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: Inzidenz von 100 - was bedeutet das?

von Katharina Schuster
23.10.2021 | 18:58 Uhr
Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt seit Mai erstmals wieder bei 100. Wie verläuft die Kurve im Vergleich zum letzten Jahr und wie schätzen Virologen die Lage ein? Ein Überblick.
Die Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland steigt: die Sieben-Tage-Inzidenz liegt erstmals seit Mitte Mai wieder bei 100. Das führt zu neuen Diskussionen, ob die Corona-Notlage, wie von Gesundheitsminister Spahn vorgesehen, beendet werden soll.
Seit Samstag liegt die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz erstmals seit Mai wieder im dreistelligen Bereich. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete eine Corona-Inzidenz von 100,0. Gestern hatte der Wert bei 95,1 gelegen. Binnen eines Tages wurden 15.145 Neuinfektionen registriert.

Inzidenz wieder bei 100 - was bedeutet das?

Der Anstieg der Infektionen war für Virologen erwartbar. Das RKI erwartet, dass sich der Anstieg der Fallzahlen noch beschleunigen wird. Die diesjährigen Fallzahlen seien darüber hinaus deutlich höher als im letzten Jahr und stiegen in allen Altersgruppen. Weiterhin seien besonders Ungeimpfte von schweren Verläufen betroffen.
So verlief die Inzidenz-Kurve 2020 im Vergleich zu diesem Jahr:
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Allgemein schreibt das RKI, es sei "erwartbar", dass mit der Zeit mehr Impfdurchbrüche verzeichnet werden, Erkrankungen bei vollständig Geimpften mit Corona-Nachweis durch einen PCR-Test. Erstmals seit Mai sei die Sieben-Tage-Inzidenz bei Menschen über 90 Jahren vergangene Woche wieder auf über 50 gestiegen.
Das liege daran, dass immer mehr Menschen geimpft seien und sich das Virus derzeit wieder vermehrt ausbreite. "Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit, als vollständig geimpfte Person mit dem Virus in Kontakt zu kommen." Schwere Krankheitsverläufe sind laut RKI bei Geimpften sehr selten.
Trotzdem hätten Hygienemaßnahmen und Impfungen nicht an Relevanz verloren, da schwere Verläufe dadurch deutlich zurückgegangen seien. Unnötige enge Kontakte sollten laut RKI-Empfehlung reduziert und "Situationen insbesondere in Innenräumen, bei denen sogenannte Super-Spreading-Events auftreten können" möglichst gemieden werden.
In einigen Teilen Südbayerns ist die Inzidenz hoch wie lange nicht. Spurensuche in den Landratsämtern, während der Bundesgesundheitsminister die "epidemische Lage" beenden möchte.

Wie ist die Lage in den Krankenhäusern?

Mit den steigenden Corona-Zahlen keimen auch Sorgen um eine Überlastung des Gesundheitssystems wieder auf. Ein Indikator dafür ist die Hospitalisierungsrate. Die hatte das RKI am Donnerstag in seinem wöchentlichen Lagebericht mit 2,45 angegeben.
Die Rate gibt an, wie viele Menschen innerhalb einer Woche auf 100.000 Personen gerechnet mit einer Corona-Erkrankung in Krankenhäuser eingewiesen werden. Der bisherige Höchstwert lag um die Weihnachtszeit 2020 bei mehr als 15.
Von den Menschen, die aufgrund ihrer Covid-19-Infektion ins Krankenhaus müssen, sind 1.530 (Stand 22.10.21) in Intensivbehandlung.
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Intensivmediziner schlagen Alarm, weil mangels Pflegepersonals viele Intensivbetten nicht mehr betrieben werden können. Der wissenschaftliche Leiter des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) schrieb bei Twitter, dass es eine sehr enge Korrelation zwischen Inzidenz und Neuaufnahmen auf Intensivstationen gebe.
Tweet von Divi-Experte Christian Karagiannidis
Außerdem stellte Divi-Leiter Christian Karagiannidis fest:
Die eigentliche 4. Welle hat jetzt begonnen und nimmt weiter Fahrt auf.
Christian Karagiannidis, Divi

Wie ist die Lage vor Ort in den Landkreisen?

Besonders hoch liegt die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI aktuell (Stand 23.10.2021) in Südostdeutschland:
  • Thüringen: 206,3
  • Bayern: 163,7
  • Sachsen: 159,0
Am niedrigsten liegt die Sieben-Tage-Inzidenz laut RKI (Stand 23.10.2021) in diesen Bundesländern:
  • Schleswig-Holstein: 52,4
  • Saarland: 52,9
  • Niedersachsen: 53,8
Wie die Inzidenz in Ihrem Landkreis aussieht:
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Mit einer Inzidenz von 501,4 liegt Mühldorf a. Inn heute auf Platz 1 der Corona-Rangliste, die ausnahmslos von bayerischen Landkreisen angeführt wird. ZDF-Reporter Alexander Poel hat sich die hohen Inzidenzen in den vor allem südlichen Landkreisen in Bayern angeschaut.
Er kommt in seiner Recherche zu dem Schluss, dass sich Landkreise mit hohen Inzidenzen häufig durch eine niedrige Impfbereitschaft auszeichnen. Außerdem gebe es offenbar einen direkten Zusammenhang zwischen einer niedrigen Impfquote und der relativ hohen Zahl an infizierten Kindern gibt. Das Coronavirus sucht sich die Schwachstellen innerhalb der Bevölkerung.
Lesen Sie hier die ganze Recherche:

Wie hoch ist aktuell die Impfquote?

Aktuell liegt die Impfquote in Deutschland laut RKI bei 66,1 Prozent (Stand 22.10.2021). Bezogen auf die Gesamtbevölkerung haben mehr als 25 Millionen keinen Impfschutz - darunter 9,2 Millionen Kinder unter zwölf Jahren, für die es bislang in Europa keinen zugelassenen Impfstoff gibt.
Es gibt damit weitaus mehr ungeschützte Menschen als sich in bisherigen Wellen in Deutschland nachweislich infiziert haben.
Laut Betriebsärzteverband könnten allerdings 1,5 Millionen Corona-Impfungen nicht gemeldet worden sein. Die genaue Anzahl sei aber unklar, sagte Verbandsvizepräsidentin Anette Wahl-Wachendorf dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.
Der Infektiologe Gerd Fätkenheuer sagte dem RND darüber hinaus:
Wir haben keine echte Impfquote, das ist ein riesiges Problem, ein strukturelles Problem.
Gerd Fätkenheuer, Infektiologe
Aufgrund der Ungewissheiten bei der Impfquote und stark steigenden Infektionszahlen halte er das angekündigte Ende der pandemischen Lage für "sehr unklug".

Die Infektionen steigen - wie viel Impfen geht noch?

Gut 66 Prozent gelten als vollständig geimpft. Reicht das angesichts der Pandemie-Entwicklung? Die RKI-Zielimpfquoten lauten: mindestens 85 Prozent bei den 12- bis 59-Jährigen und mindestens 90 Prozent bei Menschen über 60.
Folgende Grafik zeigt die Impfquoten in den vom Robert-Koch-Institut ausgewiesenen Altersgruppen:
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Eine Impflücke bestehe nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch bei der am stärksten gefährdeten Gruppe über 60 Jahre. Dazu stellte Ralf Bartenschlager, Präsident der Gesellschaft für Virologie fest: Diese Menschen müssen, wenn "die vollständige Immunisierung bereits länger als sechs Monate zurückliegt, eine dritte Immunisierung erhalten."
Quelle: Mit Material von dpa und Reuters

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