: Ist Homeoffice künftig steuerlich absetzbar?

von Mischa Ehrhardt
30.11.2020 | 21:25 Uhr
Die Regierung will das Homeoffice steuerlich begünstigen. Nach einem Gesetzesentwurf sollen Arbeitnehmer zudem künftig leichter von zu Hause arbeiten können.
Die neue Homeoffice-Pauschale soll Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen entlasten.Quelle: Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa
Wer von zu Hause aus arbeitet, soll das künftig über eine Tagespauschale leichter steuerlich geltend machen können. Eine entsprechende Regelung befindet sich in Absprachen im parlamentarischen Verfahren.
Wir denken, dass das eine gute Hilfe für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist.
Olaf Scholz
Das sagte Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Montag. Da es sich um eine kleine Tagespauschale handele, sei das keine große fiskalische Herausforderung für den Deutschen Staat. Hinzu komme, dass bei zu Hause arbeitenden Personen die Fahrt zur Arbeit wegfalle, die sie ansonsten auch geltend machen können.
Fünf Euro pro Tag sind im Gespräch, ZDF-Wirtschaftsexpertin Valerie Haller hat die Details.

Steuerpauschale soll zunächst auf zwei Jahre begrenzt sein

Im Gespräch ist eine Steuerpauschale von 5 Euro pro Tag im Homeoffice. Der finanzpolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Lothar Binding, nannte eine Obergrenze von 500 Euro pro Jahr – das entspräche 100 Tagen im Homeoffice.
Die Regelung solle aufgrund der Corona-Pandemie zunächst auf zwei Jahre begrenzt sein. Über eine mögliche Verlängerung solle dann entschieden werden. Aus der CSU hieß es, im Gespräch sei eine Obergrenze von 600 Euro.

Finanzämter erkennen Kosten für heimische Arbeitsplätze nicht immer an

Arbeitnehmer dürfen bislang zwar grundsätzlich Kosten von der Steuer absetzen, die rund um ihre Arbeit entstehen. Diese so genannten "Werbungskosten" umfassen beispielsweise Fahrtkosten, Mitgliedsbeiträge in Berufsverbänden oder Arbeitsgeräte.
Knifflig wird die Sache aber meist, wenn Arbeitsmittel teils privat und teils beruflich genutzt werden - wie das in den überwiegenden Fällen zu Hause der Fall sein dürfte. So erkennen die Finanzämter Kosten für heimische Arbeitsplätze in der Regel nur an, wenn nachvollziehbar ist, dass ein Zimmer der Wohnung überwiegend als Büro genutzt wird.

Heil begründet Pauschale: "Nicht jeder hat ein festes Arbeitszimmer zur Verfügung"

Um allerdings zu viele Streitfälle bereits im Vorfeld zu vermeiden, gibt es im Steuerrecht eine Werbungskostenpauschale von 1.000 Euro, kurz: Die Finanzbehörden senken die Steuerlast automatisch um diesen Betrag, sofern der Arbeitnehmer keine höheren beruflichen Kosten geltend macht.
Die nun angedachte Pauschale soll in Zeiten der Notwendigkeit von Homeoffice-Arbeit die Schwierigkeiten beim Ausweisen und Anrechnen eines häuslichen Arbeitsplatzes beheben. Dazu erklärt Bundesarbeitsminister Hubertus Heil:
Im Moment ist es so, dass sich die steuerlichen Absatzmöglichkeiten fürs Homeoffice auf ein festes Arbeitszimmer beziehen. Aber wer hat das schon?
Hubertus Heil

Bund der Steuerzahler begrüßt Pauschale

Nach übereinstimmenden Berichten rechnet das Bundesfinanzministerium durch die Neuregelung mit einer steuerlichen Entlastung für die Beschäftigten in Höhe von rund einer Milliarde Euro. Genau beziffern wollte man das im Bundesfinanzministerium allerdings nicht.
Der Bund der Steuerzahler begrüßte die Einigung. "Arbeitnehmer, die zu Hause arbeiten und deshalb auf private Ressourcen zurückgreifen, müssen dafür einen steuerlichen Ausgleich erhalten", sagte Präsident Reiner Holznagel. Der Steuerzahlerbund hatte sich für eine Werbungskostenpauschale von monatlich 100 Euro ausgesprochen.

Weitere Entlastungen für Arbeitnehmer geplant

Ein Gesetzentwurf aus dem Arbeitsministerium will Beschäftigten zudem künftig erleichtern, an einem Ort ihrer Wahl zu arbeiten. Der Entwurf befindet sich in Abstimmung mit anderen Ministerien. Arbeitnehmer sollen nach dem Wunsch Heils das Recht auf ein Gespräch mit dem Arbeitgeber zum Thema Homeoffice bekommen.
Eine Ablehnung sollen Arbeitgeber begründen müssen. Auch den Arbeitsschutz zu Hause soll das Gesetz künftig regeln. Ursprünglich wollte Heil, dass Beschäftigte 24 Tage im Jahr mobil oder im Homeoffice arbeiten dürfen, wenn keine betrieblichen Gründe dagegensprechen. Gegenwind gab es hierbei aber etwa aus dem Bundeswirtschaftsministerium.

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