: Spahn will Impfstoff freigeben

06.05.2021 | 07:08 Uhr
Am Donnerstag könnte die Impf-Priorisierung des Impfstoffs Astrazeneca fallen. Der Bundesgesundheitsminister will mit seinen Länderkollegen darüber beraten.
Nach einem Vorschlag der Bundesregierung sollen sich Impfwillige in Deutschland künftig ohne die gültige Priorisierung mit dem Corona-Impfstoff von Astrazeneca impfen lassen können.
Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) strebt eine sofortige Freigabe des Corona-Impfstoffs von Astrazeneca für alle Impfwilligen an - ohne Priorisierung nach Alter, Vorerkrankung oder Berufsgruppe. An diesem Donnerstag wolle er mit seinen Länderkollegen darüber reden, kündigte er am Mittwochabend in der WDR-Fernsehsendung "Aktuelle Stunde" an.
Man werde dann "bei Astrazenca eindeutig sagen für Arztpraxen wie für Impfzentren, dass es dort keine Priorisierung mehr gibt". Für Astrazeneca gelte das dann sofort. Zudem solle das Intervall zwischen Erst- und Zweitimpfung mit Astrazeneca - derzeit zwölf Wochen - flexibler gehandhabt werden können.
"Der Umgang mit Geimpften und Genesenen wird erstmalig einheitlich geregelt", sagt Bundesgesundheitsminister, Jens Spahn, CDU, angesichts der Erweiterung der Bundesnotbremse.

Astrazeneca leidet unter seinem Ruf

Gegen das Präparat des britisch-schwedischen Pharmakonzerns gibt es teils erhebliche Vorbehalte. Es wird nach dem Auftreten von Blutgerinnseln im Gehirn bei jüngeren Geimpften nur noch für über 60-Jährige eingesetzt. Andererseits gibt es viele Jüngere, die sich gerne damit impfen lassen würden, aber in der Impf-Reihenfolge noch nicht dran sind.

Sinusvenenthrombosen

Thrombosen sind teilweise oder komplette Verstopfungen von Blutgefäßen. Sie können an unterschiedlichen Orten im Körper auftreten. Beim Astrazeneca-Impfstoff stehen die Sinusvenenthrombosen, also die der Hirnvenen, im Zentrum. Die sind mit drei bis fünf Fällen pro eine Million Einwohner pro Jahr sehr selten.

2,7 Millionen Mal wurde das Astrazeneca-Vakzin in Deutschland verimpft. Das in Deutschland für Impfstoff-Sicherheit verantwortliche Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zählt aktuell 31 Fälle einer Sinusvenenthrombose nach einer Astrazeneca-Impfung in Deutschland. In 19 Fällen wurde zusätzlich eine Thrombozytopenie gemeldet. In neun Fällen war der Ausgang tödlich.

Bisher haben 29,5 Prozent der Bevölkerung zumindest eine Impfung erhalten. 8,3 Prozent sind vollständig geimpft, haben also erforderlichenfalls auch eine zweite Impfung erhalten.

Freiheiten für Geimpfte sind auf dem Weg

Die geplante Befreiung Geimpfter und Genesener von den Beschränkungen soll am Mittag die nächste Hürde nehmen. Der Bundestag befasst sich dann mit einer von der Bundesregierung in einem beschleunigten Verfahren auf den Weg gebrachten Verordnung und stimmt auch gleich ab. Billigt das Parlament die Neuregelungen, soll sie der Bundesrat am Freitag besiegeln.
Neues vom Impfstoff von Astrazeneca: Die Skepsis dagegen ist so weit verbreitet, dass einige Bundesländer anfangen, Impftermine auch an jüngere Leute zu vergeben, die eigentlich noch nicht dran sind.
Demnach sollen Kontakt- und Ausgangsbeschränkungen für vollständig Geimpfte und Genesene wegfallen. Sie sollen zudem negativ Getesteten gleichgestellt werden und bräuchten für Geschäfte oder beim Friseur keinen Corona-Test mehr.

Menschen mit Test genießen bereits Lockerungen

Nun werden zunehmend weitere Lockerungen auch für negativ Getestete gefordert, etwa bei den Kontaktbeschränkungen.
Viele Menschen konnten sich wegen Impfstoffmangel noch nicht impfen lassen
Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags
"Wir werden den Menschen kaum vermitteln können, dass sich nur Geimpfte und Genesene unbegrenzt und unbeschwert an einem Sommerabend im Park oder zum Abendessen zu Hause treffen können."
Für Getestete gelten bereits weitgehende Lockerungen beim Einkaufen, Besuch von Kultureinrichtungen und Sporttreiben. Allerdings geben negative Schnelltests wegen der Fehleranfälligkeit weit weniger Sicherheit vor einer Virusübertragung als ein voller Impfschutz.
Quelle: dpa

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