Was Sie über die Corona-App wissen müssen

von Dominik Rzepka, Berlin
16.06.2020 | 14:41 Uhr
Ab heute sollen Nutzer freiwillig die Corona-App herunterladen können. Besteht ein Infektions-Risiko, gibt sie Alarm. ZDFheute erklärt, wie die App funktioniert.
Künftig soll die Corona-Warn-App helfen, das Virus in Deutschland einzudämmen. Die Regierung wirbt für breite Nutzung und verspricht hohen Datenschutz. Und so funktioniert die App.

Wo kann ich die App runterladen?

Die deutsche Corona-Warn-AppQuelle: Stefan Jaitner/dpa
Überall dort, wo es Apps gibt. Also zum Beispiel im App-Store von Apple oder bei Google Play. Die App lädt sich also nicht automatisch auf das Handy. Auch nicht, wenn ich zum Beispiel mein Betriebssystem update. Innerhalb der ersten 48 Stunden nach ihrer Veröffentlichung haben sich die App nach ZDF-Informationen etwa acht Millionen Nutzer heruntergeladen - die meisten davon bei Google Play.

Wichtig: Wer in den App-Stores nach "Corona" sucht, findet inzwischen mehrere Corona-Apps. Zum Beispiel die französische App oder eine "Datenspende-App". Am besten gezielt nach "Corona-Warn-App" suchen. Nachteil: Auf älteren Handys, zum Beispiel auf dem iPhone 5 oder 6, läuft die App nicht. Und eventuell muss man auch sein Betriebssystem updaten.

Ist die App wirklich freiwillig?

Ja. Das hat Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) zuletzt noch einmal im ZDF versprochen. Eine Pflicht zur Nutzung der App gibt es nicht. Und auch im Gegenzug gilt: Wer die App nutzt, soll keine Belohnungen erhalten.
Helge Braun bei "maybrit illner"
Es wäre aber denkbar, dass die Politik das künftig anders sieht. Und auch Kinos oder Fitnessstudios könnten theoretisch nur denjenigen reinlassen, der die App installiert hat. Die Bundesregierung appelliert aber an die Betreiber, auf solche Praktiken zu verzichten. Grüne und Linke kritisieren allerdings, dass dieses Prinzip nicht gesetzlich festgeschrieben wurde.

Was, wenn ich einem Infizierten begegnet bin?

Die App kann einem Nutzer verschiedene Warnungen anzeigen. Zum Beispiel, dass ich ein "erhöhtes Risiko" hatte. In diesem Fall bin ich vielleicht sogar mehreren Personen über einen längeren Zeitraum nahe gewesen, die inzwischen positiv getestet wurden. Details wie zum Beispiel der Ort der Begegnung werden mir nicht mitgeteilt.

War ich keiner oder nur einer Person nahe, vielleicht auch nicht besonders lange, kann mir ein "niedriges oder mittleres Risiko" angezeigt werden. Bei einem erhöhten Risiko sollte ich ärztlichen Rat einholen, zum Beispiel über die Telefonnummer 116 117. Ein Arzt oder eine Ärztin kann einen Corona-Test empfehlen, mehr nicht. Einen Anspruch auf einen Test habe ich nicht.
"Niedriges Risiko": Die Corona-Warn-App bleibt "grün".Quelle: Michael Kappeler/dpa

Was soll ich machen, wenn ich Covid-positiv bin?

Angenommen, ich werde positiv getestet. Dann bekomme ich im besten Fall von meinem Labor neben dem Testergebnis auch einen QR-Code. Mit diesem Code kann ich anonym eine Warnung an alle anderen App-Nutzer verschicken - wenn ich das will.
Je mehr Menschen die neue Corona-App nutzen, "desto mehr Erfahrungen kann man sammeln" und die App so optimieren, sagt der Virologe Dr. Martin Stürmer.
Variante zwei: Ich kann auch eine 24-Stunden-Hotline anrufen. Dort stellen mir Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter anonym Fragen. Haben sie das Gefühl, dass ich glaubwürdig bin und kein Troll, der sich einen Scherz erlauben will, schicken sie mir einen Code auf mein Handy. Damit kann ich ebenfalls eine Warnmeldung in der App auslösen.

Wie sicher sind meine Daten?

Die Telefon-Hotline ist die Schwachstelle des gesamten Systems. Denn dort bin ich theoretisch mit meiner Stimme erkennbar und muss meine Handynummer angeben. Gut möglich, dass dieses System noch verändert wird. Zuletzt hatte sich der Bundesdatenschutzbeauftragte entsprechend geäußert.
Ansonsten aber gilt: Die App bekommt sehr viel Lob von Fachleuten, etwa vom TÜV. Sie funktioniert ohne Handynummer, sie sammelt keine Standortdaten (also GPS-Daten), ihr Quellcode ist öffentlich. Die App generiert anonyme Codes, die sich die Nutzer über Bluetooth zuschicken. Die Überprüfung von Risikokontakten geschieht nur auf den Handys der Nutzer, nicht über einen zentralen Server. Der Chaos Computer Club findet lobende Worte.
Die Corona-App soll permanent ein Infektionsrisiko ermitteln – mit dem Ziel Informationen schneller zu übertragen. Entscheidend ist die Eigenverantwortung des Nutzers, weitere Informationen an den Arzt oder das Gesundheitsamt zu übermitteln.

Hätte die App früher kommen können?

Ja, etwas früher. Das räumt sogar Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) in der "Welt am Sonntag" ein. Braun spricht von einem Zeitverlust von zehn Tagen. Angekündigt war die App ursprünglich allerdings bereits für April.
Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zunächst eine wenig sinnvolle Technik für die App favorisiert, die sogenannte Funkzellenabfrage. Außerdem hielt er dann zu lange an der sogenannten zentralen Lösung fest, also einer zentralen Speicherung und Abgleichung der Daten.
Zum Start wird die App, deren Entwicklung etwa 20 Millionen Euro gekostet hat, (noch) nicht mit den Apps anderer Länder kompatibel sein. Wer also zum Beispiel nach Frankreich fährt, müsste sich dort die französische App runterladen.
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