Seehofer über EU-Kritik: "Jetzt reicht's"

13.02.2021 | 06:23 Uhr
Innenminister Seehofer wehrt sich gegen Kritik aus Brüssel an den Grenzkontrollen zu Tschechien und Österreich. Die EU habe genug Fehler bei der Impfstoffbeschaffung gemacht.
Bundesinnenminister Seehofer hat die Kritik der EU an den Grenzkontrollen scharf zurückgewiesen. Bei der Impfstoff-Beschaffung habe die EU-Kommission schon genug Fehler gemacht.
Bundesinnenminister Horst Seehofer weist Kritik aus Brüssel an den Grenzkontrollen entlang der tschechischen und österreichischen Grenze scharf zurück. "Jetzt reicht's! Die EU-Kommission hat bei der Impfstoffbeschaffung in den letzten Monaten genug Fehler gemacht", sagte der CSU-Politiker der "Bild"-Zeitung.
Die EU-Kommission sollte uns unterstützen und nicht durch wohlfeile Hinweise Knüppel zwischen die Beine werfen.
Horst Seehofer
Angesichts neuer Einreisebeschränkungen aus Tschechien und Tirol hatte die EU-Kommission Deutschland aufgefordert, Ausnahmen etwa für Pendler zu gewähren.

EU: Einigung zu Reisen in Corona-Zeiten

Ein Sprecher der Behörde erinnerte daran, dass die EU-Staaten sich erst kürzlich auf gemeinsame Empfehlungen für das Reisen in Corona-Zeiten geeinigt hätten. Man erwarte, dass alle Länder danach handelten. Die ab Sonntag geltenden neuen Beschränkungen und Grenzkontrollen sehen jedoch solche Ausnahmen nicht vor.
Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, dürfen aus Tschechien und weiten Teilen des österreichischen Bundeslandes Tirol ab Sonntag vorübergehend nur noch Deutsche, Ausländer mit Wohnsitz und Aufenthaltsrecht in Deutschland, landwirtschaftliche Saisonarbeitskräfte und Gesundheitspersonal einreisen.
Tirol ist derzeit größter Corona-Hotspot der Südafrika-Mutante, weshalb Wien gegen den Willen Tirols Reisebeschränkungen verhängte. Österreichs Bundesheer riegelt Tirol ab, Bayern wird die Einreise aus Tirol stark einschränken. Tirol als "No-Go-Zone".

Diese Ausnahmen gelten für die Einreise

Ehepartner, eingetragene Lebenspartner, minderjährige Kinder und Eltern minderjähriger Kinder dürfen demnach auch kommen, aber nur wenn sie gemeinsam mit dem deutschen Angehörigen die Grenze passieren. Auch Lastwagenfahrer und sonstiges Transportpersonal im Güterverkehr sind von dem Verbot ausgenommen. Außerdem sollen Einreisen aus dringenden humanitären Gründen - etwa bei einem Todesfall - erlaubt sein.
Tirols Landeshauptmann Günther Platter empörte sich darüber, dass es keine Ausnahmen für die Berufspendler geben soll. Dies würde tausenden Tirolern, die zur Arbeit nach Bayern pendeln, das Arbeiten unmöglich machen, erklärte er. Auch in Deutschland wohnhafte Personen, die in Tirol arbeiten, müssten sich demnach bei der Rückreise in Bayern in Quarantäne begeben.
Tschechien, Slowakei und Tirol sind als Mutationsgebiete ausgerufen worden. Ein Test und Quarantäne sind hier Pflicht für Ausreisende. In Tschechien gibt es vereinzelt Inzidenzen von 1000. Ab Sonntag werden verstärkt Grenzkontrollen durchgeführt.

Platter: Wirtschaften in der Grenzregion unmöglich

"Damit würde ein grenzüberschreitendes gemeinsames Arbeiten und Wirtschaften in den Grenzregionen so gut wie zum Erliegen kommen, was auch nicht im Sinne Deutschlands sein kann. Wir erwarten uns - so wie auch von der Europäischen Kommission gefordert - dass Deutschland hier entsprechende Ausnahmeregelungen schafft", erklärte Platter.
Quelle: dpa

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