: Was die Corona-Zahlen mittlerweile aussagen

von Kathrin Wolff
18.01.2021 | 13:25 Uhr
Jetzt sollten die Corona-Zahlen nach der Weihnachtslücke wieder belastbar sein. Was sich vor dem Corona-Gipfel daraus ablesen lässt - und warum es nicht nur auf die Daten ankommt.
Zwischen den Jahren wurden weniger Menschen in Deutschland auf Corona getestet.Quelle: dpa/ZDF
7.141 Corona-Neuinfektionen - so wenige wie seit 20. Oktober nicht mehr. Diese Zahl meldete das Robert-Koch-Institut (RKI) heute Morgen. Auch wenn dieser Wert mit Vorsicht zu interpretieren ist, weil am Wochenende weniger getestet und weniger gemeldet wird: Ist er ein Zeichen dafür, dass die Zahlen nun endlich sinken?
Zumindest sollten sie nach den rückläufigen Tests rund um die Feiertage wieder belastbar sein. Als Stichtag dafür wurde immer wieder der 17. Januar genannt. Heute Abend wollen Experten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über die Lage informieren - morgen sprechen Bund und Länder dann über weitere Corona-Maßnahmen.

Labore wieder hochgefahren

Ein Blick auf die Testzahlen zeigt: Nach einem Einbruch in der Weihnachtswoche (Kalenderwoche 52, 21. bis 27. Dezember) und einem Tief in der Silvesterwoche (Kalenderwoche 53, 28. Dezember bis 3. Januar) sind sie in der ersten Januarwoche wieder deutlich gestiegen. Für die zweite Januarwoche liegen noch keine Zahlen über tatsächlich durchgeführte Tests vor. Aber die von den Laboren gemeldeten Kapazitäten sind wieder auf Vor-Weihnachtsniveau - Normalbetrieb also.
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Obwohl die Testzahlen und -kapazitäten seit 4. Januar steigen, gingen die Neuinfektionszahlen in der zweiten Januarwoche zurück:
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[Unter dem Link sehen Sie eine langfristige Kurve der Neuinfektionen sowie regionale Daten zu Ihrer Region.]
Der Rückgang spiegelt sich auch in dem Anteil positiver Tests. Sinkt er, ist das tendenziell ein gutes Zeichen.
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"Nach einem starken Anstieg der Fallzahlen Anfang Dezember, einem Rückgang während der Feiertage und einem erneuten Anstieg in der ersten Januarwoche scheinen sich die Fallzahlen wieder zu stabilisieren", schrieb das RKI in seinem Situationsbericht am Sonntagabend. Und Gesundheitsminister Jens Spahn sagte heute im ARD-Morgenmagazin: "Die Zahlen scheinen zu sinken, das ist gut."
Auch auf den Intensivstationen liegen mittlerweile weniger Covid-19-Patienten. Hätte es die befürchtete Ansteckungswelle an Weihnachten gegeben, würde sich das dort mittlerweile bemerkbar machen.
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Warum wird morgen dennoch über strengere Corona-Regeln diskutiert? Das hat zwei Gründe: Einerseits ist Deutschland von dem Zielwert von maximal 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern noch weit entfernt - aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 134.

Debatte über strengere Corona-Regeln wegen Mutationen

Andererseits alarmieren Mutationen des Coronavirus, die deutlich ansteckender sind als die bisherige Variante, die Politik. Merkel sprach kürzlich von bevorstehenden "acht bis zehn harten Wochen". RKI-Chef Lothar Wieler sagte mit Blick auf die Mutationen: "Es besteht die Möglichkeit, dass sich die Lage noch verschlimmert."
Für den SPD-Gesundheitspolitiker Karl Lauterbach ist die britische Mutation B.1.1.7 "fast wie ein anderes Sars-CoV-2-Virus zu sehen", wie eine "Pandemie in der Pandemie". Er fordert deswegen, den Shutdown für drei Wochen zu verschärfen.
Lauterbach zur Mutation
"Ich sehe die Gefahr, dass wir die Gelegenheit verpassen, B.1.1.7 in Deutschland zu verhindern", erklärte Lauterbach.
Was das bedeuten würde, zeigen Berechnungen des Epidemiologen Adam Kucharski. Ausgangspunkt sind 100 Infizierte am Monatsanfang: Bei einem Coronavirus ohne Mutation gibt es am Monatsende rechnerisch 161 Infizierte und 1,3 Tote. Bei einer Corona-Variante mit 50 Prozent höherer Ansteckungsrate wären es 1.223 Infizierte und 9,8 Tote.
Mehr zu den Mutationen und Berechnungen erfahren Sie in dieser interaktiven Story:

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