Impfstoff: G20 vereinbaren faire Verteilung

21.11.2020 | 23:08 Uhr
Es hatte sich schon abgezeichnet, was Ziel des G20-Gipfels werden sollte: den ärmeren Menschen dieser Erde Zugang zu einem Corona-Impfstoff zu ermöglichen. Nun wird es beschlossen.
Der G20-Gipfel: dieses Mal nur virtuell und beherrscht von einer Frage: Wie kann die Welt die Corona-Krise überwinden? Gastgeber der Weltkonferenz ist Saudi-Arabien. Mit dabei: Donald Trump mit seinem wohl letzten Auftritt auf internationaler Bühne.
Die G20-Staats- und Regierungschefs sichern ärmeren Ländern den Zugang zu Corona-Impfstoffen, Medikamenten und Tests zu. In einem Entwurf für die am Sonntag geplante Abschlusserklärung des Gipfeltreffens der wichtigsten Industrie- und Schwellenländer in Saudi-Arabien heißt es, die Gruppe werde keine Mühen scheuen, dass alle Menschen einen "bezahlbaren und gerechten" Zugang zu den Mitteln bekämen.
Mehrere Teilnehmer des zweitägigen virtuellen Treffens hatten dies am Samstag gefordert, so auch Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Merkel: Ziel sind zwei Milliarden Impfdosen bis Ende 2021

In einer Videobotschaft an die Teilnehmer des Gipfels hatte Merkel zu noch stärkeren Anstrengungen im Kampf gegen die Pandemie aufgerufen. Eine globale Herausforderung könne "nur mit einer globalen Kraftanstrengung überwunden werden", sagte Merkel in der im Online-Dienst Twitter übertragenen Botschaft. Hierbei komme der G20-Gruppe der Industrie- und Schwellenländer eine besondere Verantwortung zu.
Der sogenannte ACT Accelerator, der weltweit eine gerechte Verteilung von Impfstoffen und anderen Mitteln gegen das Coronavirus sowie von Ausrüstung zur Diagnostik von Covid-19 sicherstellen soll, sei eine "einzigartige Plattform", sagte Merkel. Ziel sei es, bis Ende 2021 zwei Milliarden Impfdosen zu verteilen.
Dazu seien bereits fünf Milliarden Dollar zusammengekommen, allein Deutschland beteilige sich mit über einer halben Milliarde Euro. Die bisher zugesagten Finanzmittel reichten jedoch noch nicht aus, damit der Zugang zu Impfungen für jedes Land bezahlbar und möglich sei. Sie bitte daher alle, "diese wichtige Initiative zu unterstützen", appellierte Merkel.

Kanzlerin wirbt für Stärkung der WHO

Der Kampf gegen die Coronavirus-Pandemie steht im Zentrum des zweitägigen G20-Gipfels, ebenso die damit verbundene weltweite Rezession, aber auch der Klimawandel. Das Gipfeltreffen wird wegen Corona digital abgehalten.
Mit Blick auf die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte Merkel deren "nachhaltige Stärkung", verlässliche Finanzierung, mehr Unabhängigkeit und eine bessere Zusammenarbeit. Dabei könnten die G20 "wichtige, geradezu unverzichtbare Unterstützung bieten".
Für den Gastgeber ist der Gipfel eine Prestige-Angelegenheit. Umgekehrt hatte die Welt mal Hoffnungen gesetzt auf Saudi-Arabien und dessen Kronprinzen. Doch der Traum von Reformen und Menschenrechten wurde in vielen Bereichen zum Alptraum.

Trump verlässt G20-Gipfel vorzeitig und fährt zum Golfplatz

Unterdessen verließ der noch amtierende US-Präsident Donald Trump das Gipfeltreffen vorzeitig und fuhr zu einem seiner Golfplätze. Nach weniger als zwei Stunden in der Videoschalte der Staats- und Regierungschefs verließ Trump das Weiße Haus, um zu seinem Golfclub in Virginia zu fahren, wie mitreisende Journalisten berichteten.
Fotos zeigten Trump tatsächlich wenig später in einem roten Blouson und einer weißen Kappe beim Golfen.Quelle: ap
Sein offenbar mäßiges Interesse an dem Gipfel ließ sich auch daran erkennen, dass er während der Schalte bei Twitter mehrere Nachrichten zu anderen Themen absetze. Twitter verpasste den Nachrichten umgehend Warnhinweise, wonach es sich dabei um "umstrittene" Behauptungen handelte.
Quelle: Reuters, AFP, dpa

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