: 2G-Regel: "Grundsatzdebatte an Restauranttür"

12.09.2021 | 13:06 Uhr
Hessen plant die 2G-Regel. Dagegen regt sich Widerstand von Gastronomen, Friseuren und dem Handel: Hier werde "eine Grundsatzdebatte an die Schwelle der Restauranttür getragen".
Hessen, Frankfurt/Main: Touristen nehmen auf dem Promenadendeck eines Ausflugsschiffes ihre Plätze ein.Quelle: dpa
Die von Hessens Ministerpräsident Bouffier (CDU) geplante Zulassung des sogenannten 2G-Modells stößt in der Wirtschaft auf Skepsis. Der hessische Handel, das Gastgewerbe und auch das Friseurhandwerk werfen der Landesregierung vor, sie verlagere die Debatte um Impfquoten und Impfbereitschaft zu den Betrieben.
Bouffier hatte ankündigt, dass das Corona-Kabinett am Dienstag voraussichtlich das Corona-2G-Modell für hessische Gastronomen, Veranstalter und Friseure zulassen werde. Die neue Corona-Verordnung des Landes soll demnach privaten Anbietern die Möglichkeit geben, nur Geimpften und Genesenen (2G) den Zutritt zu ihren Räumen zu erlauben.
Mit Appellen und Impfangeboten versucht Deutschland, die Impfquote im Kampf gegen das Coronavirus zu erhöhen. Dem Weltärztebund-Chef Montgomery reicht das nicht. Er fordert 2G.

2G: Unternehmen in der Verantwortung

Veranstalter, Wirte und Friseure sollen dann selbst entscheiden können, ob sie nur geimpfte und genesene Menschen einlassen, die dann weitgehend von den Corona-Einschränkungen befreit seien, erklärte ein Regierungssprecher. Getestete Personen könnten damit ausgeschlossen werden.
In der öffentlichen Daseinsvorsorge, etwa beim Besuch von Behörden und im ÖPNV bleibe es aber beim 3G-Modell, das auch negativ-Getestete einschließt.

Kritik aus der hessischen Wirtschaft

In der hessischen Wirtschaft gibt es Skepsis gegenüber der Einführung eines Corona-2G-Modells. "Der Vorstoß macht die hessische Wirtschaft eher ratlos", sagte der Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK), Robert Lippmann, der Deutschen Presse-Agentur. Viele Betriebe würden damit vor eine schwierige Entscheidung gestellt.
Für uns ist nicht nachvollziehbar, weshalb kürzlich negativ Getestete nun anders als Geimpfte und Genesene behandelt werden sollten. Zudem befürchten wir einen Flickenteppich an Regelungen, der kaum zu überschauen ist.
Robert Lippmann, Geschäftsführer des Hessischen Industrie- und Handelskammertags (HIHK)
"Natürlich wollen alle größtmögliche Sicherheit gewährleisten", betonte der HIHK-Geschäftsführer. "Aber kaum jemand möchte Kunden ausschließen, die nachweislich gesund oder aus unterschiedlichsten Gründen ungeimpft sind." 
Freiheiten nur noch für Geimpfte und Genesene? Ist das nicht eine indirekte Impfpflicht? Eigentlich hatte die Bundesregierung das immer ausgeschlossen.

"Grundsatzdebatte an Restauranttür"

Ähnlich kritisch äußert sich auch René Hain, Geschäftsführer des Landesinnungsverbandes des Friseurhandwerks Hessen: "Die Politik kann es nicht entscheiden, somit wird es auf die Wirtschaft abgewälzt über das Hausrecht". Von der Frage, ob man mit der 2G-Regel noch seinen Friseurbesuch wahrnehmen könne, hänge bei kaum jemandem die Impfentscheidung ab, so Hain.
Das hessische Gastgewerbe mahnt an: Hier werde "eine Grundsatzdebatte an die Schwelle der Restauranttür getragen", sagte der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes Dehoga in Hessen, Julius Wagner. Monaten, die von Diskussionen mit Gästen über Masken, Kontaktdaten und Abstand sei dies nun eine "Kerndebatte aus der Mitte der Gesellschaft."
Denn schließlich steht hier die Frage, ob man sich impfen lässt oder nicht, auf einmal im Raum.
Julius Wagner, Hauptgeschäftsführer DEHOGA Hessen

2G, 2G+, 2G-Optionsmodell: In diesen Ländern ist eine Regelung geplant

Nicht nur in Hessen steht eine 2G-Regelung, die Geimpfte und Genesene bevorzugt und negativ-Getesteten Zugangsrechte verwehrt, zur Debatte:

Rheinland-Pfalz

Seit Sonntag gilt eine zunächst bis 10. Oktober befristete Landesverordnung mit drei Warnstufen, die sich nach Infektions- und Hospitalisierungsinzidenz sowie Intensivbettenbelegung richtet. Hinzu kommt die Regel "2G plus": Demnach sind für Geimpfte und Genesene (2G) unbegrenzte Zusammenkünfte möglich. Dazu kann eine bestimmte Anzahl von lediglich getesteten Menschen hinzukommen (plus).

Der Zutritt von nicht immunisierten - also weder geimpften noch genesenen - Menschen wird mit höherer Warnstufe schrittweise reduziert, um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Kinder bis elf zählen nicht mit, da eine Impfung derzeit erst ab 12 Jahren zugelassen ist.

Baden-Württemberg

Das Südwest-Land sieht einschneidende Beschränkungen für ungeimpfte Erwachsene im Fall einer Überlastung der Kliniken mit Corona-Patienten vor.

Werden künftig Grenzwerte überschritten, soll die harte 2G-Regel gelten. Dann hätten Ungeimpfte keinen Zutritt mehr zu Restaurants, Kultur- und Sportveranstaltungen und müssten soziale Kontakte daheim auf ein Minimum reduzieren. Die neue Verordnung soll an diesem Montag in Kraft treten.

Hamburg

Seit Ende August können Gastronomiebetriebe, Kultur- und Sportveranstalter nur noch geimpfte oder genesene Besucher einlassen. Entscheiden sie sich für dieses so genannte 2G-Optionsmodell und schließen ungeimpfte Personen aus, können sie mehr Gäste einlassen.
Quelle: epd, dpa

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