Ärztechef: Maßnahmen sollten befristet werden

20.03.2020 | 08:39 Uhr
Der Chef der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, warnt vor der "psychischen Belastung" für Menschen, sollten die Maßnahmen zur Bekämpfung der Corona-Krise zu lange andauern.
Vor neuen Bund-Länder-Beratungen über das Vorgehen in der Corona-Krise hat die Bundesärztekammer vor einer Überforderung der Bürger gewarnt. "Ich glaube nicht, dass wir das, was wir jetzt tun, monatelang fortführen können", sagte Ärztepräsident Klaus Reinhardt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. "Die Ängste und Sorgen würden die Menschen psychisch überfordern."

Er forderte befristete Beschränkungen und lehnte eine Ausgangssperre ab. Diese würde eine Atmosphäre schaffen, "die die Menschen extrem ängstigt".
Klaus Reinhardt warnt vor einer Überforderung der Bürger. ArchivbildQuelle: Gregor Fischer/dpa

Ausstiegsszenario aus Corona-Krise soll vorbereitet werden

Reinhardt forderte, schon jetzt an einem Ausstiegsszenario zu arbeiten.
"Wir müssen uns Gedanken machen für den Tag X, wenn die jetzigen Maßnahmen wie Schulschließungen beendet werden." Menschen über 65 Jahren und andere Risikogruppen wie chronisch Kranke müssten sich darauf vorbereiten, dass die Einschränkungen danach für sie noch länger gelten.
Wir brauchen umfassende Maßnahmen, um diese Bevölkerungsgruppe isolieren zu können, während sich das öffentliche Leben wieder schrittweise normalisiert.
Klaus Reinhardt, Präsident der Bundesärztekammer

Ausgangssperren klar abgelehnt

Dazu gehöre die Frage, wie diese Menschen mit allem Lebenswichtigen zu Hause versorgt werden können, ohne selbst auf die Straße gehen zu müssen. Ausgangssperren lehnte Reinhardt klar ab. "Damit schaffen sie eine gespenstische Atmosphäre, die die Menschen extrem ängstigt. Das kann auch dazu führen, dass die Solidarität in der Gesellschaft, auf die wir jetzt dringend angewiesen sind, auseinanderbricht."
Zwei Expertinnen geben Rat, wie wir am besten mit der Flut an besorgniserregenden Nachrichten umgehen. Und wie wir Ängste durch Realitätschecks verringern können.
Zwei Expertinnen geben Rat, wie wir am besten mit der Flut an besorgniserregenden Nachrichten umgehen. Und wie wir Ängste durch Realitätschecks verringern können.
Quelle: dpa

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