: Günther: CDU-Wahlkampf "überzeugt nicht"

12.08.2021 | 10:46 Uhr
Schwache Umfragewerte bereiten CDU-Politikern sechs Wochen vor der Bundestagswahl Sorge. Man müsse jetzt die Probleme der Menschen in den Mittelpunkt stellen.
Armin Laschet wird von Daniel Günther mit Ellenbogengruß begrüßt (Archivbild)Quelle: dpa
Angesichts schwacher Umfragewerte fordern führende CDU-Politiker mehr Schwung im Wahlkampf der eigenen Partei.

Günther: Werden eigenen Ansprüchen nicht gerecht

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) sagte dem "Handelsblatt" zum bisherigen Wahlkampf: "Das überzeugt niemanden." Es brauche nun eine stärkere inhaltliche Auseinandersetzung.
Wir müssen die Themen in den Mittelpunkt rücken, die für die Menschen wichtig sind.
Daniel Günther, Ministerpräsident Schleswig-Holstein (CDU)
Der Anspruch von CDU/CSU müsse es sein, bei "mindestens 30 Prozent" zu liegen - und "wir werden unseren eigenen Ansprüchen derzeit nicht gerecht", kritisierte Günther.
Nervenstärke zählt zu seinen Stärken: Als Ministerpräsident gilt er eher als Moderator anstatt als Macher, als gut vernetzter Strippenzieher. Armin Laschet ist oft unterschätzt worden.

Wanderwitz: Mit Laschet bestes Personalangebot

Auch der Ost-Beauftragte der Bundesregierung und CDU-Bundestagsabgeordnete Marco Wanderwitz zeigte sich unzufrieden. "Als Union haben wir es bisher nicht geschafft, den Bürgern deutlich zu machen, dass wir mit Armin Laschet das beste Personalangebot und das beste inhaltliche Angebot haben", sagte er der "Rheinischen Post" aus Düsseldorf. "Da müssen wir nachlegen."
Trotz sinkender Umfragewerte sei für die Union gut sechs Wochen vor der Wahl nichts verloren, sagte Wanderwitz. "Mein Gefühl ist, viele Wähler wissen noch gar nicht so wirklich, wem sie das Land nach Angela Merkel anvertrauen wollen."
Da muss die CDU herausarbeiten, dass Rot-Rot-Grün oder eine Ampel unser Land in eine linke Sackgasse führen würden.
Marco Wanderwitz, CDU-Bundestagsabgeordneter

Günther Erfolg durch Geschlossenheit

Die Umfragewerte für die Union und insbesondere für den Kanzlerkandidaten Laschet waren in den vergangenen Wochen gesunken. Laut dem jüngsten ZDF-"Politbarometer" vom 30. Juli halten Laschet nur noch 35 Prozent als Bundeskanzler für geeignet, zwölf Prozentpunkte weniger als zuvor. 
Ministerpräsident Günther warnte seine Partei aber vor einer Debatte über den Kandidaten. "Die Frage, wer für uns als Spitzenkandidat in den Wahlkampf zieht, haben wir als Union beantwortet", betonte Günther. "Wir sind klug beraten, jetzt alle an einem Strang zu ziehen." Den Appell zur Geschlossenheit bezog er ausdrücklich auch auf die CSU. "Denn ein gemeinsamer Erfolg, den wir mit Geschlossenheit erreichen, ist auch ein Erfolg für die CSU", sagte Günther.
Die Kanzlerkandidaten von Union und SPD, Laschet und Scholz, haben das vom Hochwasser betroffene Stolberg besucht. Sie versprachen dabei erneut schnelle und unbürokratische Hilfen.
Als Grund für die bisherigen Schwierigkeiten der Union im Wahlkampf nannte der CDU-Politiker die Hochwasserkatastrophe, welche Laschets Aufmerksamkeit erfordert und ihn am Wahlkampf gehindert habe. "Dadurch darf man in den Umfragen einen gewissen Hänger haben", so Günther. "Aber Hänger heißt auch, dass es wieder aufwärts gehen muss."
Quelle: AFP

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