Interview

: "Keine Not, jetzt was zu ändern"

22.10.2021 | 20:23 Uhr
Gesundheitsminister Jens Spahn kündigte an, die epidemische Notlage auslaufen zu lassen. Für den Intensivmediziner Uwe Janssens wäre das ein falsches Signal.
Steigende Corona-Zahlen und immer mehr Covid-19-Patienten auf Intensivstationen können zur zusätzlichen Belastung werden. Intensivmediziner Uwe Janssens zur aktuellen Corona-Lage.
Die Ministerpräsidenten forderten heute nach der MPK weiter einheitliche Corona-Regeln in Deutschland. Zuvor hatte sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) dafür ausgesprochen, die epidemische Notlage von nationaler Tragweite am 25. November auslaufen zu lassen. Sie war erstmalig vom Bundestag im März 2020 festgestellt worden. Der Intensivmediziner Uwe Janssens sieht diese Erwägungen kritisch. 
Das sagt Uwe Janssens über … 

… ein Ende der bundesweiten epidemischen Lage 

"Wenn wir im Augenblick die Entwicklung der Inzidenzen sehen, wenn wir in die Zukunft blicken, gehen wir davon aus, dass das so weitergehen wird. Und das wird zu einer zusätzlichen Belastung der Stationen führen. Es sind zwar, ich sag mal 'nur' 1.510 Covid-19 Patienten auf Intensivstationen. (…) 
Wir können uns zusätzliche hohe Zahlen in der Intensivmedizin nicht erlauben. Die Mitarbeiter können nicht mehr, und deshalb plädieren wir sehr stark dafür, den guten Weg, den wir doch beschreiten, weiter zu beschreiten. Und wir sehen überhaupt keine Not und keinen Zwang, jetzt was zu ändern."  
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… einen möglichen Freedom Day wie in England

"Schauen wir auf die Sieben-Tages-Inzidenz-Zahlen (in Großbritannien). Die liegen, glaube ich, bei 450 bis 485, also in schwindelerregenden Höhen. Da wollen wir doch nicht hin. (…)
Wir wollen wirklich einen Winter haben, wo wir wissen, dass wir diese Pandemie im Griff haben. Wo die Mitarbeiter sich auch um andere Sachen kümmern können als um Covid-19-Patienten. Ich glaube, das ist nur gerecht, auch für die Leute, die das jetzt seit 19 Monaten machen. Dass man nicht die Leinen loslässt. Das ist ein falsches Signal.
Und im Übrigen führt ein solches Signal dazu, dass diejenigen, die sich noch nicht geimpft haben, denken, jetzt ist alles gut. Die lassen sich dann nicht impfen." 
Die Corona-Zahlen gehen hierzulande wieder rasant nach oben, in 24 Stunden wurden 19.572 neue Fälle registriert. Im Kreis Berchtesgadener-Land ist die Lage besonders schlimm.

…das Drängen der Ministerpräsidenten auf bundesweit einheitliche Corona-Regeln.

"Ich freue mich sehr, dass Herr Laschet jetzt derjenige ist, der gesagt hat, dass die Länder jetzt einig ein Modell verfolgen sollen. Da bin ich gespannt, wie die einzelnen Bundesländer damit umgehen werden."
Sehen Sie das Interview oben im Video. 

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