: Corona: Kita-Schließungen waren nicht nötig

02.11.2022 | 17:06 Uhr
Viele Kinder leiden noch an Corona-Folgen - jedoch eher an denen der Maßnahmen, als an denen des Virus selbst. Eine Studie bilanziert: Kita-Schließungen hätte es nicht gebraucht.
Fazit nach Corona-Kita-Studie: Schließungen waren unnötigQuelle: dpa
Die Kita-Schließungen in den ersten Corona-Wellen sind nach Ansicht von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD)unnötig gewesen. "Das Schließen von Kitas ist definitiv medizinisch nicht angemessen und wäre auch in dem Umfang, wie wir es damals gemacht haben, nach heutigem Wissen nicht nötig gewesen", sagte der SPD-Politiker am Mittwoch in Berlin. "Es wird keine Schließungen dieser Art mehr geben."
Lauterbach äußerte sich anlässlich der Veröffentlichung des Abschlussberichts der "Corona-Kita-Studie" gemeinsam mit Bundesfamilienministerin Lisa Paus (Grüne).

Lauterbach: Kein Grund für Schuldzuweisungen

Die von beiden Ministerien finanzierte und vom Deutschen Jugendinstitut und Robert Koch-Institut durchgeführte Studie lief von Sommer 2020 bis Juni dieses Jahres. Untersucht wurden die Auswirkungen von Infektionen und Corona-Maßnahmen auf Kindertagesbetreuung, Kinder und Familien aus verschiedenen Blickwinkeln.
Rückblickend sagte Lauterbach, der zur Zeit der Schließungen noch nicht Gesundheitsminister war, aber als SPD-Gesundheitsexperte in der gemeinsamen Regierung mit der Union an wichtigen Entscheidungen beteiligt, er halte nichts von Schuldzuweisungen. Bundesregierung und Länder hätten das damals gemeinsam beschlossen.
Jetzt sei man mit neuen Erkenntnissen zu dem Schluss geommen, es wäre nicht nötig gewesen. Das müsse man nutzen, um nach vorne zu denken.

Mehr als 50 000 Menschen starben im ersten Jahr der Corona-Pandemie in Deutschland. Jede Zahl erzählt eine traurige Geschichte, ein individuelles Schicksal von einem Menschen und seinen Angehörigen.

03.02.2021

Paus: Kinder litten unter Corona-Maßnahmen

Paus sagte, Kinder hätten in der Pandemie oft weniger am Virus selbst als an den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen gelitten. "In Zukunft muss das Kindeswohl unbedingt an oberster Stelle stehen." Kinder, die am meisten von frühkindlicher Bildung und Förderung profitieren könnten, trügen der Studie zufolge besonders schwer an den Folgen der Eindämmungsmaßnahmen.
Kitas mit hohem Anteil von Kindern aus sozial benachteiligten Familien haben jetzt einen fast doppelt so hohen Förderbedarf bei Sprache, bei Motorik und bei der sozialen und emotionalen Entwicklung wie vor der Pandemie.
Corona-Kita-Studie

Studie erhob regelmäßig Corona-Daten

In der Untersuchung wurden regelmäßig Daten der Einrichtungen zum Infektionsgeschehen und zu Schließungen erhoben. Ermittelt wurde, wie oft Kinder im Kita-Alter an Corona erkranken, wie empfänglich sie für das Virus sind und wie schwer die Krankheitsverläufe sind.
Daneben wurden Kita-Leitungen, Fachkräfte und Eltern zu Erfahrungen mit Corona-Schutzmaßnahmen, zur Betreuungssituation und zu möglichen psychosozialen Belastungen befragt. In einer telefonischen Nachbefragung ging es auch darum, ob und wie sehr infizierte Kinder länger mit Beschwerden zu tun haben oder hatten - Stichwort Long Covid.

Ansteckungsraten

Die festgestellten Ansteckungszahlen in Kitas folgten eher denen in der Gesamtgesellschaft als umgekehrt. Die Inzidenz blieb durchgängig unterhalb der Inzidenz älterer Kinder und Jugendlicher. "Kitas waren keine Infektionsherde", sagte Lauterbach. Er sprach von deutlich unterdurchschnittlichen Übertragungsraten in Kitas im Vergleich zu Familien.

Symptome

Mit Corona infizierte Kinder im Kita-Alter zeigten meist wenige oder gar keine Symptome, am häufigsten Schnupfen. Der Anteil der im Krankenhaus behandelten Kinder lag im Vergleich zu älteren Altersgruppen auf einem niedrigen Niveau. In einer Nachbefragung zeigte sich, dass zuvor infizierte Kita-Kinder nicht häufiger Langzeit-Beschwerden hatten als Kinder ohne Corona-Infektion aus derselben Kita.

Eltern

Die in der Studie befragten Eltern schätzten das Wohlbefinden ihrer Kinder geringer ein, wenn sie aufgrund der Schließungsphasen ihre gewohnte Kindertagesbetreuung nicht nutzen konnten. Von Kita-Ausfällen betroffene Eltern hatten nach eigenen Angaben mehr Stress, insbesondere Alleinerziehende und Familien, in denen beide Elternteile erwerbstätig waren.

Erzieher und Leitungspersonal

Kita-Leitungen berichteten von Ansteckungsängsten bei den Beschäftigten, gestiegenen Belastungen und auch verschlechterten Beziehungen zu Eltern etwa durch eine wiederkehrende Einführung und Aufhebung von Schutzmaßnahmen wie Maskenpflicht, Betretungsverbote für Eltern oder regelmäßige Tests.

Auswirkungen auf die Kinder

43 Prozent der Kita-Leitungen sahen im Frühjahr 2022 gestiegene Förderbedarfe in der sprachlichen Entwicklung, 46 Prozent in der motorischen Entwicklung und 58 Prozent in der sozio-emotionalen Entwicklung ihrer betreuten Kinder. In Einrichtungen mit einem größeren Anteil an Kindern aus benachteiligten Verhältnissen war der Anteil höher.

Quelle: dpa

Quelle: dpa

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