: Kommt die vierte Corona-Welle?

von Robert Meyer
17.07.2021 | 16:14 Uhr
Die Inzidenz ist noch niedrig, doch die Corona-Zahlen in Deutschland steigen stark. Forscher warnen vor einer vierten Welle, die auch die Krankenhäuser nicht verschonen wird.
Die Neuinfektionszahlen sind im Vergleich zur Vorwoche um mehr als 50 Prozent gestiegen.Quelle: dpa
Auf den ersten Blick wirken die Zahlen klein. Die Inzidenz liegt laut Robert-Koch-Institut bei gerade mal 9,4, die Zahl der Corona-Neuinfektionen ist so niedrig wie im August 2020.
Doch der Eindruck trügt. Denn seit zehn Tagen steigen die Infektionszahlen in Deutschland wieder - und zwar rasant. Im Schnitt kommen derzeit jeden Tag 1.110 neue Corona-Fälle dazu, am vergangenen Wochenende waren es noch 709.
Die Zahl der Neuinfektionen wächst so schnell wie seit Beginn der zweiten Welle im Oktober vergangenen Jahres nicht mehr. Um 56 Prozent ist die Zahl der gemeldeten Fälle am Samstag im Vergleich zur Vorwoche gestiegen. Und der Trend beschleunigt sich: Am Freitag waren es noch 49 Prozent, Anfang der Woche nur 25 Prozent.
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Reproduktionszahl so hoch wie noch nie in diesem Jahr

Auch die Reproduktionszahl steigt seit Mitte Juni wieder deutlich. Seit zwei Wochen liegt sie sogar wieder über dem gefährlichen Wert von 1 - das bedeutet, dass sich das Coronavirus wieder exponentiell ausbreitet. 100 Infizierte stecken im Schnitt aktuell 139 andere Menschen an.
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Diese Entwicklung sei "sehr beunruhigend", schreiben die Corona-Modellierer von der TU Berlin um den Mobilitätsforscher Kai Nagel in einem am Freitag erschienenen Bericht:
Wenn sich dieser Trend fortsetzt, dann ist es möglich, dass noch vor Ende August Inzidenzen um 100 erreicht werden, die Anfang September bereits auf 200 steigen könnten.
MODUS-Covid-Bericht vom 16. Juli 2021, TU Berlin
Zwei Faktoren könnten demnach den Anstieg in den kommenden Monaten sogar noch beschleunigen:
  • Die Öffnung der Schulen nach den Sommerferien
  • Die Verlagerung von Aktivitäten nach drinnen, wenn die Temperaturen wieder sinken

Im Herbst könnte eine vierte Welle kommen

Das Modell ergebe "unter allen derzeit realistisch erscheinenden Bedingungen eine vierte Welle bei den Erwachsenen, welche mit der Verlagerung von Aktivitäten in Innenräume im Herbst verstärkt werden wird".
Die gute Nachricht: Im Moment sinkt die Zahl der Patient*innen auf Intensivstationen und Todesfälle noch, wenn auch nicht mehr so stark wie noch vor ein paar Wochen. Im Schnitt kommen aktuell 20 Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 dazu. Kein Vergleich zum Höhepunkt der zweiten Welle im Winter, als an einem Tag mehr als 1.200 Tote gemeldet wurden.
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Die mögliche vierte Welle werde laut den Modellierungen aber nicht an den Kliniken vorbeigehen.
"Laut unseren Simulationen wird im Oktober ein exponentieller Anstieg bei den Krankenhauszahlen starten. Falls die derzeitige Entwicklung anhält, wird dies sogar früher beginnen, und sich im Oktober dann nochmal verstärken", so der Bericht.

Impftempo lässt nach

Gleichzeitig werden in Deutschland zunehmend weniger Menschen gegen Corona geimpft. Vor allem die Zahl der Erstimpfungen nimmt aktuell rapide ab:
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Immerhin die überwiegende Mehrheit der besonders gefährdeten Menschen ist mittlerweile mindestens einmal geimpft. 73,7 Prozent der über 60-Jährigen sind sogar schon vollständig geimpft.
Damit eine vierte Welle ausbleibt, müssten laut den Berliner Forscher*innen aber deutlich mehr Menschen geimpft werden. "Nur wenn die Impfstoffe gegen Delta deutlich besser wirken als derzeit bekannt, oder wenn eine Impfquote von 95 Prozent erreicht wird, dann bleibt diese Welle in unseren Simulationen aus."

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