Kontaktsperren: Was erlaubt ist, was nicht

01.04.2020 | 13:48 Uhr
Deutschland versucht, das Coronavirus mit einer Kontaktsperre für zunächst zwei Wochen aufzuhalten. Darauf einigten sich Bund und Länder. Die Maßnahmen im Überblick.
Sonntagsspaziergang nur mit Abstand. Aufgrund der bundesweiten Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung des Corona-Virus blieben aber auch viele zu Hause.

Gilt eine Ausgangssperre in Deutschland?

Nein. Aber: Mehr als zwei Menschen dürfen sich nicht zusammen draußen aufhalten - es sei denn es sind Angehörige aus dem gemeinsamen Haushalt. Also mit einem Freund, einer Freundin spazieren gehen ja - zu dritt nicht. Zu allen anderen soll man, wo immer möglich, einen Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern einhalten, um die Coronavirus-Ausbreitung zu reduzieren. Dieses Kontaktverbot gilt bis mindestens 19. April.
Mehr zur Verlängerung des Kontaktverbots im Video:
Bund und Länder verlängern die Kontaktbeschränkungen wegen der Corona-Krise mindestens bis zum 19. April. Auch auf private Besuche über Ostern soll verzichtet werden, so Kanzlerin Merkel.

Was gilt für die eigene Wohnung?

Generell sollen alle Kontakte zu anderen außer den Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum reduziert werden.
Ausdrücklich genannt ist die Zwei-Kopf-Regel für drinnen in dem Beschluss von Bund und Ländern aber nicht. Auch hier darf es aber etwa keine Gruppen feiernder Menschen geben.

Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen sollen von den Ordnungsbehörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert werden.
Mehr zu Polizeikontrollen im Video:
Die Polizei kontrolliert derzeit verstärkt, ob sich die Deutschen an das Kontaktverbot halten, bei Missachtung drohen Bußgelder.

Wie hoch sind die Strafen?

Bis zu 25.000 Euro etwa in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz. Bundesweite Vorgaben gibt es nicht. Aber: Es handele sich beim Kontaktverbot nicht um Empfehlungen, sondern Regeln - mit Folgen bei Nichteinhaltung, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).
Die bundesweiten Kontaktverbote wegen der Corona-Pandemie gelten weiter – trotz frühlingshafter Temperaturen. Eine Herausforderung für die Bürger? Dazu ZDF-Korrespondent Carsten Behrendt.

Was ist draußen noch erlaubt?

Joggingrunden, Toben mit den eigenen Kindern oder Gassi-Gänge zum Beispiel. Also Sport und Bewegung an der frischen Luft - aber eben individuell. Der Weg zur Arbeit oder zur Notbetreuung der Kinder bleibt erlaubt, Einkäufe, Arztbesuche, zu nötigen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere.

Neun-Punkte-Plan gegen die Corona-Ausbreitung

  1. Die Bürgerinnen und Bürger werden angehalten, die Kontakte zu anderen Menschen außerhalb der Angehörigen des eigenen Hausstands auf ein absolut nötiges Minimum zu reduzieren.
  2. In der Öffentlichkeit ist, wo immer möglich, zu anderen als den unter 1. genannten Personen ein Mindestabstand von mindestens 1,5 m einzuhalten.
  3. Der Aufenthalt im öffentlichen Raum ist nur alleine, mit einer weiteren nicht im Haushalt lebenden Person oder im Kreis der Angehörigen des eigenen Hausstands gestattet.
  4. Der Weg zur Arbeit, zur Notbetreuung, Einkäufe, Arztbesuche, Teilnahme an Sitzungen, erforderlichen Terminen und Prüfungen, Hilfe für andere oder individueller Sport und Bewegung an der frischen Luft sowie andere notwendige Tätigkeiten bleiben selbstverständlich weiter möglich.
  5. Gruppen feiernder Menschen auf öffentlichen Plätzen, in Wohnungen sowie privaten Einrichtungen sind angesichts der ernsten Lage in unserem Land inakzeptabel. Verstöße gegen die Kontakt-Beschränkungen sollen von den Ordnungsbehörden und der Polizei überwacht und bei Zuwiderhandlungen sanktioniert werden.
  6. Gastronomiebetriebe werden geschlossen. Davon ausgenommen ist die Lieferung und Abholung mitnahmefähiger Speisen für den Verzehr zu Hause.
  7. Dienstleistungsbetriebe im Bereich der Körperpflege wie Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-Studios und ähnliche Betriebe werden geschlossen, weil in diesem Bereich eine körperliche Nähe unabdingbar ist. Medizinisch notwendige Behandlungen bleiben weiter möglich.
  8. In allen Betrieben und insbesondere solchen mit Publikumsverkehr ist es wichtig, die Hygienevorschriften einzuhalten und wirksame Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher umzusetzen.
  9. Diese Maßnahmen gelten bis mindestens 19. April - was danach gilt, ist noch nicht beschlossen.
Nun soll es ein Kontaktverbot geben: Bundeskanzlerin Angela Merkel hat die neuen Regeln erläutert, musste sich am Ende aber noch einmal korrigieren. Das ganze Statement im Video.

Was muss bundesweit geschlossen werden?

Restaurants und Cafés - Essen darf man sich nur nach Hause liefern lassen oder es abholen und zu Hause essen. Friseure, Kosmetikstudios, Massagepraxen und Tattoo-Studios müssen geschlossen bleiben.

Werden Homeoffice oder Produktionseinschränkungen vorgeschrieben?

Nein, dazu gibt es bislang keine bundesweite Regelung. In Betrieben sollen aber Hygienevorschriften eingehalten werden - mit Schutzmaßnahmen für Mitarbeiter und Besucher.
Mehr zu den Rechten von Arbeitnehmern in der Corona-Krise lesen Sie hier:

Dürfen Länder und Kreise darüber hinaus gehen?

Ja, vielfach gelten auch schon schärfere Regeln. In Bayern darf weiterhin nur der gemeinsam an die frische Luft, der zu einem Hausstand gehört.
Was wo in Deutschland gilt lesen Sie hier:

Was tut nun die Regierung zur Abfederung der Folgen?

Das Kabinett beschloss am Montag gleich mehrere große Schutzschirme für Unternehmen, Beschäftigte, Solo-Selbstständige, Mieter und Kliniken sowie umfangreiche Rechtsänderungen. Dazu wurde ein Nachtragshaushalt mit einer Neuverschuldung von rund 156 Milliarden Euro verabschiedet.

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