: Deutschland führt Nato-Eingreiftruppe VJTF

01.01.2023 | 12:25 Uhr
In 48 Stunden kampfbereit: Deutschland hat zum Jahreswechsel die Führung der Nato-Eingreiftruppe VJTF übernommen. Kann die Bundeswehr trotz Ausrüstungsmängeln Russland abschrecken?
Deutschland führt Nato-Eingreiftruppe an: Bundeswehr-Soldaten der VJTF beim Training. (Archivbild)Quelle: reuters
Zum Jahreswechsel hat Deutschland die Führung der schnellen Eingreiftruppe der Nato übernommen. Die Bundeswehr stellt damit etwa 8.000 Männer und Frauen für die insgesamt rund 11.500 Soldaten zählende Truppe. Diese muss in 48 bis 72 Stunden bereit sein, um dorthin verlegt zu werden, wo das Bündnis sie jeweils benötigt - etwa für Kriegs- und Kriseneinsätze.
Während der illegale Krieg Russlands in der Ukraine weiter Frieden und Sicherheit in Europa bedroht, darf es keinen Zweifel an der Entschlossenheit der Nato geben, jeden Zentimeter des Bündnisgebietes zu schützen und zu verteidigen.
Nato-Sprecherin
An den multinational aufgestellten Kräften beteiligen sich in diesem Jahr insgesamt neun Nato-Staaten, darunter auch Belgien, Tschechien, Lettland, Litauen, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen und Slowenien.
Die deutsche Panzergrenadierbrigade 37 ist Leitverband für die multinationalen Landanteile der VJTF. Von den etwa 5.000 Soldaten der Brigade gehen rund 4.000 in die Nato-Verpflichtung.

Warum gibt es die Nato-Eingreiftruppe?

Der Aufbau einer VJTF-Eingreiftruppe ("Very High Readiness Joint Task Force") geht auf Beschlüsse beim Nato-Gipfel in Wales im September 2014 zurück und war Reaktion auf die russische Annexion der Krim. Die Nato hat seitdem den Schutz von Verbündeten im Osten, die sich von Russland bedroht fühlen, verstärkt. Deutschland hatte zuletzt 2015 die VJTF-Führung inne und übernimmt diese 2023 erneut.
Über Einsätze dieser Truppen wird auf politischer Ebene seitens der Nato-Mitgliedsländer entschieden. Das nach einem Rotationsprinzip im Jahrestakt jeweils zuständige Bündnisland entscheidet dann noch einmal separat. In der Theorie stehen stets drei Nationen mit unterschiedlichen Reaktionszeiten einsatzbereit. Zusammen mit weiteren Truppen gehört die VJTF zur knapp 40.000 Soldaten umfassenden "Nato Response Force".

Wie schlimm sind die Ausrüstungsmängel der Bundeswehr?

Die betroffenen Truppenteile der Bundeswehr bereiten sich bereits länger auf ihre Aufgabe vor. Der chronische Materialmangel in weiten Teilen der Bundeswehr hat diesen Prozess erschwert. Teils müssen sich VJTF-Verbände Ausrüstung bei anderen Einheiten borgen, um die Anforderungen der Nato erfüllen zu können.
Hinzu kommt ein Ausfall der eigentlich vorgesehenen Schützenpanzer Puma bei einer Schießübung im Dezember. Nach Meldungen über technische Defekte teilte Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) mit, die deutschen Soldaten würden nicht mit dem Puma als Gefechtsfahrzeug bereitgestellt, sondern mit dem deutlich älteren Marder.
Inzwischen stellten sich viele der Mängel laut Herstellerangaben jedoch als mutmaßlich leicht behebbar heraus - es könnte also sein, dass der Puma nach weiteren Prüfungen im Laufe des Jahres zur VJTF wieder hinzugezogen wird.

Was sagt die Nato zu den deutschen Problemen?

Öffentlich Kritik an einem Nato-Mitglied zu üben, wäre für hochrangige Nato-Vertreter sehr ungewöhnlich - auch wenn die Probleme der Bundeswehr unter Verbündeten seit vielen Jahren gut bekannt sind.
Entsprechend optimistisch äußerte sich nun Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg gegenüber der Nachrichtenagentur dpa:
Ich bin absolut zuversichtlich, dass Deutschland eine hervorragende Führungsnation für die VJTF sein wird
Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg
Er wisse, dass die Bundeswehr gut ausgebildete und gut ausgerüstete Soldatinnen und Soldaten habe, die die Aufgabe sehr gut erfüllen könnten. "Deutschland wird die Führungsnation sein, aber es wird weitere Nationen geben, die sich an dieser Truppe beteiligen", betonte er. "Ich bin mir absolut sicher, dass alle neun Nationen, die für die Nato-Eingreiftruppe zuständig sein werden, die Nato-Anforderungen erfüllen werden."
Quelle: dpa, AFP, ZDF

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