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: Corona: Brauchen wir alle den vierten Piks?

von Silas Thelen
28.04.2022 | 17:16 Uhr
Laut einer Studie sinkt der Schutz des Biontech-Boosters vor einem Corona-bedingten Krankenhausaufenthalt nach drei Monaten deutlich ab. Kommt nun die vierte Impfung für alle?
Erst eins, dann zwei, dann drei, dann vier: Brauchen wir bald alle die vierte Impfung gegen das Coronavirus?Quelle: picture alliance / CHROMORANGE
Eigentlich ist der Schutz vor einer Krankenhauseinweisung wegen eines schweren Corona-Verlaufs nach der Auffrischungsimpfung hoch. Eine amerikanische Studie zeigt nun: Bereits drei Monate nach der Impfung sinkt die Effektivität des Biontech-Impfstoffes bei der Omikron-Variante von 85 auf 55 Prozent bei der Hospitalisierung. Ähnlich sei es bei der Delta-Variante, so die Autoren.
Eine andere Studie aus Großbritannien stellte nach drei Monaten eine Schutzwirkung von lediglich 40 bis 70 Prozent fest. Auch das RKI beschreibt in seinem Wochenbericht einen Rückgang der Impfeffektivität gegen Hospitalisierung - sowohl bei der Grundimmunisierung als auch bei der Auffrischungsimpfung, unabhängig vom Impfstoffhersteller.
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Virologe Stürmer: Vierte Impfung "nicht unwahrscheinlich"

Was heißt das für den Kampf gegen Corona? Der Virologe Martin Stürmer hält eine mögliche Viertimpfung vor dem Hintergrund der im wöchentlichen RKI-Bericht dargestellten sinkenden Impfeffektivität für "nicht unwahrscheinlich".
Wann genau der vierte Piks auch für nicht-vulnerable Gruppe fällig werde, sei jedoch offen. Mit Blick auf eine mögliche neue Infektionswelle im Herbst sagt er jedoch:
Über eine vierte Impfung müssen wir dann gar nicht mehr reden. Das müssen wir dann machen.
Martin Stürmer, Virologe am IMD-Labor Frankfurt

Immunologin Falk: Absenkung des Antikörper-Spiegels ist normal

Die Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI) gibt in einer Stellungnahme dagegen vorsichtige Entwarnung: Nach drei Immunisierungsschritten könne nach derzeitigem Erkenntnisstand "von einer langanhaltenden Immunität ausgegangen werden."
Laut DGfI-Präsidentin Christine Falk ist ein Absinken der Antikörper-Spiegel normal: Das immunologische Gedächtnis werde bei immungesunden Personen schon mit der dritten Impfung sehr gut auf den Weg gebracht und reife dann noch einige Monate nach, so die Expertin. Im Gespräch mit ZDFheute sagt sie:
Wenn die Antikörper-Spiegel im Blut sinken, ist das kein Problem, weil das Immunsystem ökonomisch arbeitet und wieder herunterfährt nach der dritten Impfung. Aber das ist nicht gleichzusetzen mit "der Immunschutz ist weg". Im Gegenteil - die Antikörper werden danach noch besser - und dann ist man vorbereitet, wenn man sich anstecken sollte.
Christine Falk, Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie e.V.
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Falk: Vierte Impfung derzeit nicht notwendig

Bei immungesunden Personen unter 70 Jahren sei aus immunologischer Perspektive keine Viertimpfung nötig, so Falk. Für immungeschwächte Menschen dagegen schon - mit ärztlicher Kontrolle. Genauere Angaben zur Wirksamkeit einer möglichen allgemeinen Viertimpfung seien aufgrund unzureichender Daten noch nicht möglich, so die DGfI.
Bislang gibt es in Deutschland noch keine allgemeine Empfehlung für eine vierte Impfung. Auch die Stiko empfiehlt den zweiten Booster nur für Menschen über 70 Jahren und für Menschen mit Vorerkrankungen. Laut einer Mitteilung der EU-Arzneimittelbehörde EMA von Anfang April sei eine vierte Dosis für alle Bürgerinnen und Bürger aktuell nicht notwendig.

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