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: Warum steigt die Inzidenz schon wieder?

von Robert Meyer
11.03.2022 | 17:45 Uhr
Es werden wieder mehr Corona-Infektionen gemeldet - zuletzt mit mehr als 250.000 pro Tag so viele wie noch nie. Wieso? Und was bedeutet das für die kommenden Wochen?

Mit Blick auf die geplanten Lockerungen warnt Gesundheitsminister Lauterbach, die Situation sei weiterhin kritisch. Die Zahl der Neuinfektionen steigt wieder.

11.03.2022 | 01:21 min
Die Omikron-Welle schien gebrochen, doch nach nur wenigen Wochen Corona-Rückgang die Trendumkehr: Seit einigen Tagen steigt die Inzidenz in Deutschland wieder an. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) bezeichnet sich die Situation als "kritisch".
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Für die wieder steigenden Infektionszahlen gibt es mehrere Gründe.
Die Menschen haben sich in den vergangenen Wochen wieder häufiger getroffen als im Januar. Das geht aus Mobilitätsdaten der HU Berlin und Befragungen der Cosmo-Studie Erfurt hervor. Je mehr Kontakte, desto mehr Chancen hat das Virus, andere anzustecken.
Die Lockerungen in Kombination mit dem insgesamt entspannteren Umgang der Menschen mit der Omikron-Welle scheinen einer der Gründe für die steigenden Fallzahlen zu sein.

"Corona ist vorbei"-Gefühl

Bei vielen Menschen herrsche ein "Corona ist vorbei"-Gefühl, sagte Carsten Watzl, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, gegenüber der dpa. Man erlaube sich wieder mehr, treffe sich wieder in größeren Gruppen. "Das macht es dem Virus natürlich leichter, wieder mehr Menschen anzustecken."
Die Lage ist objektiv viel schlechter als die Stimmung.
Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)
Zuletzt wurden viele Corona-Maßnahmen gestrichen: Keine 2G-Kontrollen mehr im Einzelhandel, private Treffen ohne Begrenzung der Teilnehmer*innen, weniger Maßnahmen in der Gastronomie und bei Veranstaltungen. Ab dem 20. März entfallen fast alle Regeln. Die wegfallenden Corona-Maßnahmen sind laut Robert-Koch-Institut einer der Gründe für die steigenden Fallzahlen.

Omikron-Variante BA.2 breitet sich aus

Dazu kommt die neue Omikron-Variante BA.2, die sich seit einigen Wochen in Deutschland verbreitet. Zwar scheint dieser Subtyp keine schlimmeren Erkrankungen auszulösen. Allerdings breitet sich BA.2 nochmal schneller aus als die bisherige Omikron-Variante BA.1. Zuletzt machte BA.2 knapp die Hälfte des Infektionsgeschehens aus.
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Viele Infektionen dürften außerdem unentdeckt bleiben. Die Positivrate - also der Anteil positiver PCR-Tests - ist auf über 50 Prozent gestiegen. Ein Anzeichen dafür, dass viele Infizierte durch das Raster fallen, weil sie keine Symptome haben oder keinen Test bekommen.

Die Inzidenz bei Älteren steigt

Während die Inzidenz bei Kindern weiterhin deutlich sinkt, gehen die Infektionszahlen in fast allen anderen Altersgruppen hoch. Gerade wenn die Inzidenzen bei den Risikogruppen steigen, steuert Deutschland wieder auf ein Problem zu. Über-60-Jährige haben ein deutlich höheres Risiko für schwere Verläufe als jüngere Menschen. Und dann würden auch wieder die Kliniken stärker belastet.
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Lage in den Kliniken nicht so schlimm wie in früheren Wellen

Dennoch stagnierte zuletzt die Zahl der Neuaufnahmen auf den Intensivstationen: Mehr als 200 Covid-Patient*innen kommen derzeit jeden Tag dazu. Insgesamt werden aktuell knapp über 2.000 Menschen intensivmedizinisch behandelt - weit weniger als zum Höhepunkt der Delta-Welle. Im Schnitt sterben derzeit jeden Tag 200 Menschen im Zusammenhang mit Corona, Tendenz steigend.
Wir haben die Lage (...) mit Blick auf die Versorgung und Behandlung der Covid-Patienten derzeit im Griff.
Gernot Marx, Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung Divi
Aber: Je höher die Infektionszahlen, desto mehr Patient*innen wird es in den Krankenhäusern geben - auch wenn die Variante milder verläuft als Delta und der Impfschutz trotzdem noch gut wirkt. Und trotz schwächerer Welle in den Kliniken gibt mehr als jede dritte Intensivstation in Deutschland an, nur eingeschränkt arbeiten zu können.
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In den kommenden Wochen werden die Infektionszahlen laut Expert*innen wohl weiter steigen. Ist der Scheitelpunkt erreicht, werden die Inzidenzen eher langsam sinken und bis in den Sommer hinein auf einem höheren Niveau verharren als im vergangenen Jahr, vermutet Immunologe Watzl. Vor allem für Ungeimpfte und Immungeschwächte bleiben die Gefahren weiter groß.

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