlerkandidat Armin Laschet eindeutiger Wahlverlierer. Zwar konnten CDU und CSU im Vergleich zum letzten Politbarometer noch leicht zulegen. Im Vergleich zum letzten Wahlergebnis (32,9 Prozent) stürzt die Union jedoch regelrecht ab - und fährt ihr wohl historisch schlechtestes Ergebnis bei einer Bundestagswahl ein.
Laschet spricht dennoch von einem "klaren Auftrag" der Wählerinnen und Wähler. Eine Stimme für die Union sei eine Stimme gegen eine linksgeführte Bundesregierung.
Deshalb werden wir alles daransetzen, eine Bundesregierung unter der Führung der Union zu bilden.
CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet

Was heißt das Ergebnis für Grüne und FDP?

Die Grünen dürften mit Blick auf den Wahlausgang gemischte Gefühle haben. Im Vergleich zu 2017 (8,9 Prozent) können sie zwar deutlich zulegen und fahren ein Rekordergebnis ein. Statt der kleinsten stellen sie im kommenden Bundestag zudem die drittgrößte Fraktion, eine Regierungsbeteiligung gilt als sehr wahrscheinlich.
Das sind erst einmal Erfolge. Doch es folgen zwei große "Aber":
  1. Umwelt und Klima wurden im letzten Politbarometer vor der Wahl am häufigsten - und mit Abstand - als aktuell wichtigste Probleme in Deutschland genannt. Geholfen hat es den Grünen offenbar kaum, obwohl viele Wählerinnen und Wähler ihnen beim Klimaschutz hohe Kompetenzwerte zuschreiben.
  2. Noch im Mai standen die Grünen mit Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock in Umfragen bei 26 Prozent. Damals sah es so aus, als ob die Grünen die nächste Kanzlerin stellen könnten. Nun stehen die Grünen so schlecht da wie in keiner Sonntagsfrage seit August 2018.
Die FDP freut sich über ein zweistelliges Ergebnis - zum zweiten Mal in Folge, ein Novum in ihrer Geschichte. Gemeinsam mit den Grünen können die Liberalen entscheiden, wer in Zukunft regiert. Parteichef Christian Lindner sieht dabei die größten Gemeinsamkeiten in einer Jamaika-Koalition unter einem Kanzler Armin Laschet.
Die Wahrscheinlichkeit, dass wir dort Inhalte umsetzen können, ist größer als bei anderen Konstellationen.
FDP-Chef Christian Lindner
Dabei regt Lindner als erstes Gespräche zwischen FDP und Grünen an, um wichtige Punkte vorab zu klären. Es könne ratsam sein, dass die Parteien, die gegen den Status quo der Großen Koalition Wahlkampf gemacht hätten, zuerst miteinander sprächen.

Linke unter fünf Prozent, trotzdem im Bundestag

Dramatisch war der Wahlabend für die Linke. Die Partei riss nach Auszählung aller Wahlkreise die Fünf-Prozent-Hürde - und zieht trotzdem in den Bundestag ein, dank dreier Direktmandate in Berlin und Leipzig. Somit greift die sogenannte Grundmandatsklausel.

Was ist die Grundmandatsklausel?

Die Grundmandatsklausel besagt: Erringt eine Partei bei einer Bundestagswahl mindestens drei Direktmandate, wird sie bei der Verteilung der Sitze auf die Landeslisten berücksichtigt - selbst wenn sie an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert ist.

Davon profitierte bereits 1994 eine Vorgängerpartei der Linken, die PDS. Sie gewann vier Direktmandate - bei 4,4 Prozent der gültigen Zweitstimmen. Ihr wurden daraufhin 26 Landeslistensitze zugeteilt.

Der Parlamentarische Geschäftsführer, Jan Korte, spricht vor dem ZDF-Mikrofon Klartext: Das Ergebnis sei "katastrophal" und "beschissen". "Dass es so schlecht wird, hätte auch ich nicht für möglich gehalten." Spitzenkandidat Dietmar Bartsch macht dafür nicht den Wahlkampf, sondern "einige Fehler" in den letzten Jahren verantwortlich. "Die gilt es zu analysieren und Schlussfolgerungen daraus zu ziehen."
Verluste gibt es auch bei der AfD, die im neuen Bundestag nicht mehr die drittgrößte Fraktion stellen und auch nicht mehr die größte Oppositionspartei sein dürfte.
[Warum haben die Deutschen so gewählt? Lesen Sie hier die Analyse zum SPD-Erfolg und dem Unions-Debakel.]

Welche Reaktionen gibt es aus den Parteien?

In der "Berliner Runde" von ARD und ZDF haben die Spitzenkandidatinnen und -kandidaten der Parteien die ersten Hochrechnungen analysiert:
Sehen Sie die "Berliner Runde" hier in ganzer Länge.
Noch mehr Reaktionen der Parteien finden Sie hier:

Scholz: "Die SPD hat diese Wahl gewonnen"

Olaf Scholz, SPD-Kanzlerkandidat, geht davon aus, die Bundestagswahl gewonnen zu haben. Die Bürger hätten entschieden, die Zustimmung wachse bei der SPD. Die Bürger wollen nicht, dass die CDU die nächste Regierung führt, so Scholz.

Scholz: "Regierungsbildung gleich beginnen"

Die SPD habe den Auftrag, eine Regierung zu bilden, sagt SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz. Die Zugewinne der SPD seien dafür ein klares Signal der Wählerinnen und Wähler.

Laschet: "Wir wollen Regierung bilden"

Angela Merkel habe Deutschland 16 gute Jahre beschert, ihr gehöre der erste Dank, sagt CDU-Kanzlerkandidat Armin Laschet. Jetzt müssten alle demokratischen Parteien kooperieren.

Baerbock: "Land braucht Erneuerung"

Deutschland brauche eine Klimaregierung, fordert Grünen-Spitzenkandidatin Annalena Baerbock. Dieser Verantwortung wolle sie gemeinsam mit Robert Habeck gerecht werden.

Lindner: "FDP ist gestärkt"

Die FDP gehe gestärkt aus dieser Bundestagswahl, sagt Christian Lindner (FDP). Mit einer Jamaika-Koalition sehe er die größte Übereinstimmung.

Dobrindt: Nun Möglichkeiten sondieren

Das Wahlergebnis sei keines "das einen zufrieden macht", sagt Alexander Dobrindt, Vorsitzender der CSU-Landesgruppe im Bundestag. Es sei aber "zwingend notwendig", die Möglichkeiten zu sondieren, die es jetzt gibt. Das könne "spannend werden."

Baerbock: Klimaschutz das zentrale Thema

"Wir können uns nicht über alle Massen freuen", sagt Annalena Baerbock, Kanzlerkandidatin der Grünen. Grundlage aller Verhandlungen sei es jetzt, Deutschland klimaneutral zu machen. Beim Klimaschutz gebe es zwischen SPD und Grünen keine Unterschiede.

Hans und Kretschmann zur Regierungsbildung

Die SPD liegt vor der Union - und trotzdem streben beide Parteien Sondierungsgespräche an. Tobias Hans (CDU) und Winfried Kretschmann (Grüne) zu den Argumenten - und Perspektiven.

Hans: Laschet kann "Positionen einen"

Die Union habe schmerzliche Verluste hinnehmen müssen - dennoch habe die CDU das Recht, Sondierungsgespräche zu führen, so der saarländische Ministerpräsident Tobias Hans (CDU).

Weil: Das beste Argument ist das Vertrauen

Nach dem knappen Wahlsieg feiert die SPD. Für mögliche Regierungskoalitionen sieht Niedersachsen Ministerpräsident Weil ein besonderes Argument: die Umfragewerte zur Person Scholz.

Kretschmann: "Wir müssen gut verhandeln"

Maßstab für Koalitionsverhandlungen müsse für die Grünen sein, ob eine neue Regierung schneller gegen den Klimawandel vorgeht, sagt Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne).

Blume: "Ein Linksbündnis wird es nicht geben"

Auch die CSU erleidet bei der Bundestagswahl in Bayern deutliche Einbußen - und kommt laut der Hochrechnung auf 32,6 Prozent. Das sagt Generalsekretär Markus Blume zu dem Ergebnis.

SPD: Zwischen begeistert und kämpferisch

Trotz eines dünnen Vorsprungs der SPD will die Union Sondierungen beginnen. Die Sozialdemokraten begegnen dieser Ankündigung kämpferisch, so Shakuntala Banerjee von der Wahlparty.

Scholz: "Das ist ein großer Erfolg"

"Die Bürger wollen, dass der nächste Kanzler Olaf Scholz heißt", sagt SPD-Kanzlerkandidat Scholz und bezeichnet das Wahlergebnis seiner Partei als "großen Erfolg".

Klingbeil: "Haben Auftrag zur Regierungsbildung"

Die SPD habe sich zurückgekämpft und mit Kanzlerkandidat Olaf Scholz an die Spitze gesetzt, sagt SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil. Darüber sei er überglücklich.

Ziemiak: "Die Verluste sind herb"

In der ersten Prognose liegt die Union auf Platz zwei. Laut Generalsekretär Ziemiak sind die Verluste seit der letzten Bundestagswahl "herb". Man wolle dem Land dennoch dienen.

Blume: "Linksrutsch verhindert"

Das Wahlziel sei klar erreicht worden, sagt CSU-Generalsekretär Markus Blume: Ein Linksrutsch konnte verhindert werden.

Habeck: "Es ist nicht das, was wir erreichen wollten"

Monatelang lagen die Grünen bei den Umfragen bei 20 Prozent - ist das Bundestagswahlergebnis für die Partei nicht enttäuschend? Das sagt der Parteivorsitzende Robert Habeck.

Kellner: "Erwartungen waren höher"

Der Bundesgeschäftsführer der Grünen, Michael Kellner, hatte ein besseres Ergebnis für die Grünen erwartet. Er räumt ein, es seien Fehler gemacht worden.

Wissing: "Wähler wollen Rot-Rot-Grün nicht"

Die FDP habe zum zweiten Mal bei einer Bundestagswahl zweistellig abgeschnitten, das habe es noch nie gegeben, freut sich FDP-Generalsekretär Volker Wissing.

Meuthen: "Es ist kein großer Sieg"

Die AfD hat bei der Bundestagswahl laut Hochrechnungen rund zehn Prozent der Stimmen errungen. Damit wurde das Wahlziel verfehlt. Was sagt AfD-Chef Meuthen zu diesem Ergebnis?

Chrupalla: "Alles über zehn Prozent ist gut"

Die AfD habe ihre Stammwählerschaft, dennoch schmerzten die Verluste, sagt AfD-Spitzenkandidat Tino Chrupalla. Das müsse die Partei analysieren.

Bartsch: Wahlausgang erst "analysieren"

Die Linke muss um den Einzug in den Bundestag zittern. Fraktionschef Bartsch möchte das schlechte Ergebnis seiner Partei nun analysieren - und daraus lernen.

Hennig-Wellsow: "Schwerer Schlag"

Die Linke hat schwer verloren - das räumt Parteivorsitzende Susanne Hennig-Wellsow bei den Bundestagswahlen ein. Die Partei muss nun auf die Fehler zurückblicken.

Wer entscheidet wo die Direktmandate für sich?

In zahlreichen Wahlkreisen gab es spannende und prominente Duelle um die Direktmandate. So hat zum Beispiel ...
  • Olaf Scholz seinen Potsdamer Wahlkreis gegen Annalena Baerbock gewonnen.
  • SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach seinen Wahlkreis gegen die Laschet-Vertraute Serap Güler verteidigt.
  • Ex-Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen (CDU) in seinem Wahlkreis gegen Ex-Biathlon-Weltmeister Frank Ullrich (SPD) verloren - und ist damit nicht in den Bundestag eingezogen.
  • Ex-Juso-Chef Kühnert seinen Wahlkreis Berlin-Tempelhof-Schöneberg gegen die frühere Bundesministerin Renate Künast gewonnen und zieht erstmals in Bundestag ein.
  • Oliver Krischer im Heimatwahlkreis Aachen I von Armin Laschet gewonnen. Laschet war aber nicht angetreten. Sein Parteifreund Rudolf Henke (CDU) musste sich gegen Krischer geschlagen geben.
Diese Karte zeigt, welche Partei das Direktmandat in Ihrem Wahlkreis für sich entscheiden konnte:
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Wie hoch ist die Wahlbeteiligung?

Die Forschungsgruppe Wahlen rechnet mit einer etwas höheren Wahlbeteiligung als 2017:
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