: Kliniken müssen Corona-Fälle umfassend melden

13.07.2021 | 11:25 Uhr
Krankenhäuser müssen nach einer neuen Meldeverordnung ab heute genauere Angaben zu Corona-Patienten machen. So soll die Belegung der Intensivbetten noch mehr in den Fokus rücken.
Für Kliniken gilt ab heute erweiterte Meldepflichten zu Covid-19-Patienten.Quelle: dpa
Die Krankenhäuser in Deutschland müssen den Behörden ab heute genauere Informationen über die Corona-Fälle auf ihren Stationen übermitteln. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat die Kliniken dazu mit einer entsprechenden Verordnung verpflichtet.

Einschätzung zur Belastung des Gesundheitssystems

Die Kliniken müssen demnach alle im Krankenhaus behandelten Covid-Patienten mit Alter, Art der Behandlung und Impfstatus melden. Neben den Daten zur Belegung der Intensivstationen würden noch bessere Informationen zu allen in den Kliniken behandelten Corona-Fällen benötigt, fügte ein Sprecher hinzu.

Wer muss alles gemeldet werden?

Die Pflicht zur namentlichen Meldung eines Corona-Patienten wird erweitert auf die Aufnahme einer Person in ein Krankenhaus in Bezug auf Covid-19. Diese Meldepflicht besteht auch, wenn der Verdacht der Erkrankung oder die Erkrankung in Bezug auf Covid-19 bereits gemeldet wurde.

Welche Daten werden erfasst?

Die Meldung muss Name und Vorname der Patienten, Geschlecht, Geburtsdatum, Anschrift, Kontaktdaten, Aufnahme und Entlassung aus dem Krankenhaus umfassen. Zudem muss sie gegebenenfalls intensivmedizinische Behandlung und deren Dauer und erfolgte Beatmungsmaßnahmen sowie die bislang erfolgten Covid-19-Schutzimpfungen einschließlich der Art der verwendeten Impfstoffe erfassen.

Warum sollen die Daten erfasst werden?

Zur Beurteilung des Pandemiegeschehens in Deutschland sollen neben der Sieben-Tage-Inzidenz künftig verstärkt auch die Zahl der Corona-Fälle in den Krankenhäusern eine Rolle spielen, kündigte das Bundesgesundheitsministerium an.
Es müsse zeitnah abgeschätzt werden können, "wie hoch die Belastung für das Gesundheitssystem wird und wie gut die Impfungen wirken", schrieb Spahn. Er zeigte sich zugleich zuversichtlich, dass die fortschreitende Impfkampagne sich positiv auswirkt:
Da die gefährdeten Risikogruppen geimpft sind, bedeutet eine hohe Inzidenz nicht automatisch eine ebenso hohe Belastung bei den Intensivbetten.
Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister (CDU)

Inzidenzwerte nicht mehr allein entscheidend

Die Inzidenz verliere zunehmend an Aussagekraft, sagte der Minister weiter. "Wir benötigen nun noch detailliertere Informationen über die Lage in den Kliniken." Die Sieben-Tage-Inzidenz auf 100.000 Einwohner steigt derzeit wieder leicht an von 6,4 auf 6,5, bewegt sich aber weiter auf niedrigem Niveau. Diese Statistik gibt aber keinerlei Auskunft darüber, wie stark die Infizierten erkrankt sind.
Der Vorstand der Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, forderte ebenfalls Transparenz bei den Angaben der Krankenhäusern. Es brauche verlässliche Daten für die Situation auf allen Stationen, erklärte Brysch. Damit lasse sich die Pandemielage besser beurteilen als allein der Blick auf die Inzidenzwerte.
Mit steigender Impfquote sinkt die Aussagekraft des Inzidenz-Wertes.

Kliniken warnen vor "Mehrbelastungen"

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) sieht die erweiterte Meldepflicht zu Covid-19-Patienten kritisch. Die Inzidenz der hospitalisierten Fälle sei ein wichtiger Indikator, hieß es am Montag in einer Mitteilung.
Eine Meldepflicht der Hospitalisierungen einzuführen, sei aber wenig hilfreich, weil die wichtigsten Punkte bereits an die Gesundheitsämter gemeldet würden, hieß es weiter. Man stehe für einen konstruktiven Austausch bereit, um die notwendigen Meldedaten zu erheben. "Doppelmeldungen und damit einhergehende bürokratische Mehrbelastungen ohne Erkenntnisgewinn sind aber zu vermeiden."
Quelle: AFP, ZDF

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