: Auch Wahlkämpfer Laschet hat Probleme

von Winnie Heescher
09.07.2021 | 22:00 Uhr
Aktuell wird viel über die Fehler von Annalena Baerbock geredet. Dabei hat auch ihr Gegenkandidat Armin Laschet einige Baustellen - wie diese Woche par excellence zeigt.
Auch für Kanzlerkandidat Armin Laschet läuft es im Bundestagswahlkampf nicht überall rund.Quelle: Reuters (Archiv)
Armin Laschet hockt manchmal bis tief in die Nacht vor dem Fernseher und guckt Serien. So hat er es diese Woche bei einem Gespräch mit der Frauenzeitschrift "Brigitte" erzählt. Binge watching, so der Fachbegriff für das stundenlange Glotzen, schien die Union sich leisten zu können: Annalena Baerbock und ihr Team führten eine Staffel politischen Dilettantismus auf, von der niemand weiß, ob die Serie noch fortgesetzt wird.
Viele Kommentatoren spotten angesichts des leichten Wahlkampfes für Armin Laschet: "Per Schlafwagen ins Kanzleramt", schreibt es sich angesichts der Umfragewerte für die Union schnell. Dabei macht auch die Fehler.
Es läuft eigentlich nicht schlecht für Armin Laschet. Moderat steigende Umfragewerte, Unruhe bei den Grünen. Aber der Unions-Kandidat bleibt auffällig unauffällig. Baerbock? Maaßen? Laschet kommt nur ungern aus der Deckung.

Verhagelter Kampagnenstart der CDU

Am Mittwoch zerriss ausgerechnet die "Welt" die Vorstellung der CDU-Wahlkampagne. Paul Ziemiak "fühlt sich wie Steve Jobs bei der Präsentation des ersten iPhones, wirkt aber wie ein Gemüsehobel-Verkäufer in der Fußgängerzone zu Düren". Er erkläre Banalitäten zu Sensationen. In der CDU-Parteizentrale fiel die Stimmung in den Keller.
Zudem regnete es einen Shitstorm, weil die CDU auf ihren Plakaten eigene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter abgebildet hatte, die Polizistinnen, Pflegerinnen und Windkraftanlagen-Monteure spielen.

Causa Hans-Georg Maaßen: Armin Laschet spielt Verstecken

Und Armin Laschet? Der spielte verstecken. Am Montag gab ihm der hessische Ministerpräsident Bouffier Manndeckung, als wartende Journalistinnen und Journalisten vor der CDU-Zentrale dem Parteichef Fragen zu den Äußerungen von Hans-Georg Maaßen rund um eine Gesinnungsprüfung für Journalisten des öffentlich-rechtlichen Rundfunks stellen wollten. Zahlreiche Funktionäre äußerten sich, bis hin zum Parteiaustrittsverfahren gingen die Forderungen.
Nur Laschet ließ nichts von sich hören, er lief schnell hinter dem Rücken von Bouffier, der Interviews gab, ins Büro. Der CDU-Chef selbst äußert sich erst im "Brigitte-Talk": Ohne den Namen des ehemaligen Verfassungsschutzchefs in den Mund zu nehmen, sagte er, das Interview sei nicht Position der CDU.

Zusammenhalt der Partei als Herausforderung

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann hatte zwei Tage zuvor gesagt, was Maaßen gemacht sei "sicherlich so, dass es noch so eben im CDU-Spektrum passt". Was denn nun? Es gibt nicht wenige in der CDU, die hoffen, dass sich das Problem Maaßen am 26. September von selbst erledigt und er sich bis dahin nicht zu häufig aus dem Fenster lehnt.
Wunschdenken, das den Frust ignoriert, den Maaßen auch in der Union anspricht und damit das Problem, dass Armin Laschet über den Wahltag hinaus hat: Wie die Partei zusammenhalten?
In der CDU geht der Streit um Ex-Verfassungsschutz-Chef Maaßen weiter. Nach dessen Aussagen zur politischen Unabhängigkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks wächst der Druck auf CDU-Chef Laschet, Maaßen aus der Partei auszuschließen.

Gefahr für Armin Laschet: Armin Laschet

Und noch etwas wurde dieser Tage wieder sichtbar: Eine Gefahr für Armin Laschet bleibt Laschet selbst. Vor zwei Wochen hielt er im Bundestag eine Rede, für die ihn die eigene Fraktion feierte. Weil er die AfD in einer Weise kritisierte, wie die eigenen Leute es sich oft von Angela Merkel gewünscht hatten. Derselbe Laschet sagt eine Woche später im NRW-Landtag, die AfD habe in der Debatte "einen wahren Satz" gesagt.
Immer wenn jemand verallgemeinernd "die Wissenschaft" sage, sei man klug beraten zu hinterfragen, was dieser "gerade im Schilde führt". Die Wissenschaft gebe es nicht, sie habe immer auch Mindermeinungen. Eine Steilvorlage nicht nur für Grüne und SPD im Landtag. Es war Angela Merkel, die der AfD in der Pandemie erklärt hatte, wie Wissenschaft funktioniert, dass man vieles außer Kraft setzen könne, "aber nicht die Schwerkraft, die Lichtgeschwindigkeit und andere Fakten".
Die Gesetze des Wahlkampfes kann auch keiner außer Kraft setzen: Entschieden wird trotz aller Umfragen und Fehler der Gegner am Ende. Und das steht erst in elf Wochen an.

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