: Stiko kritisiert Einmischung der Politik

06.07.2021 | 14:15 Uhr
Gesundheitsminister Spahn will Kinder impfen lassen, die Stiko gibt aber keine generelle Impfempfehlung für die Jüngeren ab. Ihre Forderung: Die Politik soll sich nicht einmischen.
Impfungen von Kindern und Jugendlichen spalten Wissenschaft und Politik. SymbolbildQuelle: dpa
In der Debatte um Corona-Impfungen für Kinder wehrt sich die Ständige Impfkommission (Stiko) gegen Einmischung von außen. "Die Stiko ist im Gesetz bewusst als unabhängige Kommission angelegt", schrieb Stiko-Chef Thomas Mertens der Deutschen Presse-Agentur auf Anfrage.
Die laute Einmischung der Politik ist kontraproduktiv und nützt niemandem.
Stiko-Chef Thomas Mertens
Zuvor hatte SPD-Chefin Saskia Esken die Ständige Impfkommission aufgefordert, ihre Haltung zur Impfung von Jugendlichen zu überdenken. Auch Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) äußerte sich in diese Richtung. "Es gehört zur ständigen Aufgabe der Stiko, Empfehlungen zu überprüfen (nicht nur bei Corona), es bedarf dazu keiner Aufforderung von Politikern", so Mertens.
Vor der Hausarztpraxis von Christian Kröner in Neu-Ulm stehen die Leute Schlange. Kröner impft auch Kinder ab 12 Jahren.

Stiko-Empfehlung nur bei bstimmten Vorerkrankungen

Eine Aktualisierung der Impfempfehlung könne es erst geben, wenn aussagekräftige Daten zum Risiko durch die Impfung und zum Risiko durch Delta vorliegen. "Dies erfordert Zeit und Sorgfältigkeit für die Sammlung der Daten, Analyse und Bewertung und Konsensbildung." Mertens betonte: "Unnötiger Druck muss vermieden werden, um eine Überlastung zu vermeiden.
"Die Stiko hat bisher keine generelle Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgesprochen. Sie empfiehlt Impfungen nur für 12- bis 17-Jährige mit bestimmten Vorerkrankungen wie Adipositas, Diabetes und chronischen Lungenerkrankungen. Das Gremium begründete seine Empfehlung unter anderem damit, dass das Risiko einer schweren Covid-19-Erkrankung für diese Altersgruppe gering sei.
Bislang empfiehlt die Ständige Impfkommission Corona-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen nur bei bestimmten Vorerkrankungen. Doch es mehren sich die Forderungen nach Änderungen an dieser Empfehlung.

Kein Impfstoff für Unter-Zwölfjährige zugelassen

Auch ohne generelle Stiko-Empfehlung sind Kinder und Jugendliche ab zwölf in die deutsche Impfkampagne eingebunden, können also unabhängig von Vorerkrankungen geimpft werden. Laut Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) handelt es sich um eine individuelle Entscheidung von Eltern mit ihren Kindern und den Ärztinnen und Ärzten.
Für Kinder unter zwölf Jahren gibt es bislang keinen zugelassenen Impfstoff.

Hintergründe zu Covid-19

Mehr

Die wichtigsten Daten zum Coronavirus

Aktuelle Nachrichten zur Corona-Krise