Wer bekommt wann und wo einen Corona-Test?

von Nils Hagemann und Dominik Rzepka
17.10.2020 | 08:00 Uhr
In Deutschland gilt eine neue Corona-Teststrategie. ZDFheute klärt die wichtigsten Fragen - zum Beispiel: Kann ich bald einen Schnelltest in der Apotheke kaufen?
In Deutschland gilt eine neue Teststrategie. Ein Aspekt: Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen sollen Schnelltests bekommen.

Wer bekommt alles einen Test?

Alle, die Kontakt mit einer Person hatten, die positiv auf Corona getestet wurde. In den meisten Fällen wird weiter der übliche PCR-Test etwa in einer Arztpraxis durchgeführt. Es gibt keinen Anspruch auf den neuen Schnelltest. Mit den Schnelltests sollen laut der neuen Teststrategie der Bundesregierung erstmal nur das Personal, Besucher und die Bewohner von Krankenhäusern oder Pflegeheimen getestet werden.

Was, wenn meine Corona-App rot wird?

Auch dann kann man sich testen lassen. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) schreibt dazu auf Instagram: "Mit dieser Warnung in der App hast du den Anspruch auf einen kostenlosen Corona-Test - auch wenn du keine Symptome aufweist. Dieser Anspruch besteht innerhalb der folgenden zehn Tage." Die App bekommt nach ZDF-Informationen jetzt übrigens ein Update.

Wann kommen die neuen Schnelltests?

Ab sofort. "Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen können den Test ab jetzt erwerben", sagt ein Sprecher des Gesundheitsministeriums ZDFheute. Die Kosten werden erstattet.

Kann ich einen Schnelltest selber durchführen?

Nein, den Abstrich für einen Schnelltest muss medizinisches Fachpersonal durchführen. Der Test muss allerdings nicht im Labor ausgewertet werden. Deshalb liegt das Ergebnis schon nach wenigen Minuten vor.

Wie funktioniert der Schnelltest?

Der Antigen-Schnelltest weist einen Bestandteil des Virus nach und zwar das Protein, das sich auf der Oberfläche des Virus befindet, das sogenannte Spike-Protein, kurz S-Protein. In dieser Grafik sind das die Kügelchen an der Oberfläche des Virus: 
Der Antigen-Schnelltest: Die S-Proteine des Virus binden an Antikörper, die sich auf einem Teststreifen befinden.Quelle: zdf
Zuerst nimmt ein Profi mit einem Stäbchen eine Probe des Patienten, zum Beispiel aus dem Rachen. Dieser Abstrich wird auf einen Teststreifen aufgetragen, auf dem sich Antikörper befinden. Sollte sich im Abstrich des Patienten das Virus befinden, bindet das S-Protein an diese Antikörper - so wie ein Schlüssel, der in ein Schloss einrastet, Experten sprechen vom Antigen-Prinzip. Die Probe wird positiv.

Wie zuverlässig ist so ein Schnelltest?

Sehr zuverlässig. SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sagt ZDFheute: "Diese Tests sind Hochleistungstests, sie sind hochspezifisch." Lauterbach geht davon aus, dass der Test ungefähr 95 Prozent aller Infektionen feststellt.

Lediglich eine von 20 Infektionen könne der Test eventuell übersehen. "Das ist aber eine sehr gute Zahl", so Lauterbach.
Karl LauterbachQuelle: Kay Nietfeld/dpa

Kann ich mir so einen Schnelltest in der Apotheke kaufen?

Erst einmal wahrscheinlich nicht. Noch gibt es nicht so viele Schnelltests. Karl Lauterbach rechnet mit ungefähr 20 Millionen Tests pro Monat - und die sind erst einmal für Pflegeheime und medizinisches Personal reserviert. "In diesem Jahr werden wir keine Schnelltests haben, bevor wir zum Beispiel auf ein Konzert oder ins Fußballstadion gehen", sagt Lauterbach. Und leider, leider sagt er auch: 
Es wird auch erst einmal keine Schnelltests geben, die für Tinder-Dates genutzt werden können.
Karl Lauterbach, SPD
Aber: Das könnte sich ändern. Es kann sein, dass es im nächsten Jahr Schnelltests in Apotheken zu kaufen geben wird. Möglich auch, dass man dazu sein eigenes Gurgel-Wasser untersuchen wird. Dieser Test könnte etwa 15 Euro kosten. 

Und was ist mit dem "Blut"-Test?

Den gibt es auch weiterhin. Er weist Antikörper im Blut nach. Dafür piekst man sich selber in den Finger und untersucht das Blut. Antikörper bilden sich aber erst nach einer gewissen Zeit. Man kann mit diesem Test also vor allem sehen, ob man eventuell schon (wissentlich oder unwissentlich) infiziert war. Nicht, ob man aktuell infiziert ist.

Wird es den PCR-Test weiterhin geben?

Ja. Er funktioniert allerdings ein bisschen anders. Denn hier wird das Erbgut des Virus nachgewiesen, die sogenannte RNA - das steht für "Ribonukleinsäure". Auch hier nimmt ein Profi eine Probe des Patienten mit einem Stäbchen. Dieser Abstrich wird dann im Labor untersucht.
Dabei kopieren Enzyme die Virus-RNA, sollte sie sich tatsächlich im Abstrich befinden. Diesen Prozess nennt man "PCR", das steht für "Polymerase Ketten-Reaktion" (das "C" steht für das englische Wort "chain"). Am Ende befinden sich sehr viele Kopien der Virus-RNA in der Probe. Dann wird der Test positiv.
Vorne im Bild: Gefäße mit Abstrichen von Patienten. Befindet sich in einem Abstrich Virus-RNA, kann das Enzym Polymerase sie kopieren. Diese Kopien der Virus-RNA lassen einen PCR-Test positiv werden.Quelle: Soeren Stache/dpa-Zentralbild/ZB

Muss ich mich testen lassen, wenn ich aus einem Risikogebiet zurückkomme?

Ja, zumindest bis zum 8. November. Wer zum Beispiel aus Frankreich zurückkommt, muss sich innerhalb von zehn Tagen testen lassen. Die Kosten übernimmt der Staat. Nach dem 8. November ist eine Quarantäne von zehn Tagen Pflicht. Sie kann durch einen negativen Test auf fünf Tage verkürzt werden.