: Laien-Selbsttests: Das Prinzip Verantwortung

von Julia Klaus
24.02.2021 | 11:11 Uhr
Die ersten drei Tests für Zuhause sind zugelassen, sie sollen schon bald im Supermarkt liegen. Die Frage ist: Wie verantwortlich gehen die Benutzer mit den Ergebnissen um?
Die Schnelltests für Zuhause kommen - sie setzen auf die Eigenverantwortlichkeit der Menschen.Quelle: dpa
Die ersten drei Laien-Schnelltests für Zuhause sind zugelassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) verkündete das heute im ZDF-Morgenmagazin.
Die Tests wird es in den nächsten Tagen auch im Discounter, in Geschäften verfügbar geben, also auch niedrigschwellig erreichbar.
Jens Spahn (CDU)
Bei allen werden Abstriche im vorderen Nasenbereich entnommen. Das für die Sonderzulassung der Laientests zuständige Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) listet sie auf. Ein Antragssteller für einen Test ist Siemens Healthcare aus Marburg, die anderen beiden sind Technomed Service aus Graz in Österreich und Lissner Qi aus Hamburg.
Ich gehe davon aus, dass wir schon nächste Woche weitere [Selbsttests] genehmigen können, Sonderzulassungen aussprechen können.
Jens Spahn (CDU)
"Wir werden heute die ersten drei Selbsttests genehmigen", sagt der Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU). Das sei eine Ergänzung zu Schnelltests.

Wie funktionieren die Selbsttests für Zuhause?

Die ersten drei Tests funktionieren mit einem Stäbchen, mit dem man aus der Nase eine Probe entnimmt. Das kennt man schon von den professionell durchgeführten Schnelltests. Grundsätzlich gibt es diverse Verfahren, etwa auch Tests, für die man eine Lösung gurgeln muss oder sogenannte Spuck-Tests.
Rund 50 Hersteller haben beim BfArM Anträge auf Sonderzulassung von Laientests gestellt, teilte das Institut ZDFheute mit. Damit ein Test am Markt zugelassen wird, braucht es die Behörde theoretisch aber nicht. Reguläre Zulassungen sind auch etwa durch den TÜV möglich.

Die große Frage: Wie geht man mit dem Testergebnis um?

Selbsttests setzen auf Eigenverantwortlichkeit. "Wer einen positiven Laien-Selbsttest macht, sollte diesen durch einen PCR-Test bestätigen lassen und sich vorsichtshalber solange zu Hause in Quarantäne begeben, bis das Ergebnis vorliegt", empfiehlt das Gesundheitsministerium. "Sollte" - das ist kein Muss. Es besteht keine Meldepflicht.
Der Frankfurter Virologe Martin Stürmer fürchtet:
Die Selbsttests sind eine Chance, öffnen aber auch Tür und Tor für Missbrauch. Wer ein positives Ergebnis verschweigt, sich nicht in Quarantäne begibt, muss sich klar darüber sein, dass man damit andere lebensbedrohlich gefährden kann.
Martin Stürmer
Für Schulen und Kindergärten sieht Stürmer durch die Selbttests aber auch großes Potential, insofern es genügend Tests gibt: "Wenn die Kinder jeden Morgen am Frühstückstisch einen Schnelltest machen und der negativ ist, können sie entspannt in die Schule gehen."

Erfolg für Spahn - nach Schlappe bei Gratis-Schnelltests

Mit den Laien-Selbsttests erweitert Gesundheitsminister Spahn die nationale Test-Strategie. Bei einem anderen Bereich hatte er am Montag eine Schlappe einfahren müssen. Er hatte kostenlose Profi-Schnelltests ab 1. März angekündigt, die Zusage aber nicht einhalten können. Die Tests sollen von geschultem Personal durchgeführt werden.
Spahn muss dazu heute im Bundestag Rede und Antwort stehen. Im ZDF sagte er zuvor, er wolle sich mit den Ländern bei dem Thema Gratis-Schnelltests bei Gesprächen am 3. März einigen. Sowohl Laien-Tests für Zuhause als auch die kostenlosen Profi-Schnelltests sind zwei wichtige neue Bausteine im Kampf gegen Corona.

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